Zahlen, Daten und Fakten

Ein Junge mit einem Pinsel in der Hand, hinter ihm eine Frau.

Inklusion verändert die Lebenswelt aller Menschen, die an Bildung beteiligt sind: die der Verantwortlichen, Lehrenden, Kinder, Jugendlichen und Eltern sowohl im nonformalen als auch im formalen Kontext. Gerade im formalen Bildungsbereich gibt es Grund zu Optimismus.
 

In der Schule lernen immer mehr Kinder und Jugendliche mit und ohne Förderbedarf gemeinsam. Das zeigen die bundesweit steigende Inklusionsquote und der steigende Inklusionsanteil. Die Exklusionsquote sinkt ihnen gegenüber zwar nur sehr langsam, aber sie sinkt stetig. Im Schuljahr 2015/16 lag bundesweit

  • die Inklusionsquote bei 2,7 Prozent,
  • der Inklusionsanteil bei 37,7 Prozent,
  • und die Exklusionsquote bei 4,4 Prozent.

Anhand der Exklusionsquote lässt sich am besten beurteilen, wie inklusiv beziehungsweise exklusiv die deutschen Schulen sind. Bei den anderen zwei Größen kann es dahingehend zu Verzerrungen kommen, dass in manchen Bundesländern sonderpädagogische Förderbedarfe durch die Regelschulen nicht mehr statistisch erfasst werden. Inklusionsquote und Inklusionsanteil unterschätzen dann womöglich die Zahl der Kinder mit Förderbedarf, die zu einer allgemeinen Schule gehen.

Inklusionsquote: Anteil der Schüler mit Förderbedarf an allen Schülern der Primar- und Sekundarstufe I, die eine Regelschule besuchen

Inklusionsanteil: Anteil der Schüler mit Förderbedarf an allen Schülern mit Förderbedarf, die eine Regelschule besuchen

Exklusionsquote: Anteil der Schüler mit Förderbedarf an allen Schülern der Primar- und Sekundarstufe I, die eine Förderschule besuchen

Förderquote: Anteil der Schüler mit Förderbedarf an allen Schülern der Primar- und Sekundarstufe I

Deutschland bewegt sich mit einer Förderquote von 7,1 Prozent im Schuljahr 2015/16 europaweit im Mittelfeld. Im Schuljahr 2008/09 lag die Quote noch bei 6 Prozent. Es war das erste Schuljahr mit unterzeichneter UN-Behindertenrechtskonvention.

Starke Expansion der Sonderschulen.

1960: Gutachten zur Ordnung des Sonderschulwesens.

Bis 1973: Ausbau des Sonderschulwesens

Zunehmende Einsicht, dass Förderbedarf nicht mit dem Besuch einer exklusiven Schule einhergeht. Bis Ende der achtziger Jahre 19 integrative Schulversuche.

1994: Konferenz für Pädagogik für besondere Bedürfnisse in Salamanca.

2007: Unterzeichnung der UN-BRK durch Deutschland.

2009: Inkrafttreten der UN-BRK. Beschleunigung hin zu einem inklusiven Schulsystem.

Die Entwicklung im Überblick

Insgesamt hat die UN-BRK den Inklusionsprozess in deutschen Klassenzimmern beschleunigt. Gleichzeitig ist in den letzten Jahren bei jungen Menschen häufiger als früher ein sonderpädagogischer Förderbedarf feststellbar.

In den einzelnen Bundesländern variieren diese Größen teils stark. So reicht die Spannweite der Förderquote von 5,8 Prozent in Hessen und Rheinland-Pfalz bis zu 10,8 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. Die drei höchsten Förderquoten weisen ostdeutsche Länder auf. Wie bereits erwähnt sind bei der Analyse der Ergebnisse die Unterschiede bei der Feststellung des Förderbedarfs zu berücksichtigen.

 
Schuljahr 2008/2009 2013/2014 2015/2016
Förderquote 6,0 6,8 7,1
Inklusionsquote 1,1 2,1 2,7
Exklusionsquote 4,9 4,7 4,4
Inklusionsanteil 18,4 31,4 37,7

 

Tabelle: Entwicklung von Förder-, Inklusions- und Exklusionsquote sowie Inklusionsanteil in Deutschland seit Unterzeichnung der UN-BRK (in Prozent)

Förder-, Inklusions- und Exklusionsquote sowie Inklusionsanteil der Bundesländer im Schuljahr 2015/2016 (in Prozent)

Deutschlandkarte
  • Schüler ohne deutsche Staatsangehörigkeit sind in elf Bundesländern an den Förderschulen überrepräsentiert.
  • In Sachsen und Sachsen-Anhalt liegt ihre Exklusionsquote bei über 20 Prozent, während sie für deutsche Schüler nur rund 5 Prozent beträgt.
  • Betrachtet man ganz Deutschland, lernen ausländische Kinder und Jugendliche mit 5,4 Prozent nur geringfügig häufiger separiert an Förderschulen als Schüler mit deutscher Staatsangehörigkeit (4 Prozent).

Förderbedarfe von Kindern und Jugendlichen mit diagnostiziertem sonderpädagogischem Förderbedarf bundesweit im Schuljahr 2015/16 (in Prozent)


 

  • Nicht-somatische Förderbedarfe überwiegen deutlich. Allein die Bereiche „Lernen“, „Emotionale und soziale Entwicklung“ und „Sprache“ machen gemeinsam zwei Drittel aller Förderbedarfe aus.
  • Sank der Anteil der Schüler mit dem Förderbedarf „Lernen“ seit Beitritt zur UN-BRK von 43,8 auf 36,8 Prozent, gab es vor allem bei „Emotionale und soziale Entwicklung“ einen starken Anstieg: Hatten damals noch 11,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen einen entsprechenden Förderbedarf, sind es heute 16,6 Prozent.  
  • Die drei Förderbedarfe korrelieren in hohem Maße mit der sozialen Lage und werden sehr unterschiedlich diagnostiziert.

Entwicklung schulischer Inklusion

Ob junge Menschen mit und ohne einen Förderbedarf gemeinsam lernen, hängt auch von Schulform und Lernort ab: 

  • 90 Prozent des inklusiven Unterrichts der Sekundarstufe I findet weder am Gymnasium noch an der Realschule statt und verteilt sich auf die übrigen Bildungsgänge.
  • So arbeiteten im Schuljahr 2015/16 beispielsweise in NRW 94 Prozent der Gesamtschulen inklusiv – aber auch rund die Hälfte der Gymnasien.
  • Mit institutionellen Übergängen wird Inklusion immer weniger selbstverständlich. Während gut sieben von zehn Kitas einen inklusiven Ansatz verfolgen, tun dies nur noch fünf Grundschulen. Bei den Schulen der Sekundarstufe sind es nur noch drei von zehn.

Eltern wünschen sich Inklusion
 

Dabei zeigen die Ergebnisse einer aktuellen bevölkerungsrepräsentativen Befragung von YouGov im Auftrag der Aktion Mensch, dass 83 Prozent der Eltern von Kindern mit und ohne Beeinträchtigung den gemeinsamen Kita- beziehungsweise Kindergartenbesuch befürworten. Einem gemeinsamen Schulbesuch stimmen sie mit 76 Prozent ebenfalls überwiegend zu.

Belegt ist zudem eine positivere Einstellung inklusionserfahrener gegenüber inklusionsunerfahrener Eltern – unabhängig davon, ob das eigene Kind Förderbedarf hat oder nicht. Drei Viertel (73 Prozent) der Mütter und Väter, deren Kinder eine inklusive Schule besuchen, sind zufrieden und bezeichnen ihre bisherigen Erfahrungen mit der Schule als gut. Dabei beurteilen sie sowohl die Lernumgebung und die Lehrkräfte als auch den Zusammenhalt in der Klasse besser: Während 80 Prozent der Eltern von Kindern an inklusiven Schulen letzteren loben, tun dies nur 64 Prozent der inklusionsunerfahrenen Eltern.

  • Eltern, die erfahren mit Inklusion sind, haben oft Kinder, die eine Ganztagsschule besuchen.
  • Zwei Drittel der Schulen bundesweit verfügen inzwischen über Ganztagsangebote (64,6 Prozent). Im Jahr 2002 waren es 16,6 Prozent. Jeder vierte Schüler nutzt die Gantagsangebote.
  • Trotz der gestiegenen Zahl an Ganztagsschulen haben Kinder und Jugendliche mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf noch immer die Wahl zwischen Bildung an zwei Lernorten: der allgemeinen Schule und der Förderschule.

Quellen

Bertelsmann Stiftung (2015): Inklusion in Deutschland. Daten und Fakten.

Bertelsmann Stiftung (2015): Wie Eltern Inklusion sehen: Erfahrungen und Einschätzungen. Ergebnisse einer repräsentativen Elternumfrage.

Bundesregierung (2017): 15. Kinder- und Jugendbericht. Bericht über die Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland.

YouGov Deutschland im Auftrag der Aktion Mensch e.V. (2017): Bedarfsanalyse Bildung.

Friedrich-Ebert-Stiftung (2017): Ländervergleich. Inklusive Bildung in Deutschland.

Heinrich-Böll-Stiftung (2017): Inklusion in progress. Analysen, Herausforderungen, Empfehlungen.

YouGov Deutschland (2018): OmnibusDaily Chartbericht für Aktion Mensch e.V. zum Thema Inklusion.