Kulturreihe gestartet

Ende August haben die Schneverdinger das alljährliche Heideblütenfest gefeiert. Nach diesem farbenfrohen Spektakel geht es vor Ort genauso bunt weiter. Wo? Bei der neu gestarteten inklusiven Kulturreihe. 

Ein Mann und zwei Frauen stehen vor dem Kino Lichtspiel in Schneverdingen.

 „Kultur verbindet und Infotainment ist der Schlüssel, um eine möglichst große Reichweite zu bekommen. (...) Im Zuge einer umfassenden Öffentlichkeitsarbeit wollen wir viele Medien bespielen. Das sind neben den Zeitungen und Zeitschriften sowie den digitalen Kanälen auch die Bühnen in unserer Stadt.“ So beschreiben die Inklusionsmacher aus Schneverdingen online eines ihrer Vorhaben.

Und das haben sie für diesen Herbst in die Tat umgesetzt. Gemeinsam mit dem ortsansässigen Kulturverein hat Kommune Inklusiv Schneverdingen eine Veranstaltungsreihe organisiert, bei der Diversität im Vordergrund steht. Sowohl auf der Bühne als auch davor im Zuschauerraum. Das Tolle an kulturellen Veranstaltungen ist, dass sie vier Dinge gleichzeitig vermögen: Sie machen nicht nur Spaß, sondern informieren, sensibilisieren und schaffen Begegnung. Und Begegnung baut wiederum Hemmnisse und Vorurteile ab.

 

Comedy und Kino

Den Auftakt der Kulturreihe „Da kann ja jeder kommen“ hat am 5. September der Komiker Martin Fromme gemacht. Dass ihm der linke Unterarm fehlt, schreckt ihn nicht, offen und humorvoll mit seiner körperlichen Besonderheit umzugehen. „Man darf nicht nur Witze über Behinderung machen, man muss es sogar. Humor baut Berührungsängste ab. Das Mysterium Behinderung wird entmystifiziert“, schreibt er auf seiner Homepage.

Bei den Filmvorstellungen stehen Menschen im Mittelpunkt, die eine nervliche Erkrankung haben bzw. eine Entwicklungsstörung. „Vincent will Meer“ erzählt die Geschichte eines jungen Mannes mit Tourette-Syndrom. Eigentlich lebt er in einem Heim, aber gemeinsam mit der magersüchtigen Marie, dem zwangsneurotischen Alexander und einem geklauten Auto macht er sich Hals über Kopf auf den Weg nach Italien. Wieso? Um die Asche seiner Mutter zu verstreuen.

In „Rain Man“ erfährt Charlie nach dem Tod seines Vaters, dass er einen älteren Bruder Raymond hat, der die drei Millionen Dollar Erbe ganz alleine bekommen soll. Raymond hat Autismus und lebt in einem Heim für Menschen mit Behinderungen. Da Charlie in finanziellen Schwierigkeiten steckt, beschließt er, seinen Bruder zu entführen. So will er seinen Anspruch auf das Erbe bei den Anwälten durchsetzen. Ein Road-Trip beginnt.

Da kann ja jeder kommen

Neben Kino und Comedy gehören zum Programm eine Gesprächsrunde, eine Lesung und eine Multimedia-Show. Dabei soll jeder Mensch die Möglichkeit bekommen, teilzuhaben. Um das zu gewährleisten, haben sich die Schneverdinger eine besondere Aktion überlegt: Wer sich das Ticket für eine kulturelle Veranstaltung nicht leisten kann, sagt beim Vorverkauf einfach „Da kann ja jeder kommen“. Dann gibt es außer bei den Filmvorstellungen 50 Prozent Ermäßigung auf den regulären Preis.

 

Einen Überblick über die kommenden Veranstaltungen gibt der aktuelle Flyer der Kulturreihe.  

Flyer der Kulturreihe „Da kann ja jeder kommen“ für Herbst 2019 herunterladen

Wer nach „Vincent will Meer“ und „Rain Man“ außerdem nicht genug von Filmen mit inklusiven Themen hat, dem steht glücklicherweise eine immer größere Auswahl zur Verfügung. Wie wäre es zum Beispiel mit „Der geheime Garten“ (1993), „Jenseits der Stille“ (1996) oder „Ziemlich beste Freunde“ (2011)? In der Musical-Serie „Glee“ gehört außerdem eine Schauspielerin mit Down-Syndrom zur Besetzung.