Ein Minion bei der Empowerment-Schulung

Als Leon Holst aus Rostock beim zweiten Block der Empowerment-Schulung für behinderte Menschen aus den Modellkommunen mit seinem Minion-Kostüm auflief, war klar, dass es auch dieses Mal bunt und engagiert zugehen würde. Der begeisterte Tänzer zeigte bei der Schulung am 16. und 17. November wie die anderen Teilnehmer ganz praktisch auf, was Inklusion für ihn bedeutet und wofür er sich stark macht.

Ein junger Mann in einem Minion-Kostüm

Leon Holst im Minion-Kostüm

kobinet/omp

"Minions sind kleine gelbe Wesen, die schon seit Urzeiten existieren. Vom gelben Einzeller entwickelten sie sich zu einer Lebensform mit nur einem Ziel: den schrecklichsten Schurken der Geschichte zu dienen. Nachdem sämtliche ihrer Meister – ein T-Rex, ein Pharao, Dschingis Khan, Dracula, ein Steinzeitmensch, ein Ritter und Napoleon – durch Missgeschicke ihrerseits getötet worden waren, entschieden sie, sich von der Welt zu isolieren. Sie lebten viele Jahre depressiv in einer Eishöhle, weil ihnen ein Anführer fehlte", heißt es unter anderem in der Beschreibung der Minions auf Wikipedia. Leon Holst, der bei der letzten Empowerment-Schulung im Juni mit einem Pokemon-Kostüm auflief, sitzt nicht mehr depressiv in einer Eishöhle, sondern taucht ganz offensiv mit seinen Kostümen auf. Dabei nutzt er diese aber nicht nur für seine Tänze, sondern hin und wieder auch gerne dafür, Menschen, die sonst eher trübgesinnt durch die Gegend laufen, zum Lachen und Nachdenken zu bringen. Und so erfreuten sich nicht nur die Kursteilnehmer, sondern auch die Mitarbeiter und Gäste des weitgehend barrierefreien Tagungsortes Hotel INNdependence in Mainz an dem farbenfrohen Auftreten des 16-Jährigen aus Rostock, der natürlich auch einige seine Tanz-Übungen vorführte.

Bereichert wurde dieser Einblick in die Aktivitäten der Kursteilnehmer auch durch Bernd Hartmann aus Schwäbisch Gmünd, der sich sein Linienrichter-Outfit anzog und den Teilnehmern einen Einblick in das Fußballwesen bot. Seit fast 20 Jahren steht der Inklusionsaktive aus Schwäbisch Gmünd fast jedes Wochenende am Spielfeldrand und erlebt als Linienrichter so manche Höhen und Tiefen dieses Sports. Höhen und Tiefen gab es auch bei dem kleinen Stadtrundgang in Sachen Inklusion in Mainz, wobei die Höhen eindeutig überwogen. Die Mainzer Behindertenbeauftragte Marita Boos-Waidosch hatte es den Teilnehmern der Empowerment-Schulung nicht nur ermöglicht, im Rathaus mit der Weiterbildung zu starten, sondern führte sie zusammen mit Gracia Schade vom Inklusionsprojekt aus Nieder-Olm durch das Rathaus und einen Teil der Mainzer Innenstadt. Der in die Treppen eingebaute Lift im Ratssaal beeindruckte dabei genauso wie die Induktionsanlage, auch wenn das Rathaus, das nun saniert werden soll, einem Labyrinth gleicht, in dem man sich nur schwer zurechtfinden kann.

Der Weg vom Rathaus zum Mainzer Staatstheater bot sich danach gut an, um aufzuzeigen, wie Barrierefreiheit in einer Innenstadt Stück für Stück erreicht werden kann. Dies reicht von Rampen und Leitsystemen bis hin zu Angeboten für eine barrierefreie Kultur, wie beispielsweise im Staatstheater. Aber auch die Tourismusbahn mit Lift oder das Tastmodell des Doms auf dem Liebfrauenplatz, wo der Dom steht, erregten die Aufmerksamkeit der Teilnehmer. Der bevorstehende Weihnachtsmarkt wird mit Gebärdensprach-Begleitung eröffnet und die Hürden für Rollstuhlnutzer wurden weiter reduziert. Und schließlich spielen die Angebote von Integrationsbetrieben in Mainz ebenfalls eine wichtige Rolle, wie sich beim Catering für die Veranstaltung zeigte.

Wie man sich vor Ort präsentieren und einbringen kann, darum ging es dann bei der Schulung mit vielen Übungen. Wie verhält man sich beim Neujahrsempfang? Oder wie kann ich bei einem Podiumsgespräch erläutern, was ich wichtig finde? Das waren nur einige Themen, die während dieser abwechslungsreichen Empowerment-Schulung eine zentrale Rolle spielten. Dass diese Schulung viele Möglichkeiten zum Stärkerwerden bot, darin waren sich nicht nur die Teilnehmer des Kurses, sondern auch die Trainer Ines Spilker, Kerstin Wöbbeking und Ottmar Miles-Paul, sowie Miriam Zöller von der Aktion Mensch am Ende einig.


Dieser Beitrag von Christian Mayer ist am 20. November 2017 bei den kobinet-nachrichten erschienen.