Geh einfach neben mir und sei mein Freund

"Gehe nicht hinter mir, vielleicht führe ich nicht. Geh nicht vor mir, vielleicht folge ich nicht. Geh einfach neben mir und sei mein Freund." Mit diesem Zitat von Albert Camus brachte es ein Teilnehmer der Empowerment-Schulung für Menschen mit Behinderung auf den Punkt, was Inklusion für ihn bedeutet. Die von der Aktion Mensch organisierte Schulung richtete sich an Menschen mit Behinderung, die sich in den Modellkommunen im Projekt Kommune Inklusiv engagieren.

Eine Gruppe Menschen steht um ein Flipchart herumgruppiert

Menschen mit verschiedenen Behinderungen aus Schneverdingen in der Lüneburger Heide, aus Schwäbisch Gmünd, aus Erlangen und aus Rostock nahmen an der ersten von insgesamt zwei zweitägigen Empowerment-Schulungen am 12. und 13. Juni in Mainz teil. Diese wird von den Empowerment-TrainerInnen Ines Spilker, Kerstin Wöbbeking und Ottmar Miles-Paul geleitet. Ein Teilnehmer aus der fünften Modellkommune Nieder-Olm, der krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte, wurde zudem zu einem Inklusionsgespräch telefonisch zugeschaltet und berichtete darüber, was in Nieder-Olm schon alles in Sachen Inklusion erreicht wurde. 

Im Mittelpunkt des ersten Schulungskurses stand, neben dem Kennenlernen und dem Erfahrungsaustausch über die verschiedenen Aktivitäten und Stärken der TeilnehmerInnen, die Auseinandersetzung mit den in der UN-Behindertenrechtskonvention verankerten Rechten und deren Umsetzung. Hierzu wurde auch der rheinland-pfälzische Landesbehindertenbeauftragte Matthias Rösch telefonisch zugeschaltet. Befragt von den TeilnehmerInnen des Schulungskurses schilderte Matthias Rösch, was ein Landesbehindertenbeauftragter so alles macht, und was man in einer solchen Funktion in Zusammenarbeit mit vielen Akteuren erreichen kann. Und das ist gerade in Rheinland-Pfalz eine ganze Menge: Vor Ort würden viele Projekte umgesetzt, wie im neuen Nationalpark Hunsrück, wo nun Ranger-Touren für blinde und sehbehinderte sowie für gehörlose Menschen angeboten werden. Viele Orte in Rheinland-Pfalz seien daher nicht nur wegen ihrer Schönheit, sondern auch wegen der zunehmenden Barrierefreiheit eine Reise wert, wie zum Beispiel Trier. Was sich in Mainz alles getan hat, hatte die nunmehr seit 23 Jahren tätige städtische Behindertenbeauftragte der Landeshauptstadt Marita Boos-Waidosch bereits am Vorabend beim Inklusionsgespräch geschildert. So ist der Tenor von Matthias Rösch und Marita Boos-Waidosch eindeutig. "Wenn wir Inklusion wollen, dann dürfen wir dies nicht nur den Anderen überlassen, sondern müssen uns selbst einmischen und Verantwortung übernehmen. Der Satz 'Nichts über uns ohne uns' muss vor Ort und auf allen Ebenen gelebt werden." Die Tatsache, dass sowohl der Landesbehindertenbeauftragte, als auch viele städtische Beauftragte selbst behindert seien, habe einen wichtigen Effekt für eine ernsthafte und zielgerichtete Auseinandersetzung mit dem Thema Inklusion. "Wenn ich vor Ort auf Besuch komme, dann ist klar, dass die Bühne barrierefrei sein muss", so ein Beispiel von Matthias Rösch. 

Die TeilnehmerInnen der Empowerment-Schulung blieben aber nicht bei der theoretischen Beschäftigung mit dem Thema Inklusion stehen. Zum Abschluss der Schulung setzten sie sich selbst Ziele, und nahmen sich konkrete Projekte für ihr weiteres Wirken vor, die sie bis zum nächsten Treffen am 16./17. November in Mainz vorantreiben werden. Man kann also gespannt darauf sein, was sich in den einzelnen Regionen zukünftig so tut. Ganz im Sinne des Begriffes Empowerment war die entsprechende Power der TeilnehmerInnen beim ersten Schulungsblock schon eindeutig zu spüren, so das Resüme der TrainerInnen.


Dieser Beitrag von Christian Mayer ist am 15. Juni 2017 bei den kobinet-nachrichten erschienen.