Gemeinsam statt einsam

Wie erreicht man Senior*innen, die von Einsamkeit bedroht sind oder schon vereinsamt leben? Scheinbar ein Dilemma. In Erlangen gibt es neue Ideen, um an diese Menschen heranzukommen.

Ein Mann spricht vor einem Publikum in einer Kneipe

Bei „Erlangen erzählt...“ im E-Werk ging es im Februar um das Thema „Idole früher und heute“

Deutschlandweit leben über zwei Millionen der Über-80-Jährigen alleine. Jede*r vierte von ihnen bekommt nur einmal im Monat Besuch von Freunden oder Bekannten. Manche haben gar keinen Kontakt mehr nach außen und leben fast in vollständiger Isolation. Die Folgen: Depressionen, Antriebslosigkeit. Die Menschen verlieren langfristig ihren Lebensmut. Dem möchten die Inklusionsmacher*innen in Erlangen entgegenwirken.

Koordinatorin Felicitas Keefer lag die Gruppe der vereinsamten älteren Damen und Herren von Anfang an besonders am Herzen. Sie wünscht sich, dass so viele Menschen wie möglich, die in Erlangen leben, aber in Vergessenheit geraten sind, wieder in die Mitte der Gesellschaft finden. Mit dem Treff „Erlangen erzählt – Lebensgeschichten im Generationencafé“ habe das teilweise schon funktioniert.

„Immer wieder kommen Frauen und Männer nach der Veranstaltung auf mich zu und bedanken sich für das Angebot“, freut sie sich. „Erzählen, dass sie dadurch endlich mal wieder unter Leute gekommen sind und dass ihnen das gut getan hat. Einige sagen explizit, dass sie sich einsam gefühlt haben und fragen mich dann, was sie noch dagegen tun können.“

Neue Ideen

Das Generationencafé gibt Jung und Alt Raum, sich auszutauschen. Dabei erweitert sich der Kreis der Teilnehmenden stetig. „Trotzdem bleibt es eine unserer größten Herausforderungen, Menschen zu erreichen, die wirklich isoliert leben, sich immer weiter abschotten, sich dafür schämen und so in einer Abwärtsspirale landen“, berichtet Felicitas Keefer.

Deshalb möchte das Team um Kommune Inklusiv weitere Wege einschlagen, um an diese Menschen heranzukommen. Geschehen soll das über solche Dinge, die auch in Isoliertheit zwangsweise anfallen. „Wo gehen selbst einsame Menschen noch hin? In die Apotheke, zur Post, zum Friseur, in die Bäckerei. Das können wir uns zunutze machen und die Leute, die dort arbeiten, mit ins Boot holen.“

Zum Beispiel, indem man diese über die Angebote von Kommune Inklusiv Erlangen informiert und möglicherweise sogar schult. Auch Krankenkassen, „Essen auf Rädern“ und Pflegedienste sollen gezielt kontaktiert werden. Das KI- Team arbeitet mit dem Partner Gesundheitsregion plus außerdem an einem Patenschaftsmodell.

Geladen zum Fachkongress

Trotz neuer Wege und Maßnahmen möchte Felicitas Keefer auch die bereits bewährte Veranstaltungsreihe des Generationencafés weiterentwickeln. Vor allem eine kreative Beschäftigung mit der eigenen Biografie sei bei den Teilnehmenden gut angekommen. Deshalb sollen künftig mehr Generationencafés einen solchen Workshop-Charakter bekommen.  

Nicht nur die Veranstaltungsorte des Generationencafés sind übrigens barrierefrei. Auch für eine Übersetzung in Deutsche Gebärdensprache sowie eine FM -Anlage für Menschen mit Hörschwierigkeiten ist gesorgt. Zusätzlich gibt es einen Fahrdienst für Menschen mit geringer Mobilität, der diese pünktlich zum nächsten Termin von „Erlangen erzählt“ bringt.

Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben hat erkannt, dass das etwas Besonderes ist: Mit dem Konzept des Generationencafés hat es das Team von Kommune Inklusiv im BAGSO-Wettbewerb  „Einsam, zweisam, gemeinsam“ in die engere Auswahl geschafft. Felicitas Keefer durfte das Angebot im März 2019 deshalb beim Fachkongress „Einsamkeit im Alter vorbeugen“ präsentieren.