Das Buddy-Prinzip in Schule und Freizeit

Warenkorb (0)
Schüler bei einem Jugendworkshop.

Eine Alternative zum monologisierenden Frontal-Unterricht bietet das Buddy-Prinzip (Buddy englisch für Kumpel). Hier gibt es keinen Redner, der seinen Zuhörern den Stoff vorträgt, sondern Schüler, die ein Thema an Mitschüler weitergeben. Das „Lernen durch Lehren“ verwandelt den Schulraum in eine Lernwerkstatt. In mehreren Gruppen erklären Mitschüler ihren Klassenkameraden ausgewählte Inhalte. Die Lehrkraft greift nur ein, wenn sich Verständnislücken auftun.

Der lehrende Schüler mit Expertise hat sich das Wissen eben erst selbst erschlossen, er vertieft es, indem er das Erarbeitete mit anderen teilt. Weitere Vorteile: Der Redeanteil der Schüler steigt erheblich, Themen werden aus Lerner-Perspektive greifbar, der Stoff wird deutlicher und vielseitiger behandelt. Generell sind Gleichaltrige näher am Geschehen und genießen mehr Vertrauen.

Das Buddy-Prinzip lässt sich auch auf soziale Kompetenzen anwenden, gemäß dem Motto „Aufeinander achten. Füreinander da sein. Miteinander lernen“ stärkt es Jugendliche und soll dazu führen, dass sie Verantwortung für sich und andere übernehmen. Es geht über die reine Peer to Peer-Situation hinaus, wie etwa die Arbeit des Education Y e.V. zeigt. Für verschiedene Einrichtungen erarbeiten speziell ausgebildete buddY-Trainer und -Lehrer spezifische Praxisprojekte. Darin übernehmen Jugendliche etwa Patenschaften für Jüngere oder setzen sich als Streitschlichter ein. Anhand dieser Erfahrungen entwickeln sie Werte und Kompetenzen fürs Leben.

Das Buddy-Prinzip reicht sogar noch weiter, es ist nicht nur in der Schule, sondern vom Kindergarten über Jugendheime und Erwachsenenbildung bis zum Seniorenheim anwendbar.

Das Buddy-Prinzip: Experten im Interview

„Das Buddy-Prinzip ist geknüpft an einen Wechsel in der Lehrerrolle, denn als Lehrender gebe ich etwas ab und das muss ich zulassen können.“

Falko Semrau ist Didaktischer Leiter der Marie-Kahle-Gesamtschule. Er ist für die Schulprogrammarbeit, Unterrichtsentwicklung, Fortbildungsschwerpunkte und die Öffentlichkeitsarbeit an der Schule zuständig. Im Gespräch gibt er Einblicke in das Buddy-Prinzip, wichtige Rahmenbedingungen und Stolpersteine, die Pädagogen beachten sollten.

Zum Interview

„Wir sehen anhand unserer Rückmeldungen, dass die Kinder eine große Selbstwirksamkeit erleben. Sie merken: ,Ich kann tatsächlich was bewegen, Erwachsene nehmen mich ernst.'“
 

Kara Zumbrink ist Pädagogische Leiterin der buddY- und familY-Programme für den außerunterrichtlichen Bereich der Education Y e.V. Im Interview gibt sie unter anderem Einblicke in besonders geeignete Bereiche für das Buddy-Prinzip und wichtige Voraussetzungen für die Schüler, um erfolgreich zusammenarbeiten zu können.

Zum Interview

Literaturliste zum Buddy-Prinzip

Kurt Faller, Winfried Kneip, Rita Süssmuth: „Das Buddy-Prinzip: Soziales Lernen mit System“, 2007, Verlag: buddY (1. August 2007)  ISBN-10: 3000222847.

Schelhaas, Christine: „Lernen durch Lehren“ für einen produktions- und handlungsorientierten Fremdsprachenunterricht. Ein praktischer Leitfaden mit zahlreichen Unterrichtsideen und reichhaltiger Materialauswahl. Marburg: Tectum Verlag, 1997, ISBN 3-89608-765-7.

Grezga, Joachim und Klüsener, Bea: „LdL für Pepe, Pfeiffer und die Pauker“, Unterrichtstipps nach 30 Jahren bewährtem, kreativem und effektivem Lernen durch Lehren.

Martin, Jean-Pol: „Zum Aufbau didaktischer Teilkompetenzen beim Schüler: Fremdsprachenunterricht auf der lerntheoretischen Basis des Informationsverarbeitungsansatzes“ / Jean-Pol Martin. - Tübingen: Narr, 1985 (Giessener Beiträge Fremdsprachendidaktik). ISBN 3-87808-435-8.

Berger, Lutz / Grzega, Joachim / Spannagel, Christian: „Lernen durch Lehren im Fokus - Berichte von LdL-Einsteigern und LdL-Experten“, Berlin: epubli, 2011.

Informieren Sie sich auch zu:

Mehrere Erwachsene sitzen und stehen vor einem Computer.

Arbeiten in multiprofessionellen Teams

Welche Potentiale und Chancen bietet das gemeinsame Arbeiten in multiprofessionellen Teams?

Mehr zur Methode erfahren
Zwei Jugendliche lächeln sich gegenseitig an.

Offener Unterricht als bereichernde Methode

Im Offenen Unterricht bestimmen Schüler selbst, wie sie lernen – ein Konzept, das Chancen für Ihre Arbeit und einen inklusiven Alltag bietet.

Die Methode im Porträt
Ein Mädchen mit dunklen Haaren schaut gemeinsam mit einem Mädchen im Rollstuhl auf ein Smartphone.

Die COOL-Initiative

Offener Unterricht funktioniert auch bei älteren Lernenden gut – das beweist der COOL-Ansatz, den Martina Piok, Leiterin des COOL-Impulszentrums, im Interview erklärt.

Mehr zur Initiative