Meinungen zu Inklusion

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Ist Inklusion sinnvoll? Wir haben schulische und außerschulische Akteure dazu befragt. Perspektiven, Meinungen und Ausblicke: Wir stellen die Ergebnisse der Befragung vor und geben Einblicke in eine repräsentative Studie aus dem Jahr 2017.

Die Studie zeigt, dass außerschulische Akteure Inklusion positiver bewerten als die schulischen Kollegen:

Eine Grafik, die Überlick darüber gibt, wie schulische und außerschulische Akteure Inklusion einschätzen.

Schulische und außerschulische Bildungsorte: Unterschiedliche Meinungen

Auch bezogen auf die derzeitige Lage inklusiver Bildung sind außerschulische Akteure mit der Umsetzung von Inklusion zufriedener. Am besten beurteilt die verbandliche Kinder- und Jugendarbeit die Situation. Demgegenüber bewertet über alle Schulformen hinweg weniger als die Hälfte der schulischen Akteure die aktuelle Umsetzung von Inklusion als gut.

Daraus resultiert, dass sich im schulischen Bereich über die Hälfte der Therapeuten und Pfleger überfordert fühlt (56 Prozent) - ebenso wie jeder zweite Lehrer. Nur jeder vierte Sozialarbeiter und Pädagoge im außerschulischen Bereich äußert Vergleichbares. Zudem fühlen sie sich besser qualifiziert und informiert als das Lehrpersonal an Schulen.

Das Ungleichgewicht zwischen schulischen und außerschulischen Bildungsakteuren im Sozialraum hat teils für starke Überforderung auf Seiten der Schule gesorgt - zu Lasten der Einstellung zu Inklusion und dem Einsatz für Inklusion.

Und was sagen die Eltern?

Die Einstellung von Eltern zu Inklusion ist überwiegend positiv – sie wünschen sich Inklusion im schulischen und außerschulischen Kontext. 83 Prozent der Eltern von Kindern mit und ohne Beeinträchtigung befürworten den gemeinsamen Kita- beziehungsweise Kindergartenbesuch. Einem gemeinsamen Schulbesuch stimmen sie mit 76 Prozent ebenfalls überwiegend zu.

Belegt ist zudem eine positivere Einstellung inklusionserfahrener gegenüber inklusionsunerfahrener Eltern – unabhängig davon, ob das eigene Kind Förderbedarf hat oder nicht. Drei Viertel (73 Prozent) der Mütter und Väter, deren Kinder eine inklusive Schule besuchen, sind zufrieden und bezeichnen ihre bisherigen Erfahrungen mit der Schule als gut. Dabei beurteilen sie sowohl die Lernumgebung und die Lehrkräfte als auch den Zusammenhalt in der Klasse besser: Während 80 Prozent der Eltern von Kindern an inklusiven Schulen letzteren loben, tun dies nur 64 Prozent der inklusionsunerfahrenen Eltern.

Das sagt...
 

...Alexandra Cremer (Mutter von einer Tochter mit Behinderung)

Alexandra Cremer

ist Mutter einer 12-jährigen Tochter. Das Mädchen hat eine reguläre Grundschule besucht und ist danach auf eine Integrierte Gesamtschule (IGS) gewechselt. Sie sitzt im Rollstuhl und verständigt sich über ein Sprachcomputer.

Es gibt „natürliche Inklusionstalente“ unter den Lehrerinnen und Lehrern, und dann funktioniert Inklusion überraschend gut. Insbesondere, wenn die Lehrkräfte ein grundsätzlich wertschätzendes Menschenbild haben und ihre Haltung stimmt. Dann ist fast alles möglich – sogar ganz ohne Weiterbildung!

Ich verstehe zwar die Rufe nach mehr Ressourcen für die Schulen. Aber manchmal habe ich den Verdacht, dass dahinter vor allem der Wunsch steckt, sich der Veränderung zu entziehen. Unterstützung durch Förderlehrkräfte wird genutzt, um das Lernen von Kindern mit Förderbedarf zu delegieren, so dass Regelschullehrkräfte sich weiterhin um die Kinder ohne Behinderung kümmern können. Dann ändert sich, trotz Inklusion, nicht wirklich etwas an ihrem Berufsbild.

Wir Eltern von Kindern mit Behinderung haben die Aufgabe, die Eltern nicht behinderter Kinder aufzuklären. Denn an inklusiv arbeitenden Schulen möchte man das Thema Behinderung und Inklusion häufig nicht besprechen – weil man es angeblich „lebt“. Ergebnis sind, spätestens in der Pubertät, Parallelwelten. Hier sind Eltern und Lehrkräfte gleichermaßen gefragt: Verstehen und Erklären hilft sehr!

Das sagt...
 

...Katrin Schilling (Mutter von zwei Söhnen ohne Behinderung)

Bevor unser Sohn eingeschult wurde, war das Thema Inklusion für uns keines. Ich wusste nur aus Erzählungen, welche Vorbehalte es gibt. Auf der Einschulungsfeier erfuhren wir dann, dass unser Sohn in eine i-Klasse kommt, in der eine Klassenlehrerin und eine Förderschullehrerin gemeinsam unterrichten.

Heute kann ich sagen: Inklusion ist bei uns immer noch kein großes Thema. Unser Sohn erzählt von den beiden Kindern mit Behinderung nicht mehr oder weniger als von den anderen. Und ich frage absichtlich nicht mehr nach als bei anderen Kindern – weil ich die beiden nicht als ungewöhnlich herausheben möchte.

Manchmal würde ich mir mehr Informationen über das Schulkonzept für die Inklusion und die Umsetzung wünschen. Auch über Erfolge oder Schwierigkeiten wüsste ich gerne mehr. Aber eines ist mir auch so bewusst: Wir sind in der glücklichen Lage, dass die Förderschullehrerin viele Stunden mit im Unterricht ist und dass die beiden Kinder täglich von zwei Integrationshelfern begleitet werden. Außerdem ist die Klasse mit 20 Schülern ziemlich klein. Das bedeutet, dass der Anteil an Erwachsenen im täglichen Unterricht recht hoch ist. Aber es bietet gleichzeitig die Chance, dass alle Kinder die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen.

Ist Mutter von zwei Söhnen. Der Ältere geht in die 2. Klasse einer Grundschule in Frankfurt. Die Klasse ist eine i-Klasse, das heißt: Dort wird inklusiv unterrichtet.

Einige Fakten im Überblick

  • Eltern, die erfahren mit Inklusion sind, haben oft Kinder, die eine Ganztagsschule besuchen.
  • Zwei Drittel der Schulen bundesweit verfügen inzwischen über Ganztagsangebote (64,6 Prozent). Im Jahr 2002 waren es 16,6 Prozent. Jeder vierte Schüler nutzt die Ganztagsangebote.
  • Trotz der gestiegenen Zahl an Ganztagsschulen haben Kinder und Jugendliche mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf noch immer die Wahl zwischen Bildung an zwei Lernorten: der allgemeinen Schule und der Förderschule.

Quellen

Bertelsmann Stiftung (2015): Wie Eltern Inklusion sehen: Erfahrungen und Einschätzungen. Ergebnisse einer repräsentativen Elternumfrage.

YouGov Deutschland (2018): OmnibusDaily Chartbericht für Aktion Mensch e.V. zum Thema Inklusion.

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