Die (Ex-)Goalball-Spielerin: Ina Fischer

Koordinator*innen vor Ort

Verheiratet, dreifache Mutter und Teil der Projektkoordination in Erlangen. Der Spagat zwischen Familie, Beruf und dem eigenen Assistenzbedarf gelingt Ina Fischer vor allem mit viel Humor.  

Ina Fischer

„Ich bin mit Grünem Star geboren worden und konnte als Kind 40 Prozent sehen. Seit meinem 16. Lebensjahr gelte ich als blind. Mein Sehen heute kann man sich etwa so vorstellen, wie wenn man in einer Vollmondnacht durch eine Milchglasscheibe blickt. Ich erkenne hellere und dunklere Schatten, aber keine Konturen oder Farben. Meine vollständige Erblindung hat meinen Alltag aber nicht maßgeblich verändert. Die Wahrnehmung wurde einfach anders. Irgendwie sogar einfacher, weil nun klar war, dass ich blind war und nicht mehr irgendetwas zwischen sehend und nicht-sehend. Lesen und Schreiben musste ich mit meiner Erblindung allerdings noch mal in einer anderen Form lernen. Ich kam auf eine Blindenschule und stieg auf Blindenschrift um.

Mit den Augen lesen kann ich zwar nicht mehr – literaturbegeistert bin ich aber trotzdem. Ich sauge alles auf, was es so an Hörbüchern und E-Books gibt! Thriller, Belletristik, historische Romane, Lustiges. Schon als Kind habe ich Bücher gesammelt und gehortet. Besonders gerne mag ich die Harry Potter-Hörbuchreihe. Außerdem koche ich mit Leidenschaft. Genauso wie die ganze Familie, vor allem mein Mann und meine älteste Tochter. Wenn ich durch meine Blindheit etwas mit meinen Kindern nicht machen kann, übernimmt das oft unsere Familienpatin für mich. Sie kommt seit fünf Jahren zu uns und hat meinen Kindern zum Beispiel das Fahrradfahren beigebracht. Oder sie springt ein, wenn meine Töchter unbedingt Ketten aus winzig kleinen Perlen knüpfen wollen... Beruflich unterstützt mich eine Arbeitsassistentin. Ansonsten manage ich meinen Alltag alleine.

Der Spagat zwischen Beruf und Familie ist zwar manchmal anstrengend, doch er funktioniert. Ob ich andere damit inspiriere, weiß ich nicht. Aber wer mich definitiv inspiriert, ist Dina Radtke. Ich finde es nachahmenswert, wie sie sich seit vielen Jahrzehnten für die Rechte von Menschen mit Behinderung einsetzt. Ich versuche mich in dem Bereich auch etwas zu engagieren. Bevor ich heiratete und meine Kinder bekam, habe ich 20 Jahre lang Goalball als Leistungssport gespielt. Ich bin Europa- und Weltmeisterin und war sogar zweimal bei den Paralympics! Ich bin mit dem Goalball auch heute noch sehr verbunden. Deshalb engagiere ich mich ehrenamtlich seit über zehn Jahren im Arbeitskreis Sport des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes.

Was ich mir wünsche? Gesellschaftlich, dass sich die Menschen wieder mehr auf die Werte der Demokratie zurückbesinnen, täglich offener für Vielfalt und Anders-Sein werden und einander gegenüber mehr Toleranz zeigen. Und privat – Gesundheit. Sowohl für mich, als auch alle, die mir wichtig sind.“