Aktivisten auf der Rädli

Die Rädli, eine Fahrradtour für Groß und Klein, hat Tradition in Erlangen. Jedes Jahr am 1. Mai präsentieren sich viele Organisationen aus der Region. Zwei von ihnen nutzten die Tour, um die Radelnden über das Leben mit Behinderung zu informieren. Anlass: der Europäische Gleichstellungstag.

Viele Familien kamen zum gemeinsamen Stand des ZSL und der Integrationsbegleitung ACCESS

Eigentlich war Regen angesagt. Aber Petrus überlegte es sich dann doch noch einmal anders und ließ sogar ein paar Sonnenstrahlen blicken. So schwangen sich am Montag, den 1. Mai, rund 2000 Radfahrerinnen und Radfahrer auf ihre Sättel.

Seit 1993 organisiert das Sportamt der Stadt Erlangen die Rädli. Das Ziel: Die Teilnehmenden sollen sehen, was ihre Heimat alles zu bieten hat. Dieses Jahr stellten sich an den Stopps der Routen insgesamt 99 ortsansässige Vereine und Institutionen vor. Auch die Integrationsbegleitung ACCESS und das Zentrum für selbstbestimmtes Leben waren mit einer gemeinsamen Station vertreten. Beide sind Netzwerkpartner im Projekt Kommune Inklusiv.

Der Rollstuhl-Parcours war vor allem bei den kleinen Besuchern sehr beliebt

Aktion zum Gleichstellungstag

ACCESS und ZSL wollten die Radelnden dabei nicht nur auf ihre eigene Arbeit aufmerksam machen. Sie handelten vielmehr im Zeichen des Europäischen Gleichstellungstags, der jährlich am 5. Mai stattfindet. Menschen mit Behinderung sensibilisieren an diesem besonderen Tag für ihre Lebenssituation. Beim ZSL lag der Schwerpunkt auf Geh- und Höreinschränkungen.

Zum einen konnten die Besucher Hilfsmittel gehbehinderter Menschen wie Krücken ausprobieren. Besonderen Spaß machte vielen das Meistern des Rollstuhl-Parcours. Zum anderen hatten Interessierte die Möglichkeit, in die Welt der Menschen mit Hörbehinderung einzutauchen: Nachdem sie Kopfhörer aufgesetzt hatten, wurden ihnen verschiedene Phänomene simuliert. Zum Beispiel Tinnitus, bei dem es im Ohr piept, rauscht oder zischt, oder das Fehlen bestimmter Hörfrequenzen.

ACCESS führte den Radelnden - im wahrsten Sinne des Wortes - vor Augen, wie es ist, mit einer Sehbehinderung zu leben. Als Eisbrecher stand eine Tastkiste bereit, bei der Neugierige erfühlen konnten, was sich darin befand. Danach simulierte eine Brille ihnen verschiedene Formen von Sehbehinderung. Denn nur vier Prozent der Menschen mit Sehbehinderung sind tatsächlich komplett blind. Viel mehr Leute haben Grauen Star, einen Tunnelblick oder eine geringe Sehkraft. Nebenbei probierten große wie kleine Besucher alltägliche Hilfsmittel wie den Blindenstock aus.

Auch Blindenstöcke probierten die Kinder interessiert aus

So viele Neugierige wie noch nie

"Wir haben schon mehrere Male bei der Rädli mitgemacht. Aber noch nie waren so viele Leute da wie dieses Mal. Über den ganzen Tag verteilt waren es an die 250", freut sich Daniela Lade vom ZSL Erlangen über die Resonanz. "Wir haben die Leute wirklich erreicht. Besonders klasse fand ich, dass uns sogar der Oberbürgermeister einen Besuch abgestattet hat!"

Die Rädli ist übrigens nicht nur eine Fahrradtour, sondern auch eine Tombola. Um teilnehmen zu können, sammeln die Radfahrerinnen und Radfahrer an den Stationen verschiedene Lösungswörter. Die Lösung an der Station vom Zentrum für selbstbestimmtes Leben und ACCESS? Rampenkampagne.

"Wir haben uns für dieses Lösungswort entschieden, weil kurz vor der Rädli der Auftakt der Kampagne 'Eine Rampe für eine Stufe' war", erklärt Daniela Lade. "Die Aktion gab es schon einmal vor ein paar Jahren. Sie soll Menschen mit Mobilitätseinschränkungen den Zugang zu Geschäften und Lokalen leichter machen. Das Café Belle Amie ist der erste Betrieb, der im Rahmen der Kampagne eine Rampe übergeben bekommen hat."

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