Ich will nicht nur kuscheln.

Klaus Birnstiel besucht ein Bordell

Der Text ist von: Ulrich Mattner.

Die Fotos sind von Ulrich Mattner.

Jeden Tag gehen sehr viele Männer ins Bordell.

In Frankfurt sind es jeden Tag 10 Tausend Männer.

Sie suchen das schnelle Glück.

Die Männer sind ganz verschieden:

groß, klein, dick, dünn, mit heller Haut-Farbe, mit dunkler Haut-Farbe.

Nur Männer mit Körper-Behinderung sind fast nie dort.

 

Für Männer und Frauen mit Behinderung ist Sex für Geld vielleicht gut.

Sie haben auch den Wunsch auf Sex.

Im Bordell könnten sie vielleicht Sex haben.

Ist Sex für Menschen mit Behinderung im Bordell möglich?

Können die Mitarbeiter im Bordell
Sex mit Menschen mit Behinderung haben?

Wie muss ein Bordell sein,
damit Menschen mit Behinderung hingehen können?

 

Doktor Klaus Birnstiel fährt einen Elektro-Rollstuhl.

Er will wissen,
ob Menschen mit Behinderung in Bordelle gehen können.

 

Klaus Birnstiel sagt:

Ich finde es schlecht, dass niemand über Behinderung und Sex redet.

Ich will, dass jeder weiß:
Menschen mit Behinderung wollen auch Sex.

Menschen mit Behinderung haben Sex.

 

Darum macht Birnstiel Vorträge
und redet mit Reportern.

Zusammen mit Ulrich Mattner war Birnstiel in 2 Bordellen in Frankfurt.

Ulrich Mattner ist von Beruf: Fotograf.

Mattner und Birnstiel waren für das ZDF Fernsehen unterwegs.

Für die Sendung: Menschen – Das Magazin.

Ulrich Mattner

Barrieren im Bordell

Es gibt Bordelle in die kann jeder rein.
Die Besucher können den ganzen Tag im Bordell bleiben.

Diese Bordelle heißen: Laufhäuser.

 

Laufhäuser sind nicht barrierefrei.

Es gibt 22 Laufhäuser in Frankfurt.

Sie haben oft 5 Stockwerke.

Man muss Treppen gehen.

Ein paar Bordelle haben Aufzüge, aber oft nur für Mitarbeiter.

 

Ein Bordell ist anders.

Es ist das Haus: Taunusstraße 26.

Es hat eine Internet-Seite.

Darin steht: Das Bordell ist auch für Menschen mit Gehbehinderung.

Vor der Tür gibt es einen Behinderten-Parkplatz.

Im Haus gibt es einen Aufzug.

Wer Hilfe braucht, kann anrufen.

Klaus Birnstiel will dieses Haus ausprobieren.

Er ist aufgeregt.

Das ist sein erster Besuch im Bordell.

 

Der Flur im Bordell ist rot.

Es gibt viele Bilder von schönen Frauen,
die kaum Kleidung anhaben.

 

Der Chef vom Haus ist Richard Böhlig.

Er ist ein dünner Mann mit einer Brille.

Richard Böhlig sagt:

Jeden Monat kommen mehrere Besucher mit Behinderung.

Klaus Birnstiel soll Gabriella besuchen.

 

Gabriella kommt aus dem Land Portugal.

Sie hatte im Bordell noch keinen Kunden mit Behinderung.

 

Gabriella und Birnstiel verstehen sich gut.

Birnstiel ist neugierig.

Er sagt:

Ich brauche jeden Tag Hilfe.

Warum nicht auch beim Sex.

 

Eine halbe Stunde Sex kostet 50 Euro.

Birnstiel muss zuerst bezahlen.

Dann sind die beiden zärtlich zusammen.

Eine halbe Stunde lang.

Dann verabschieden sie sich freundlich.

 

Gabriella sagte danach:

Ich wollte, dass er es schön findet.

In seinem Kopf soll etwas Gutes bleiben.

Im Rotlichtviertel

Der nächste Besuch ist im Bordell: das Rote Haus.

Es ist das größte Bordell in Frankfurt.

 

Vor dem Eingang ist eine Treppe.

Im Roten Haus arbeitet der große und kräftige Harry.

Er ist der Wirtschafter vom Haus.

Harry hat eine Idee.

Er baut 2 Schienen
und hilft Klaus Birnstiel über die Schienen ins Haus.

Das macht er ganz vorsichtig.

 

Mit dem Aufzug fährt Birnstiel in den ersten Stock.

Dort arbeitet Monique.

Monique ist schlank und braun.

Sie hat viele Bilder auf ihrem Körper.

Die Haare sind auf dem Kopf zusammen gebunden.

Sie sieht streng aus.

Sie zündet 2 Kerzen an.

 

Kein Extra-Kuscheln für Behinderte

Monique küsst Klaus Birnstiel auf den Mund.

Sie kneift ihn ins Ohr.

Sie flirtet mit ihm.

Dann wird die Tür zugemacht.

Reporter müssen draußen bleiben.

 

Monique sagte danach:

Ich war glücklich, weil ich ihn glücklich gemacht habe.

Sex mit Menschen mit Behinderung ist nichts Besonderes.

Ich bin dabei ohne Gefühle.

Wir sind wie Kranken-Schwestern.

Wir nehmen kein Leid mit nach Hause.

 

 

Eine Frau, die Sex für Geld macht, nennt man: Prostituierte.

Nicht jede Prostituiert macht Sex mit Menschen mit Behinderung.

Monique sagt:

Am Besten vorher anrufen und sich beraten lassen.

Der Wirtschafter weiß, wer die Wünsche von den Kunden erfüllen kann.

 

Klaus Birnstiehl fand die Bordell-Besuche gut.

Er sagt dazu:

Ich kann mich über nichts beschweren.

Ich war willkommen.

Ich fand die Frauen gut.

Niemand muss mir sagen, dass ich toll bin.

Ich will nicht nur kuscheln.

Ich will auch einfach mal Sex haben.

 

Als Schwerbehinderter bekam er kein Extra-Kuscheln.

Und das findet Birnstiel gut so.

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