Kommune Inklusiv in Zeiten von Corona

Das Corona-Virus hat das gesellschaftliche Leben wie wir es kennen ordentlich durcheinander gewirbelt. Auch die Initiative Kommune Inklusiv. Wie gehen die Modellkommunen mit der Situation um?

Bunte Masken liegen gestapelt auf einem Tisch
Vera Davidova/Unsplash

Bei Kommune Inklusiv geht es vor allem um zweierlei: Begegnung und gemeinsames Engagement. Eine Initiative, die grundsätzlich auf zwischenmenschlichen Kontakt, Austausch und Netzwerkarbeit ausgerichtet ist, stößt in Zeiten räumlicher Distanz früher oder später auf Herausforderungen.

„Es war, wie bei voller Fahrt eine volle Wendung zu machen“, beschreibt Erik Ortlieb, Koordinator in Rostock, sein Gefühl, als im März die ersten Corona-Maßnahmen in Kraft traten. In allen Kommunen wurden in Folge Angebote ausgesetzt und Veranstaltungen abgesagt. Viele Menschen mussten ihren Arbeitsalltag von einem Tag auf den anderen digitalisieren. 

Modellinitiative im doppelten Sinn

Die Modellhaftigkeit von Kommune Inklusiv ist derzeit spürbar wie nie zuvor. Denn bislang gab es weder ein vergleichbares Inklusionsprojekt in Deutschland, noch eine derartige gesellschaftliche Ausnahmesituation, mit der auch dieses Projekt nun umgehen muss. Das erfordert Umdenken. So hat sich etwa das Thema Engagement stark verändert.

„Ehrenamt ist bei unserer Arbeit ein wichtiger Bestandteil und wir erhalten immer wieder Anfragen“, sagt Gracia Schade, Koordinatorin der Verbandsgemeinde Nieder-Olm. „Darüber freuen wir uns sehr. Doch wenn eines derzeit kaum realisierbar ist, dann sind es persönliche Begegnungen.“ Man müsse vielmehr die digitalen Möglichkeiten, sich zu engagieren, nutzen. Partizipation als eines der Kernelemente von Kommune Inklusiv gestaltet sich da schon schwieriger.

Erschwerte Partizipation

„Einige unserer Zielgruppen gehören zur Risikogruppe. Wir in Rostock verzichten deshalb schon lange auf persönliche Treffen. Viele der von uns adressierten Menschen wollen oder müssen ihre Kontakte beschränken“, erklärt Erik Ortlieb. Koordinatorin Jessica Bleifuß aus Schneverdingen ergänzt: „Aber auch wenn wir Dinge virtuell planen, fühlen sich einige Menschen nicht wohl damit. Und möchten nicht mitmachen. Ganz zu schweigen von denen, denen die technischen Möglichkeiten fehlen.“

Gracia Schade stimmt das traurig. „Wir kommen an viele Zielgruppen nicht ran. Das kann wirklich frustrierend sein. Und hemmt bei uns momentan den Prozess der kooperativen Planung[N1] , den wir im Bereich Gesundheit angestoßen haben.“ Wo bestimmte Dinge erschwert sind, bleibt jedoch mehr Raum für andere -  zum Beispiel Öffentlichkeitsarbeit. Die Modellkommunen haben zusammen etwa die Videoreihe „Das schlaue Buch der Vielfalt“  gestartet.

Logo des Podcast „Kaffee, Klatsch und Inklusion“ von Ortlieb und Schulz

Intensive Öffentlichkeitsarbeit

Seit August 2020 zeigen sie hier, wie bunt das Thema Inklusion ist und welche Wege zu mehr Miteinander es gibt. Alle paar Wochen erscheint ein neues Kapitel. Bis jetzt wurde zu den Themen Tourismus, Barrierefreiheit, Vielfalt in der Werbung, Vielfalt im Job und über die Frage Ist jede Behinderung sichtbar? diskutiert.

 

Auch einzeln gehen die Modellkommunen neue Wege der Öffentlichkeitsarbeit: Erlangen hat einen Blog gestartet, auf dem regelmäßig neue Beiträge in Einfacher Sprache erscheinen. Die VG Nieder-Olm nutzt seit Corona besonders das Video-Format und bespielt ihren YouTube-Kanal. Die Rostocker*innen sind mit ihrem Podcast „Kaffee, Klatsch und Inklusion“ ebenfalls auf YouTube sowie auf Spotify unterwegs.

Schneverdingen fährt eine ähnliche Strategie: Auf YouTube gibt es regelmäßig Videos zu verschiedensten Themen, etwa Selbstfürsorge. Auf Spotify können Interessierte in den Podcast „Exklusive Gespräche über inklusive Themen“ reinhören. Und auf der Webseite gibt es coronabedingt viele praktische Tipps, um die Zeit des Virus zu überstehen. Schließlich hat auch Schwäbisch Gmünd mit der Reihe „So wie ich bin“ einen Podcast aufgezogen. Und füttert seit Ende Juli 2020 einen Blog.

Wie geht es weiter?

Für die nächste Zeit sicher zu planen, gestaltet sich schwierig. Das einzig Sichere ist wohl die allgegenwärtige Unsicherheit. Und dass die Live-Treffen der Koordinator*innen bis Sommer 2021 ausfallen. Niemand kann sagen, wie lange Corona den Alltag noch bestimmen wird. Doch irgendwie verbindet dieses Gefühl doch auch. Wie sagte der Philosoph und Psychologe Erich Fromm so schön: Ungewissheit ist gerade die Bedingung, die den Menschen zur Entfaltung seiner Kräfte zwingt.

Trotz Corona wurde vor Ort in den letzten Monaten einiges für Inklusion getan. Wenn Sie wissen möchten, wie es aktuell in den Modellkommunen aussieht, klicken Sie eine der beiden Links an:

Erlangen: Zwischen den Lockdowns

Schneverdingen: Die Menschen begleiten