Stadtluft macht frei

In Städten entstehen viele Initiativen, die die Welt ein bisschen besser machen sollen. Hier finden sich Gleichgesinnte, hier gibt es die nötige Infrastruktur, hier treffen Kreativität, Aufbruchstimmung und Idealismus zusammen. Vier Beispiele.

Porträts von drei Frauen und drei Männern
Links und Tipps


Die Online-Plattform der Foodsaver finden Sie unter www.foodsharing.de
Der WDR hat eine umfangreiche und interessante Multimedia-Reportage zum Thema ins Netz gestellt: www.reportage.wdr.de/foodsharing#8176

Protokolle: Christina Nerea Burger und Dagmar Puh
Fotos: Marina Rosa Weigl


Junge Frau mit Tatoos an den Unterarmen lächelt in die Kamera

Lea Rudoph ist Pädagogin, Sozialarbeiterin mit Schwerpunkt Suchtprävention und Foodsharing-Botschafterin im Stadtteil Köln-Ehrenfeld. Foodsharing ist ein ehrenamtliches Netzwerk, das Lebensmittel weitergibt, bevor sie in der Mülltonne landen.

Lea Rudolph, Köln

Seit drei Jahren engagiere ich mich ehrenamtlich bei Foodsharing. Wir sind eine Initiative, die etwas gegen die Lebensmittelverschwendung tun möchte. Als Foodsaver holen wir deshalb abgelaufene, nicht mehr ganz frische oder unschöne Nahrungsmittel, die sonst weggeworfen würden, bei verschiedenen Betrieben ab und verteilen sie weiter. Zu unseren Partnern gehören Bäckereien, Supermärkte und Cafés. Damit die Rettung der Lebensmittel für alle geregelt abläuft, organisiert sich Foodsharing online auf einer Plattform.

Nach meinem ersten Jahr bei Foodsharing wurde ich Botschafterin für Köln-Lindenthal. Seit Januar 2017 kümmere ich mich um den Stadtteil Ehrenfeld. Als Botschafter ist man dafür verantwortlich, dass die Abläufe vor Ort funktionieren. Dazu gehört vor allem, die Neulinge einzuarbeiten. Außerdem organisiere ich regelmäßige Treffen und bin Ansprechpartnerin bei Problemen. In einer großen Stadt wie Köln kann das sehr zeitaufwendig sein. Allein in Ehrenfeld sind laut Onlineplattform rund 1.300 Personen als Foodsaver registriert.

Die vielen Engagierten sind aber gleichzeitig enorm wichtig für das Projekt: Je mehr Foodsaver es gibt, desto mehr Essen wird gerettet. Und ­desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass im Notfall kurzfristig jemand einspringen kann. Auch andere städtische Strukturen wirken sich positiv aus: Durch kurze Wege und öffentliche Verkehrsmittel kommt man immer schnell von A nach B. Das ist ideal, wenn man irgendwo Lebensmittel abholen muss. Wir Kölner Foodsaver können spontaner und flexibler agieren als die auf dem Land.

In den Veedeln, unseren Stadtteilen, spricht sich unser Projekt rasch herum: Immer mehr Leute wollen mitmachen. Besonders die Neuen sind oft hoch motiviert. Denn in der Stadt gibt es viele kooperierende Betriebe und damit für alle etwas zu tun.

Gerade in Ehrenfeld sind unsere potenziellen Abnehmer sehr gut vernetzt. Wir können uns darauf verlassen, dass die Lebensmittel, die wir retten und zu den Fairteilern bringen – das sind öffentlich zugängliche Sammelstellen –, auch wirklich abgeholt werden. Oft innerhalb von zehn Minuten. Wir retten also nicht nur von einer Tonne zur nächsten.

Seit der Gründung im Jahr 2012 haben wir Foodsaver in Deutschland mehr als neun Millionen Kilogramm Lebensmittel gerettet. Ich glaube, unser Erfolgsgeheimnis ist die effektive Vernetzung aller Beteiligten: den Betrieben, den Lebensmittelrettern und den Abnehmern. Da sind wir in Ehrenfeld ganz vorne mit dabei.

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Sven, Aaron und Matej feiern


Dieser Beitrag ist in Ausgabe 1/2017 von Menschen - Inklusiv leben erschienen.