Fit für Barrierefreiheit

Barrierefreiheit ist eine Grundvoraussetzung für Inklusion. Denn da, wo sich Hindernisse auftun, bleibt vielen Menschen die Teilhabe verwehrt. Das kann das kulturelle Leben und die Politik betreffen, aber auch die Arbeitswelt oder die Freizeit. Barrierefreiheit bedeutet, die Strukturen all dieser Bereiche so zu gestalten, dass sie für jeden ohne fremde Hilfe zugänglich sind.

Das heißt zum Beispiel, dass neben Treppen auch ein Aufzug und eine Rampe ins Rathaus führen. Oder dass Formulare nicht nur in kompliziertem Amts-Deutsch, sondern auch in Leichter Sprache verfügbar sind. Eltern mit Kinderwagen profitieren vom Aufzug genauso wie alte oder gehbehinderte Menschen. Texte in Leichter Sprache helfen Menschen mit Lernschwierigkeiten. Und gleichzeitig sind sie nützlich für Leute, die nicht gut Deutsch sprechen.

Barrierefreiheit bietet Menschen mit und ohne besondere Bedarfe also viele Vorteile. Genau das zu zeigen, war Anliegen der Schulung "Barrierefreiheit und Design für Alle" am 6. und 7. April in Münster. Die Teilnehmer sprachen zunächst über Merkmale, Trends und rechtliche Grundlagen barrierefreier Umgebungen und über barrierefreie Kommunikation.

eine gruppe von menschen lächelt in die kamera
Mathias Knigge und Prof. Dr. Peter Neumann leiteten die Schulung.
Barrierefreiheit vor Ort

Richtig spannend wurde es im praktischen Teil. Da unterzog die Gruppe den Prinzipalmarkt und den Domvorplatz einem Barrierefreiheits-Test. Alle konnten sich nach Lust und Laune ausprobieren: Im Altersanzug, im Rollstuhl, mit dem Rollator oder dem Blindenstock stolperten die Teilnehmer über das Kopfsteinpflaster. Das Wort "stolpern" ist mit Absicht gewählt. Denn das Gelände stellte sich nur bedingt als barrierefrei heraus.

Als Mensch mit Mobilitätseinschränkungen über den Prinzipalmarkt von Münster zu schlendern, gestaltet sich manchmal ziemlich schwierig. So das Fazit der Schulungsteilnehmer, von denen selbst niemand eine Behinderung hat. Bessere Bedingungen bietet da das LWL-Museum für Kunst und Kultur. Hier nahm die Schulungsgruppe an einer Führung mit dem Schwerpunkt Barrierefreiheit teil. Das Museum gilt als Vorbild in diesem Bereich.

Barrierefreiheit als Querschnittsthema

An den zwei Tagen ist vor allem eines deutlich geworden: dass Barrierefreiheit ein Querschnittsthema ist. Es geht alle Menschen etwas an und berührt viele verschiedene Lebensbereiche. Deshalb ist es wichtig, im Sozialraum für Austausch zwischen den Beteiligten zu sorgen. Es müssen unterschiedlichste Interessen miteinander vereint und Lösungen gefunden werden, die alle zufriedenstellen.

Das ist leichter gesagt als getan. Gerade wegen der Vielzahl von Interessen und Perspektiven gestaltet sich eine übergreifende Sensibilisierung für das Thema schwierig. Ein Planungs- und Gestaltungskonzept, das aber genau diesen Anspruch hat, ist Design für Alle (DfA). Design für Alle heißt, dass alle Menschen einen Gegenstand in gleicher Weise und problemlos einsetzen können. Um das zu gewährleisten, unterliegen die Produkte verschiedenen Kriterien.

Menschen stehen in einer Ausstellungshalle mit Skulpturen
Das LWL-Museum liegt am Domplatz in Münster
Merkmale von Design für Alle
  • Gebrauchsfreundlichkeit: Das Produkt lässt sich einfach und sicher nutzen.
  • Anpassbarkeit: Der Nutzende kann das Produkt nach seinen individuellen Bedürfnissen einstellen.
  • Nutzerorientierung: Die Zielgruppen des Produkts sind bereits im Vorfeld in seine Entwicklung mit einbezogen.

Design für Alle zeigt, dass Inklusion auch bei Entwicklungsprozessen der richtige Weg ist – und genauso kostengünstig wie herkömmlich entwickelte Produkte. Übrigens sind DfA-Produkte barrierefrei. Was nicht heißt, dass auch alles, was barrierefrei ist, zu Design für Alle gehört.

Jemand bedient eine Salatschleuder mit nur einer Hand