Die Strippenzieherin: Ulrike Schloo

Porträt von Ulrike Schloo

„Ein Jahr lang habe ich versucht, meine Stellen als Koordinatorin und Reisebüro-Leiterin unter einen Hut zu bringen. Das hat nicht so gut funktioniert. Denn nicht nur die Arbeit bei Kommune Inklusiv nimmt stark ein - auch gedanklich ist das Projekt einnehmend. Das Reisebüro habe ich dann aufgegeben. Obwohl mir die Arbeit großen Spaß gemacht hat, verleiht mir Kommune Inklusiv ein ganz anderes Gefühl von Zufriedenheit. Denn ich verändere wirklich etwas im Leben der Menschen! Auch mein eigenes Leben hat sich durch das Projekt verändert. Ich habe mich verändert.

Normalerweise bin ich eher die, die unauffällig im Hintergrund agiert. Die organisiert und die Strippen zieht. Kommune Inklusiv erfordert es aber manchmal, ins Rampenlicht zu treten und sich Raum zu nehmen. Das tue ich jetzt mehr und mehr. Außerdem habe ich gelernt, meine Grenzen klarer zu ziehen. Früher war ich etwa sehr aktiv in der Flüchtlingshilfe. Das geht nun leider nicht mehr in dem Ausmaß. Ich musste lernen, dass ich mich nicht überall engagieren kann. Und auch auf mich schauen darf, um meine Energie zu bewahren.

Kraft und Energie tanke ich vor allem, wenn ich mit anderen Menschen zusammen bin. Oder in der Natur. Oder beides gleichzeitig. Im Herbst 2019 waren wir als ganze Familie in Kanada. Da habe ich wieder gemerkt, wie sehr ich die Natur liebe. Die kanadischen Städte waren interessant, aber wirklich beeindruckt haben mich die Naturparks. Mir geht das Herz auf, wenn ich draußen bin! Ich könnte stundenlang wandern und Tiere beobachten. In Schneverdingen mache ich das auch manchmal. Meine liebste Wanderroute führt ab Volkwardingen durch das Naturschutzgebiet. Man spaziert durch Heide und Wald, einen Friedwald. Und eine Aussichtsplattform gibt es auch. Gerade die vielen jungen Menschen, die sich im Rahmen der Fridays for Future–Bewegung für den Schutz dieser Natur einsetzen, inspirieren mich momentan sehr.

Für die Zukunft wünsche ich mir zum einen, dass wir Menschen wieder mehr mitdenken. Wenn wir bestimmte Werte nicht nach und nach verlieren würden, wäre Inklusion gar nicht nötig. Zum anderen wünsche ich mir, dass wir uns wieder mehr auf das Menschsein besinnen. Darauf, mehr gemeinsam zu machen und direkten Kontakt zueinander zu haben. Technik und Digitalisierung bringen viele Vorteile mit sich. Das hat sich gerade in den letzten von Corona dominierten Monaten gezeigt. Viele Medien sorgen aber auch dafür, dass wir uns regelrecht von ihnen ‚aufsaugen’ lassen. Da nehme ich mich selbst gar nicht aus! Ich finde es wichtig, dass wir uns dieser Entwicklung bewusst werden und versuchen, sie gemeinsam einzudämmen.“