Das leistet eine Prozessbegleitung

Unterstützung und Beratung

Etwa 20 Menschen hören dem Vortrag eines Mannes zu.
  1. Gemeinsam mit Akteur*innen vor Ort planen und optimieren die Berater*innen Prozesse und Strukturen im Projekt.
  2. Sie bringen den wertvollen Blick von außen aufs Projekt ein und können bei Konflikten im Netzwerk vermitteln.
  3. Sie sind direkte Ansprechpartner*innen für die Projektleitung.
  4. Sie können die Partizipation der Zielgruppen stärken.

Optimal ist es, wenn Sie Ihr Projekt von der Planungsphase an durch eine Prozessbegleitung unterstützen lassen. Sie können sie aber auch zu einem späteren Zeitpunkt an Bord holen. Spätestens wenn in einem Netzwerk Konflikte auftreten, empfiehlt es sich, sie mit Hilfe einer externen Beratung zu lösen.

1. Prozesse planen und Strukturen optimieren

Zusammen mit der Projektleitung schauen sich die Prozessbegleiter*innen an, wie die Netzwerkgremien miteinander arbeiten. Welche Netzwerkgruppen gibt es? Welche Funktion haben sie? Wie oft treffen sie sich? Wie tauschen sie Informationen untereinander aus? Fragen zu Strukturen und Abläufen können die Prozessbegleiter*innen gemeinsam mit der Projektleitung klären. 

Wenn etwas nicht so läuft, wie es laufen sollte, schlägt die Prozessbegleitung Lösungen vor und setzt sie mit den Netzwerkpartner*innen um. Ziel ist, dass alle Netzwerkgremien so miteinander arbeiten, dass das Projekt gut vorankommt.

Eine Prozessbegleitung stärkt die Menschen und ihre Kompetenzen vor Ort: beispielsweise indem sie mit den Netzwerkpartner*innen immer wieder bespricht, welche Fähigkeiten und welches Wissen sie im Netzwerk bereits haben und welche sie zusätzlich noch brauchen, um ihre Ziele zu erreichen. Berater*innen können Weiterbildungen empfehlen, mit organisieren und möglicherweise auch selbst durchführen.

So kann eine Prozessbegleitung der Projektleitung beispielsweise eine Fortbildung zum Thema Moderation empfehlen. Gute Moderator*innen werden in Netzwerken oft gebraucht, beispielsweise für Netzwerktreffen, Gremiensitzungen oder Konfliktgespräche. Im Rahmen des Modellprojekts Kommune Inklusiv haben die Netzwerkkoordinator*innen aller Kommunen an einer Fortbildung zu Presse- und Öffentlichkeitsarbeit teilgenommen. Denn Wissen und Handwerkszeug in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sind ebenfalls wichtig für Projektleiter*innen in Inklusionsprojekten.

Zwei Frauen stehen in einem Geschäft, eine lächelt in die Kamera

2. Mit dem Blick von außen qualifizierte Rückmeldung geben und bei Konflikten vermitteln

Ein großer Vorteil der Prozessbegleitung: Sie hilft mit ihrem Blick von außen. Ein solch möglichst neutraler Blick ist wichtig für Projekte und Netzwerke. Die qualifizierte Rückmeldung von Expert*innen außerhalb des eigenen Netzwerk-Kreises kann beispielsweise gegen „Betriebsblindheit“ helfen.

Die Prozessbegleitung verfolgt keine persönlichen Interessen im Netzwerk und kann dadurch differenzierter auf Strukturen und Prozesse schauen. Im besten Fall sehen die Netzwerkpartner*innen die Prozessbegleitung als objektive Berater*innen von außen an. Gibt es zum Beispiel Unstimmigkeiten darüber, wer für eine Aufgabe zuständig ist, kann die Prozessbegleitung vermitteln. Prozessbegleiter*innen kennen viele Methoden, mit denen sich Schwierigkeiten lösen und die Zusammenarbeit verbessern lassen. Gegebenenfalls können sie Konfliktgespräche auch moderieren.

3. Die Projektleitung unterstützen

Prozessbegleiter*innen sind darüber hinaus Ansprechpartner*innen in ganz konkreten Fällen und damit ein „Backup“ für die Projektleiter*innen vor Ort: Sie helfen beispielsweise, einen Förderantrag zu schreiben oder unterstützen beim Formulieren einer Kooperationsvereinbarung.

Projektleiter*innen können sich an sie wenden mit Fragen oder auch mal, um Gedanken und Ideen zur Netzwerkarbeit weiterzuspinnen. Prozessbegleiter*innen sind in diesem Fall Diskussionspartner*innen auf Augenhöhe. Der Austausch kann motivieren, die Kreativität fördern und zu besseren Ergebnissen führen.

4. Partizipation sichern

Im Projekt Kommune Inklusiv arbeitet die Prozessbegleitung gemeinsam mit den Akteur*innen vor Ort daran, dass bei der Planung und Umsetzung der Projekte die Zielgruppen und weitere Bürger*innen beteiligt werden. Partizipation ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Inklusionsprojekte die Situation für die Menschen vor Ort wirklich verbessern.

Mehr darüber lesen Sie im Kapitel „Aktiv für mehr Partizipation

Erfahrungen aus den Modellkommunen

Brunnen auf dem Marktplatz in Erlangen

In der Modelllkommune Erlangen hatte sich zu Projektbeginn eine Arbeitsgruppe mit dem Ziel gegründet, die Lebenssituation von Senior*innen zu verbessern, die von Vereinsamung bedroht sind. Die Arbeitsgruppe rief ein „Generationen-Café“ ins Leben: Einmal im Monat sollten an wechselnden Veranstaltungsorten interessierte Bürger*innen jeden Alters zusammenkommen und sich zu einem bestimmten Thema austauschen. Leider kamen nicht so viele Senior*innen zu den Erzähl-Café-Veranstaltungen wie erhofft.

Prozessbegleitung, Netzwerkkoordination, Netzwerkpartner*innen und Mitglieder der Arbeitsgruppe überlegten gemeinsam, wie sie ihr Ziel besser erreichen könnten. Sie beschlossen, ein Netzwerk mit Menschen aus der Zielgruppe und wichtigen Netzwerkpartner*innen aus dem Bereich Senior*innenarbeit zu gründen.

Das Netzwerk erarbeitet nun, was die von Einsamkeit betroffenen älteren Menschen wirklich brauchen. Dabei gehen die Akteur*innen nach der Methode der kooperativen Planung vor. Das heißt, zunächst klären sie, welche Bedürfnisse die Zielgruppe hat. Anschließend entwickeln alle gemeinsam wirksame Maßnahmen und setzen sie zusammen um. Geleitet wird dieser partizipative Prozess der kooperativen Planung von den Netzwerkkoordinatorinnen Felicitas Keefer und Ina Fischer. Die Prozessbegleiterin Zsuzsanna Majzik unterstützt sie dabei, schult sie und begleitet sie durch die Prozessschritte.

Auch in der Modellkommune Nieder-Olm überlegt die Arbeitsgruppe Gesundheit zurzeit, unterstützt durch die Prozessbegleitung, mit der Methode der kooperativen Planung zu arbeiten. Auch hier hatte die Zielgruppe Senior*innen einige Angebote nicht so gut angenommen wie erhofft - nun möchte die Arbeitsgruppe die Zielgruppe von Beginn an beteiligen.

Aufgaben und Erfolgskriterien klären

Ein junger Mann und eine junge Frau schauen sich Blumen an einem Marktstand an. Der junge Mann hat das Down-Syndrom.

Die Rolle der Prozessbegleitung hängt davon ab, wie die Situation vor Ort ist, welche Wünsche und Bedürfnisse die Menschen haben. Klären Sie deshalb vor Projektbeginn mit den Prozessbegleiter*innen so konkret wie möglich: Welche Aufgaben und Rolle sollen sie übernehmen?

Mehr Infos zur Rollen-Klarheit