Wir brauchen Zeit

Netzwerk-Koordinatoren und Partner aus allen fünf Kommunen kamen am 21. September zur ersten KI-Erfahrungsrunde nach Bonn. Vor allem eine Botschaft haben sie daraus mitgenommen: Inklusion braucht Zeit.

Christina Nerea Burger

Die Erfahrungsrunde war kaum eine halbe Stunde alt, da zog Projektleiterin Carolina Zibell von der Aktion Mensch bereits ein wichtiges Zwischenfazit: Kommune Inklusiv braucht Zeit! Das hätten sie und die Koordinatoren aus der gemeinsamen Arbeit der letzten Monate gelernt. Manche Gemeinden bräuchten mehr davon, andere weniger. Das wurde besonders deutlich, als die fünf Modellkommunen den aktuellen Stand des Projekts bei sich vor Ort vorstellten.

Jeder geht seinen eigenen Weg

Erlangen, Rostock, Schneverdingen, Schwäbisch Gmünd und die Verbandsgemeinde Nieder-Olm beschreiten ihre ganz eigenen Wege zu mehr Inklusion. Bis heute haben sie unterschiedliche Strecken zurückgelegt. Während Nieder-Olm zum Beispiel schon ziemlich weit ist, musste sich in Schneverdingen erst einmal ein Netzwerk bilden. René Tober, Netzwerk-Koordinator in der Hansestadt Rostock, hat es besonders schön formuliert: "Auch wenn wir nicht alle im selben Boot sitzen, so schwimmen wir doch alle auf einer Welle der Inklusion."

Inzwischen steht in allen Kommunen fest, in welchen Bereichen sie sich gezielt für mehr Inklusion stark machen und welche Menschen sie dort erreichen möchten:

  • Erlangen: Gehörlose, ältere Menschen

  • VG Nieder-Olm: Menschen mit Behinderung, Geflüchtete, ältere Menschen

  • Rostock: Migranten, Kinder und Jugendliche mit körperlicher Behinderung, ältere Menschen mit Werkstatthintergrund

  • Schneverdingen: ältere Menschen, Menschen mit Behinderung, Geflüchtete und Migranten, Kinder und Jugendliche

  • Schwäbisch Gmünd: Menschen mit Behinderung, Kinder und Jugendliche

Christina Nerea Burger

Nachdem die Modellkommunen von ihren Erfahrungen berichtet hatten, rückte der Austausch zwischen den Teilnehmern in den Mittelpunkt. Bei einer Podiumsrunde kamen Vertreter unterschiedlicher Interessengruppen zu Wort und schilderten, wie sie das Projekt bis jetzt erlebt haben. Motiviert von diesen Denkanstößen ging es schließlich in eine offene Arbeitsphase, in der alle Teilnehmer in ihrer jeweiligen Interessengruppe bestimmte Leitfragen diskutierten.

Erfahrungen austauschen

Christina Nerea Burger

So tauschten sich beispielsweise die Zielgruppen darüber aus, wie das Mitmachen in ihrer Gemeinde momentan funktioniert. Vertreter der kommunalen Verwaltung beschäftigte hingegen unter anderem die Frage: Was wird passieren, wenn es bei uns einen inklusiven Stadtteil gibt? Wird sich die Politik verändern? Die wichtigsten Schlagworte wurden auf Plakaten festgehalten und am Ende noch einmal im Plenum zusammengetragen.

Insgesamt hat die Erfahrungsrunde in Bonn deutlich gemacht, wie viele verschiedene Perspektiven es bei Inklusion zu beachten gibt und wie wichtig ein gut funktionierendes Netzwerk vor Ort ist. Gleichzeitig ist allen noch einmal klar geworden, dass es nicht den einen richtigen Weg zu mehr Inklusion gibt. Denn jede Kommune und jeder Sozialraum sind einzigartig und arbeiten mit den Bedingungen, die sie vorfinden.