Barrierefreier Wohnpark mitten in der Gemeinde

In Erlensee bei Frankfurt/Main setzte sich ein Verein körperbehinderter Menschen erfolgreich dafür ein, dass mehr barrierefreie Wohnungen entstehen konnten. Auch Menschen ohne Behinderung profitieren jetzt vom inklusiven Wohnprojekt. 

Mehr als 80, umfassend barrierefreie, bezahlbare Wohnungen, ein inklusives Umfeld und das Ganze in attraktiver Lage mit guter Anbindung: Was der Verein „Selbsthilfe Körperbehinderter Hanaus/Gelnhausen e.V.“ (SHK) in der hessischen Kleinstadt Erlensee geschaffen hat, ist beeindruckend. „Eigentlich ist das keine Aufgabe für einen kleinen Verein“, sagt der Vorsitzende Uwe Schneider.

Aber der Bedarf an barrierefreiem Wohnraum ist riesig und das Angebot knapp. Deshalb wurde der Verein selbst aktiv. Seit den 1970er-Jahren setzt er sich für mehr Barrierefreiheit und die Rechte von Menschen mit Behinderung ein. In drei Bauabschnitten entstand so zwischen 1993 und 2021 der „Integrative Wohnpark“ in Erlensee, der heute vielen Menschen ein selbstständiges Leben in den eigenen vier Wänden ermöglicht.

Dass der Verein neu bauen konnte, anstatt Altbauten umzubauen, hatte viele Vorteile. Denn so konnte von vorneherein Barrierefreiheit geplant und berücksichtigt werden. Vor allem für körperbehinderte Menschen im (elektrischen) Rollstuhl bieten die Wohnungen viele Vorzüge.

Viele große und kleine Erleichterungen

Neben Aufzügen, Rampen, breiten Türen oder barrierefreien Badezimmern ist beim Integrativen Wohnpark an viele kleine und große Dinge gedacht worden, die körperbehinderten Bewohner*innen das Leben erleichtern: zum Beispiel abschließbare Steckdosen für E-Rollis oder Scooter neben der Wohnungstür, Türschlösser, die sich auch per Chip bedienen lassen, Fenster und Türklinken auf Rollstuhlhöhe oder Rollläden und Fensteröffner, die sich mit einer Fernbedienung steuern lassen. Für blinde Menschen wurde die Anlage außerdem mit einem Leitsystem ausgestattet. „Was man selbst tun kann, sollte man auch machen können“, meint Uwe Schneider. Nur so ist ein selbstbestimmtes Leben möglich. 

Porträt eines Mannes im E-Rolli
Uwe Schneider vom Verein „Selbsthilfe Körperbehinderter Hanaus/Gelnhausen e.V.“.
© Andreas Reeg

Wohnungen für Familien, Ältere und sozial benachteiligte Menschen

„Wir wollten hier aber nicht in einem Ghetto für Menschen mit Behinderung leben“, sagt Uwe Schneider. Deswegen ist rund ein Drittel der Wohnungen für Familien oder ältere Leute vorgesehen. Auch sozial benachteiligte Menschen finden hier bezahlbaren Wohnraum. 

Dass ein relativ kleiner Verein von Menschen mit Körperbehinderung so viel barrierefreien Wohnraum schaffen konnte, ist mehreren Faktoren zu verdanken. In erster Linie einem engagierten und ausdauernden ehrenamtlichen Team. Dann der Stadt Erlensee und dem Main-Kinzig-Kreis, die dem SHK e.V. jeweils ein Grundstück in innerstädtischer Lage in Erbpacht überließen. Und schließlich Partnern und Förderern, die das Ganze unterstützen, darunter auch die Aktion Mensch. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, so die Bilanz von Uwe Schneider. 

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