Erlangen

Erlangen ist eine kreisfreie Stadt in Mittelfranken im südlichen Bundesland Bayern. Die vielen Fahrräder, Bierkeller, Brauereien, Störche und der barocke Schlossgarten sorgen vor Ort für eine malerische Kulisse. Im Schlossgarten findet einmal im Jahr sogar das größte Gartenfest Europas statt. Daneben ist Erlangen für die "Berchkärwa" oder "Bergkirchweih" bekannt, ein Volksfest, das die Franken jedes Jahr an Pfingsten gemeinsam mit Menschen aus aller Welt feiern. Wirtschaftlich zählt Erlangen zu den stärksten Städten in Deutschland.

Inklusion ist in der Modellkommune schon länger ein wichtiges Thema. Bereits in den achtziger Jahren hat sich eine starke Bewegung von Menschen mit Behinderung vor Ort etabliert. Unter anderem deshalb ist Erlangen heute eine lebenswerte Stadt für Rollstuhlfahrer. Niederflurbusse, abgesenkte Bordsteine oder Projekte zur Anschaffung mobiler Rampen tragen hierzu bei.

Die lokale Volkshochschule bietet auch Einführungskurse zum Thema Inklusion an. In der Stadtbücherei gibt es eine Abteilung für Leichte Sprache. Sogar die Stadtzeitung „Rathausplatz 1“ erscheint in einer barrierefreien elektronischen Version. Daneben entwickelt die Stadt Erlangen gemeinsam mit ihren Bewohnern momentan ein Leitbild für gute Bürgerbeteiligung. Dieses vielseitige Engagement möchten die Partner vor Ort mit der Initiative Kommune Inklusiv weiter ausbauen. Ihre Vision eines „Place to live“ für alle Erlanger und Erlangerinnen, eines bunten Miteinanders, kann Wirklichkeit werden.

Dazu ist Inklusion besonders noch in solchen Bereichen nötig, in denen Gesetze Lücken hinterlassen. Bei Barrierefreiheit in der Privatwirtschaft ist das zum Beispiel der Fall. Oder bei Freizeitangeboten, in denen es keine Übersetzer für Gebärdensprache gibt. Langfristig möchten die Verantwortlichen der fränkischen Stadt außerdem Denkmalschutz und Barrierefreiheit vereinbaren. Denn die zwei Interessen geraten oftmals in Konflikt miteinander.

Eine Zielgruppe liegt dem Inklusionsnetzwerk in Erlangen besonders am Herzen: Menschen mit Schwerbehinderung und Fluchthintergrund. Sie sind gleich in doppelter Weise von Ausgrenzung bedroht. Wegen der guten regionalen Verflechtung von Krankenhäusern, Ärzten, Pflegediensten und medizinischen Forschungseinrichtungen kommen immer mehr von ihnen nach Erlangen. Die fränkische Stadt und ihre Partner setzen sich dafür ein, die Lebensbedingungen dieser Menschen nachhaltig zu verbessern.

Die Vision

„Was Inklusion betrifft hat jede Stadt einen anderen Schwerpunkt. Marburg bietet zum Beispiel Blinden eine hohe Lebensqualität. Erlangen ist wegen der vielen abgesenkten Bordsteine gut für Menschen im Rollstuhl. Meine Vision ist ein Erlangen ohne solche Schwerpunkte. Erlangen soll eine Stadt sein, in der alle gleich gut leben können. Und das mit so wenig Hindernissen wie möglich.“

Cornelia Basara, Verantwortliche des Bereichs Inklusion im Büro für Chancengleichheit und Vielfalt

Die Kommune im Überblick

  • Erlangen, Bayern
  • 112.213 Einwohner, 1456 pro Quadratkilometer
  • Arbeitslosenquote 3,9 Prozent
  • Oberbürgermeister: Florian Janik-Vita (SPD)

Aktuelle Materialien zum Thema Inklusion

Sozialbericht der Stadt Erlangen für das Jahr 2015
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Dokumentation der zweiten Erlanger Inklusionskonferenz am 8. April 2016
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Arbeitsprogramm zur Umsetzung der Behindertenrechtskonvention aus dem Jahr 2011
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Kurzinterview mit Elisabeth Preuß

Kurzinterview mit Cornelia Basara

Das Netzwerk in Erlangen

Stadt Erlangen

ein rollstuhlfahrer und ein junger mann sitzend auf einem brunnenmauer in einer fußgängerzone

In Erlangen hat sich die Stadt für Kommune Inklusiv beworben. Hauptansprechpartnerin für die Initiative ist Cornelia Basara. Sie verantwortet im Büro für Chancengleichheit und Vielfalt den Bereich Inklusion. Die Stadt Erlangen bietet seit Mitte der achtziger Jahre eine Behindertenberatung an. Seit Mitte der neunziger Jahre gibt es einen Beauftragten für die Belange von Menschen mit Behinderung. Auf die Erstellung eines Aktionsplans Inklusion hat der Stadtrat bis jetzt verzichtet. Stattdessen hat er im Jahr 2011 gemeinsam mit dem Forum behinderte Menschen ein Arbeitsprogramm verfasst.

 

Ina Fischer und Felicitas Keefer

Zwei Frauen stehen nebeneinander vor einer Pflanze

Ina Fischer und Felicitas Keefer koordinieren gemeinsam das Inklusionsnetzwerk in Erlangen.
Ina Fischer ist gelernte Kauffrau für Bürokommunikation, Peer Counselor der ISL und verfügt über vielfältige Erfahrungen im Bereich der Inklusion. Sie arbeitete vor Ort unter anderem für das ZSL. Später war sie bis einschließlich 2017 Teil des Projektteams „Inklusion Erlangen – in Stadt und Land“ bei der Access GmbH. Felicitas Keefer hat Theater- und Medienwissenschaft studiert. Bevor sie zu Kommune Inklusiv stieß, war sie pädagogische Leiterin im Quartier für Medienbildung in Traunstein. Hier arbeitete sie in einer Radioredaktion zusammen mit Jugendlichen mit und ohne besondere Bedarfe. 

Forum „Behinderte Menschen in Erlangen“ 

Grafik eines Schiffes mit mehreren rudernden Menschen an Bord

Das Forum „Behinderte Menschen in Erlangen“ existiert seit 2001. Es ist ein Zusammenschluss von 29 städtischen Behindertenorganisationen und Selbsthilfegruppen. Gemeinsam beraten sie die Stadtverwaltung beim Thema Inklusion. Außerdem setzen sie sich öffentlich für die Interessen von Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung ein. Drei Sprecher organisieren und koordinieren die Arbeit des Forums. Darunter Netzwerk-Koordinator Axel Wisgalla.

ACCESS Integrationsbegleitung

zwei frauen und ein mann mit behinderung sitzen am küchentisch und trinken tee

ACCESS Integrationsbegleitung ist ein gemeinnütziger Fachdienst. Er verschafft Menschen mit Behinderung Zugänge zum Arbeitsleben. Dazu fördert er einerseits ihre Qualifizierung und Vermittlung auf dem regulären Arbeitsmarkt. Gleichzeitig setzt ACCESS sich dafür ein, dass Menschen mit Behinderung einen genau zu ihnen passenden und auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Arbeitsplatz finden.

Zentrum für selbstbestimmtes Leben

zwei frauen und ein mann mit behinderung sitzen am küchentisch und trinken tee

Das Zentrum für selbstbestimmtes Leben Behinderter e.V. (ZSL) engagiert sich seit 1989 in Erlangen. Es ist eine Beratungsstelle und Interessenvertretung für Menschen mit Behinderung. Besonders Erwachsene mit einem Bedarf an persönlicher Assistenz können durch die  Assistenz Organisation des Zentrums so selbstbestimmt wie für sie möglich in Erlangen leben.

Die Lebenshilfe

Junger Mann mit Down-Syndrom und eine junge Frau stehen lachend neben einem Blumenstand vom Wochenmarkt

Die Lebenshilfe Erlangen e.V. ist eine Interessenvertretung für Menschen mit geistiger Behinderung. Sie gründete sich 1960 auf Initiative von Eltern, Fachleuten und Freunden und war die erste Ortsvereinigung der Lebenshilfe in Bayern. Ihr Anliegen ist es, das Leben von Personen mit geistiger Beeinträchtigung zu verbessern und ihnen Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. So engagiert sich die Lebenshilfe für ein Miteinander ungeachtet individueller Merkmale.

Verein zur Wiedereingliederung psychisch kranker Menschen

Logo des Vereins zur Wiedereingliederung psychisch kranker Menschen wabe e.V.

Der Verein zur Wiedereingliederung psychisch kranker Menschen wabe e.V. setzt sich seit 1987 dafür ein, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen den Weg in die Gesellschaft zurückfinden. Unter dem Leitspruch "Ohne Angst verschieden sein können" unterstützt der Verein Betroffene in den Bereichen Wohnen, Arbeiten und Leben: Im Bereich Wohnen verfügt wabe über ein ambulantes Wohnbetreuungssystem, im Bereich Arbeiten über eine Werkstatt für Menschen mit psychischer Erkrankung und ein Integrationsunternehmen. Das Begegnungszentrum von wabe deckt den Bereich Leben ab.

Neues aus Erlangen

eine hand drückt an einer Ampel den knopf mit blindenzeichen

Erlangens Innenstadt ertasten

Seit Sommer 2017 gibt es in Erlangen ein neues Bronze-Modell der historischen Innenstadt. Das Besondere: Die Gebäude und Stadtteile des plastischen Modells sind mit Braille-Schrift beschriftet. So können Menschen mit Sehbehinderung auch lesen, was sie ertasten.

Artikel "Erlangens Innenstadt jetzt ertastbar" lesen

eine familie fährt fahrrad im grünen
CC BY 2.0, flickr/pressedienst fahrrad

Aktivisten auf der Rädli

Die Rädli, eine Fahrradtour für Groß und Klein, hat Tradition in Erlangen. Jedes Jahr am 1. Mai präsentieren sich viele Organisationen aus der Region. Zwei von ihnen nutzten die Tour, um die Radelnden über das Leben mit Behinderung zu informieren. Anlass: der Europäische Gleichstellungstag.

Mehr über die Fahrradtour erfahren