Gebärdensprache lernen

In Erlangen und Schwäbisch Gmünd können Interessierte lernen, wie man mit den Händen spricht und mit den Augen hört. Wo? Bei den im Herbst startenden Kursen für Deutsche Gebärdensprache. 

Eine Frau und ein Mann unterhalten sich in Deutscher Gebärdensprache.

Mit den Händen sprechen und mit den Augen hören – das klingt unmöglich? Gehörlose Menschen tun dies jeden Tag. Nämlich dann, wenn sie miteinander kommunizieren und dabei Gebärdensprache nutzen. Je nachdem, in welchem Land sie leben, kann das etwa die American Sign Language (ASL), die Lengua de Signos Española (LSE) oder die Deutsche Gebärdensprache (DGS) sein.

Genauso wie auf der Welt nicht nur mit einem einzigen laut- und schriftsprachlichen System wie Englisch kommuniziert wird, gibt es auch bei der visuell-manuellen Gebärdensprache unterschiedliche Sprachräume. Weltweit existieren über 200 verschiedene Gebärdensprachen. Die hierzulande gängige DGS sprechen etwa 200.000 Menschen, 80.000 von ihnen sind Muttersprachler.

Gehörlose in Erlangen und Gmünd

Gehörlose bilden eine der Zielgruppen, auf die sich Kommune Inklusiv Erlangen konzentriert. In Schwäbisch Gmünd soll die Teilhabe von Menschen mit Behinderung allgemein weiter verbessert werden. Die Tradition ist hier in diesem Bereich lang. Für Gehörlose gibt es etwa ein eigenes Zentrum und eine Schule, daneben bietet die Stadt Führungen in Gebärdensprache an.

Inklusion von Gehörlosen heißt aber nicht nur, speziell auf sie zugeschnittene Angebote einzurichten. Es bedeutet auch, Hörenden die Möglichkeit zu geben, an der Lebenswelt der Gehörlosen teilzuhaben. Und das ist am einfachsten, wenn man die gleiche Sprache spricht. In Erlangen und Schwäbisch Gmünd starten diesen Herbst neue Kurse, um DGS zu lernen.

Deutsche Gebärdensprache

Die Deutsche Gebärdensprache ist eine natürlich entstandene vollwertige Sprache mit umfassendem Vokabular und eigenständiger Grammatik, die man in Deutschland und Luxemburg nutzt. Wie bei deutscher Mundart gibt es regional unterschiedliche "Dialekte". Die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) und die Deutschschweizer Gebärdensprache (DSGS) sind spannenderweise nicht mit der DGS verwandt.

Jede Gebärde setzt sich zusammen aus Handformen, Kopf- und Körperhaltung, Mimik und Mundbild. Zum Mundbild gehören Stellung und Lage der Zunge, durch welche sich einzelne Laute erkennen lassen. Das Mundbild ist sehr wichtig, weil sich viele Gebärden gleichen und nur so voneinander unterschieden werden können. Das ist zum Beispiel bei den Wörtern „Politik“, „Technik“ und „Vorbereitung“ der Fall. Daneben gibt es das Fingeralphabet, das zum Einsatz kommt, um Eigennamen, Fremdwörter oder unbekannte Begriffe aus der Lautsprache zu buchstabieren.

Die Mitglieder des Gebärdenchores stehen auf einer Treppe und lachen in die Kamera.

Am europäischen Gleichstellungstag 2017 gab der Gehörlosen-Chor Schwäbisch Gmünd „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen zum Besten.

DGS -Angebote

Insgesamt ist Gebärdensprache sehr komplex, weil sie dreidimensional abläuft: Ihre Sprecher müssen sich auf Vieles gleichzeitig konzentrieren. Um einen Einblick in das faszinierende Kommunikationssystem zu bekommen, besuchen einige Gmünder Bürger ab Oktober einen Gebärdensprachkurs für Anfänger. „Wir hatten ihn groß und offen für alle ausgeschrieben. Der Kurs war sofort voll“, freut sich Koordinatorin Sandra Sanwald über die gute Resonanz.

An der VHS  Erlangen, die im Sommersemester einige Veranstaltungen gemeinsam mit den Inklusionsmachern von Kommune Inklusiv organisiert hatte, gibt es dieses Semester ebenfalls Angebote zu Deutscher Gebärdensprache. Die Möglichkeit, einen ersten Eindruck zu gewinnen, bietet die Lange Nacht der Volkshochschulen am Freitag, den 20. September 2019. Um 19 und 20 Uhr beginnt jeweils der kostenlose Vortrag „Deutsche Gebärdensprache – mehr als nur fliegende Hände“.

Angebote zu Deutscher Gebärdensprache in Erlangen ansehen