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Fragen und Antworten

Was zeichnet inklusive Arbeit aus? Wie können inklusive Themen angegangen werden? Und wo gibt es Anregungen aus der Praxis, Infomaterialien und Fortbildungen? All dies und vieles mehr verraten Ihnen hier Experten und Praktiker.

Ich würde mir gerne mal anschauen, wie inklusive Schulen tatsächlich arbeiten. Wo finde ich gute Beispiele? Wie gehe ich bei einem Besuch am besten vor?

Die Expertin Barbara Brokamp.

Preisgekrönte Schulen des Jakob Muth-Preises oder des Deutschen Schulpreises sind einen Besuch wert. Etliche Portale der Länder (Bezirksregierungen, Schulämter, Inklusionsbeauftragte) und auch Kommunen, die häufig stolz auf ihre inklusiven Schulen sind und sie offensiv unterstützen (wie z.B. Oldenburg oder Bremen), haben aktuelle Informationen, die man dort gezielt erfragen kann. Ferner bieten Elternverbände wie z.B. „Mittendrin e.V.“ oder „Gemeinsam Leben gemeinsam Lernen“ Listen mit Schulen, die in Frage kommen können. Und auch die Zentren für Lehrerbildung kennen sich gut aus und können angefragt werden.

Wichtig ist zudem die Frage, WIE schaue ich mir die Schulen eigentlich an? Was sehe ich und was sehe ich nicht? Und wie kann ich gewährleisten, dass ich offen an die neuen Erfahrungen herangehe? Und dass ich wirklich erleben kann, wie es allen Beteiligten in der Schule geht? Bewährt haben sich kleine Hospitationsgruppen, die den Besuch gemeinsam vor- und nachbereiten, um später über die Erfahrungen in der eigenen Schule zu berichten.

Und noch etwas: Fragen Sie sich doch mal: WO entdecke ich eigentlich auch inklusive Momente an meiner eigenen Schule oder an der Schule meiner Kinder? Oder an der Nachbarschule? Und wie kann ich diese Situationen und Beispiele ausweiten, diese Momentbewegung unterstützen?

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Ich bin Leiter einer Kinderjugendfreizeit und habe seit letztem Jahr ein Kind mit Behinderung in der Gruppe. Das stellt mich vor echte Herausforderungen. Welche Beratungsmöglichkeiten gibt es eigentlich, wer könnte mich unterstützen?

Expertin Anna Katharina Bechtoldt

Das Wichtigste bei der Konzeption eines inklusiven Angebotes ist die eigene Haltung – wenn Sie offen sind für Veränderung und Wandel, dann haben Sie schon viel erreicht. Denn Inklusion rüttelt häufig an der vorgegebenen Struktur – mit der Zeit kann sich aber eine neue, stabile Struktur bilden, die Verschiedenheit wertschätzt und die Inhalte des Angebotes binnendifferenziert ausgestaltet.

Für Fragen und konkrete Unterstützung bei der Konzeption eines inklusiven Angebots haben Sie verschiedene Anlaufstellen: Dies können beispielsweise Träger der Behindertenhilfe wie der unsere sein. Neben klassischen Beratungsangeboten finden Sie dort häufig auch Verantwortliche für Freizeitangebote/Reiseangebote für Kinder und Jugendliche mit (und ohne) Beeinträchtigung.

Daneben können Sie sich auch an Selbsthilfeorganisationen (z.B. Selbstbestimmt Leben) wenden. Dort können Sie dann direkt mit den „ExpertInnen in eigener Sache“ sprechen.

Experte Lennart Sandvoß

Außerdem gibt es seit diesem Jahr eine „ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“ in allen Bundesländern – dort können sich Betroffene selber, aber auch Angehörige oder fachlich Interessierte hinwenden. Die Themen decken ein breites Spektrum ab: Wohnen, Arbeiten, Freizeitorientierung, Finanzierung, Pflegeleistungen etc.

Und hier haben wir schon die Brücke zu den Inhalten geschlagen – es gibt vieles, was OrganisatorInnen einer Kinder- oder Jugendfreizeit beachten können. Klassische Themenfelder, auf die man bei der Konzeption eines Angebotes stößt, sind folgende:

- ein angemessener Betreuungsschlüssel (je nach Unterstützungsbedarf)

- der geschulte Blick für barrierearme- oder barrierefreie Orte sowie gute Transportmöglichkeiten und

- inhaltlich barrierearme Angebotsplanung.

Auch bei der Frage, wie Angebote (hinsichtlich des SGB XI) abgerechnet werden, können Träger der Behindertenhilfe unterstützen. Aber sie können genauso ganz praktische Unterstützung leisten – beispielsweise durch eine persönliche Assistenz für das Kind.

Allem voran möchten wir Sie aber ermutigen, sich zu trauen und nicht zu zögern. Probieren Sie es aus! Durch die Erfolge aber auch die Stolpersteine entwickeln Sie sich weiter!

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Gebärdensprache finden Kinder total interessant. Dabei taucht bei uns immer wieder die Frage auf: Gibt es weltweit eigentlich eine einheitliche Gebärdensprache oder hat jedes Land seine eigene? Und wenn ja, können gehörlose Menschen sich damit trotzdem untereinander verständigen?
 

Andreas Costrau

Obwohl es eine Art „Grundsprache“ gibt, die fast jeder Gebärdensprachnutzer beherrscht, hat jedes Land einen eigenen Gebärdenwortschatz und -dialekte, weil sie eine eigenständige Sprache ist, wie z.B. Spanisch. In Deutschland gibt es die Deutsche Gebärdensprache (DGS). Sie ist eine visuelle Sprache mit eigener Grammatik, in der Satzinhalte durch Mimik, Körperhaltung, Mundbild und Mundgestik sowie Gebärdenwörter dargestellt werden. Gebärdenwörter für Dinge wie AUTO etc. sind überall fast gleich, abstrakte Wörter z.B. für FARBEN können dagegen sehr unterschiedlich sein. Im Ausland kommt man besser mit der Internationalen Gebärdensprache (ISL) weiter, sie unterscheidet sich von Kontinent zu Kontinent. Zusätzlich zur Gebärdensprache gibt es das Fingeralphabet, um schwierige oder fremde Wörter mit den Fingern zu buchstabieren. Es ist nicht überall gleich. So ist es z.B. in England üblich, beide Hände zu nutzen. Ein Ersatz für Gebärdenworte ist das Fingeralphabet nicht. All das und mehr lernt man in DGS-Kursen. Hier erfährt man auch spannende Dinge zur Geschichte der Gebärdensprache und der Gehörlosenkultur.

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Bezogen auf die Entwicklung von inklusiver Bildung in Deutschland fällt auf, dass die Inklusionsanteile in allen Bundesländern ansteigen – die Zahl der Schüler an Förderschulen aber trotzdem nicht viel weniger wird. Woran liegt das, beziehungsweise was bedeutet das? Welche Zahlen beschreiben den Status Quo der Inklusion in Deutschland am besten?

Experte Prof. Dr. Klaus Klemm

Laut Statistik wurde 2016 in Deutschland bei 7,2 Prozent (Förderquote) aller Schülerinnen und Schüler ein sonderpädagogischer Förderbedarf diagnostiziert. 4,3 Prozent davon besuchte Förderschulen (Exklusionsquote), 2,9 Prozent allgemeine Schulen (Inklusionsquote). In den Jahren seit 2008 hat sich der Anteil der exklusiv in Förderschulen unterrichteten Schülerinnen und Schüler nur um 0,6 Prozentpunkte von 4,9 Prozent auf 4,3 Prozent verringert. Damit wird die Vorgabe der UN-Konvention, allen Kindern den Zugang zu inklusiven Schulen zu bieten, verfehlt. Diese Feststellung steht im Widerspruch dazu, dass der Anteil der Kinder mit einem besonderen Förderbedarf, die allgemeine Schulen besuchen, an der Gesamtheit der zu fördernden Kinder (Inklusionsanteil) von 18,4 Prozent (2008) auf 39,3 Prozent (2016) angestiegen ist. Dies erklärt sich wie folgt: In den allgemeinen Schulen werden vermehrt schwache Schülerinnen und Schüler als "förderungsbedürftig" diagnostiziert, sodass dort die Gruppe mit sonderpädagogischem Förderbedarf wächst – ohne dass die Schülerinnen und Schüler mit diesem Bedarf in den Förderschulen entsprechend kleiner wird.

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Unter Jugendlichen ist es normal, Begriffe wie Spasti, Opfer oder auch „behindert“ zu benutzen, um andere abzuwerten. Ich würde das gerne mal in meiner Jugendgruppe thematisieren – gibt es dazu gute Materialien oder Argumentationshilfen, um das jugendgerecht zu bearbeiten?
 

Experte Uwe Nicksch

Beleidigungen dürfen sein, allerdings sollten sie doch kreativer sein als „Spasti“ oder die weit verbreitete Phrase „Bist du behindert!?“. Um Diskriminierung behinderter Menschen zu reduzieren, wird jedoch mehr als ein Austausch von Wörtern nötig sein.

Inklusion beginnt nicht erst in der Schule – auch wenn das Thema im Unterricht behandelt werden sollte. Kinder werden auch durch den sozialen Umgang ihrer Eltern, vielfältige Kinderbücher und die natürliche Begegnung  mit behinderten Gleichaltrigen geprägt. Der direkte Kontakt von Kindern mit und ohne Behinderung in Schulen, Vereinen oder Ferienfreizeiten zeigt die Vielfalt der Gesellschaft und lässt Berührungsängste untereinander verschwinden. Dadurch werden daher genannte Beleidigungen womöglich hinterfragt und auch vermieden.

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Wer profitiert eigentlich von Inklusion? Im Moment habe ich das Gefühl, sie macht Pädagoginnen und Pädagogen nur viel mehr Arbeit und allen ein schwereres Leben.
 

Expertin Prof. Dr. Jutta Schöler

Alle profitieren davon: Es wäre doch gut und sinnvoll, wenn auch unsere zukünftigen Ärzte, Richter, Lehrer, Manager etc. die Verschiedenheit von Menschen schon in der Schule erleben würden. Auf ein Leben in einer vielfältigen Gesellschaft kann im Kindergarten und in der Schule nur durch die Selbstverständlichkeit des Zusammenlebens vielfältiger Menschen vorbereitet werden. Das Zusammenleben und der angstfreie Umgang von Menschen aus verschiedenen Kulturen wird zur Selbstverständlichkeit – in der Nachbarschaft und am Arbeitsplatz. Gemeinsam mit Gleichaltrigen, welche in ihren Fähigkeiten eingeschränkt sind, lernen alle Rücksichtnahme und Verständnis für eingeschränkte Bewegungs- und Denkfähigkeiten. Diese Grundfähigkeit benötigen Kinder und Jugendliche in der Schule und vielleicht im Umgang mit ihren eigenen Großeltern. Die Sozialisationsfunktion von Schule wird in der Zukunft immer wichtiger werden. Der Umgang mit neuen Medien, die Nutzung von Internet und digitalem Lernen machen es notwendig, dass sich Heranwachsende angstfrei und kreativ auf ihre Zukunft vorbereiten. Da ist mehr gefordert als konkurrenzorientiertes Aneignen von Techniken und Kenntnissen.

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Ich führe immer wieder die gleichen Gespräche mit Eltern, die Angst haben, dass ihr Kind nicht genug lernt, beziehungsweise in inklusiven Settings zu kurz kommt. Was sind in diesem Kontext die fünf wichtigsten Argumente?
 


Expertin Lisa Reimann

Alle Studien zum Lernerfolg zeigen: Schülerinnen und Schüler lernen nicht schlechter, wenn Kinder mit Förderbedarf die Klasse besuchen. Sie lernen genauso gut wie Schülerinnen und Schüler in nicht inklusiven Klassen. In einigen Studien weisen sie sogar bessere Ergebnisse auf als in Klassen ohne Kinder mit Behinderungen. Ein Grund für diese guten Ergebnisse ist die Differenzierung und die inklusive Didaktik. Die kooperativen Arbeitsformen und die individuelle Förderung aller Kinder wirken sich positiv auf die Lernprozesse aus. Fakt ist: Die Leistungsheterogenität, also die unterschiedlichen Voraussetzungen der Schülerschaft in einer Klasse, ist für die Leistungsentwicklung völlig egal (vgl. DESI 2006, S. 52). Inklusive Settings mit ihren komplexeren sozialen Situationen bieten vielfältigere Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten. Die Stärkung des Sozialverhaltens, der Empathie, Rücksichtnahme und die Förderung von

Teamwork sind Softskills, die in unserer Gesellschaft und Arbeitswelt immer wichtiger werden. Das Gefühl der Anerkennung und die Willkommenskultur tragen zu einem angstfreien Klima bei. Kinder, die der permanenten Angst ausgesetzt sind, „sitzen zu bleiben“, die Schule wechseln zu müssen oder zu versagen, können nicht gut lernen. Inklusive Bildung vertritt ein demokratisches Bildungsverständnis. Alle Kinder sollen gleichberechtigt und chancengleich lernen können.

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Ein Kind in meiner Gruppe beziehungsweise Klasse wird von den anderen Kindern nicht akzeptiert. Wie gehe ich damit um, was kann ich tun?
 

Expertin Andrea Herrmann

Die Frage ist nicht neu, Ausgrenzung oder Mobbing hat es immer gegeben. Was kann helfen?

1. Meine Haltung, meine innere Einstellung zu jedem Kind oder Jugendlichen ist grundsätzlich positiv: du bist mir willkommen! Ich mag dich, akzeptiere dich so, wie du bist.

2. Diese Haltung überträgt sich auf das soziale Gefüge in der Klasse, wenn ich mit den mir anvertrauten Schülerinnen und Schülern ein sehr gutes Vertrauensverhältnis aufbauen kann.

3. Beziehungsarbeit: Zwischen den Schülerinnen und Schülern und mir als Lehrperson und auch in der Dreieckskonstruktion Schüler - Lehrperson - Eltern.

Jeder Fachunterricht bietet Raum und Zeit für soziale Themen, etwa „Wir sind verschieden – und das ist gut so!“ Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten in unterschiedlichen didaktisch-methodischen Zusammenhängen:

1. Was zeichnet den anderen aus, wo sehe ich seine Stärken?
2. Mit welchen Besonderheiten des anderen komme ich nicht so gut klar?
3. Was kann ich akzeptieren und wo benötige ich Unterstützung?
4. Wie möchte ich gern von den anderen gesehen werden?

Alle in der Klasse sollten sich in ihrem möglichen Rahmen beteiligen, auch die Lehrperson, Assistenz und andere pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Mit der Beantwortung dieser Fragestellungen bekommen alle ein ganz anderes Verständnis füreinander. Es ermöglicht auch, Fragen zum Nachteilsausgleich oder zur Assistenz für den Einzelnen zu beantworten. Beziehe ich auch die Eltern ein (z.B. im Rahmen einer Präsentation der Unterrichtsergebnisse und im Rahmen eines Elternbesuches), kann ich mir auch von ihnen Unterstützung holen.

In der Konsequenz dieses Unterrichtsthemas, das auch auf eine ganze Unterrichtseinheit oder ein Projekt ausgeweitet werden kann, indem ich beispielsweise auch die Freizeitinteressen der Lernenden einbeziehe (gemeinsamer Besuch von Freizeiteinrichtungen, die einzelne Schülerinnen und Schüler nutzen), lernen alle die Stärken der anderen kennen, die wiederum für den Unterricht in anderen Fächern oder außerunterrichtlichen Aktivitäten aufgegriffen beziehungsweise genutzt werden können.

Einen „Nachteil“ hat dieser Weg: Er muss immer wieder neu gegangen werden, nur unter anderen Ausgangsbedingungen. Aber: Es wird zusehends LEICHTER!

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Ich hab das Gefühl, zum Thema Inklusion gibt es mittlerweile viele Fortbildungsangebote, aber wo finde ich diese beziehungsweise was zeichnet ein gutes Fortbildungsformat zu diesem Thema eigentlich aus?
 

Experte Stefan Burkhardt

Das richtige Angebot zu finden ist nicht immer einfach, da die Inklusion ein weites und komplexes Feld ist. Die eine Veranstaltung, in der ich alles Wesentliche gleich lernen und dies dann in die Praxis umsetzen kann, gibt es vermutlich nicht. Dennoch gibt es Überlegungen, die bei der Suche hilfreich sind:

  • Suche ich Angebote für den schulischen oder den außerschulischen Bereich?
  • Benötige ich Grundlagen-Wissen (Theorie, Hintergründe, Basiswissen unter anderem zum Thema Behinderung)?
  • Geht es mir um die Initiierung von Projekten, Prozessen oder Strukturen?
  • Geht es mir um die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen oder Eltern?
  • Brauche ich neue pädagogische Konzepte und Methoden für meine Arbeit?
  • Benötige ich konkrete Hilfestellungen zum Transfer in die Praxis?
  • Will ich Kooperationen und Netzwerke aufbauen?
  • Benötige ich Wissen zur Finanzierung inklusiver Projekt- und Prozessarbeit?

Empfehlenswert sind Weiterbildungen, die verschiedene Themen abdecken, sich dann aber auch über einen längeren Zeitraum erstrecken.

Wichtigste Akteure – schulisch und außerschulisch

Das Angebot umfasst sowohl Einzelveranstaltungen als auch mehrtägige Fort- und längerfristige Weiterbildungen. Entscheidend ist auch hier die Frage, was konkret für die aktuelle Situation gebraucht wird und wie akut der Bildungsbedarf ist.

Den schulischen Bedarf an Angeboten decken die Bildungsakademien der Kultusministerien inzwischen sehr gut ab.

Interessante Angebote für die außerschulische Kinder- und Jugendarbeit gibt es beispielsweise hier:

Interessante Angebote gibt es in Bezug auf das „sozialräumliche Arbeiten“, da sich dieses Fachkonzept für eine Umsetzung inklusiver Projekte und die Gestaltung inklusiver Prozesse in der Praxis als sehr hilfreich erweist: Ein Anbieter ist beispielsweise das Institut Lüttringhaus – Institut für Sozialraumorientierung, Quartier- und Case-Management.

Außerdem empfehlenswert sind folgende Weiterbildungen:

Auf dem freien Markt gibt es zudem freiberufliche Dozentinnen und Dozenten, die selbst aus der Praxis kommen und Inhouse-Veranstaltungen anbieten, welche sehr konkret auf die Dienste und Einrichtungen zugeschnitten werden können. Hier empfiehlt sich etwa:

  • die Anfrage bei Inklusionsbüros beziehungsweise -agenturen freier gemeinnütziger Träger oder Inklusionsnetzwerken (z.B. Inklusionsagentur WIR ALLE Aachen, Netzwerk Inklusion Region Freiburg, Inklusionsbüro Schleswig-Holstein, Invema e.V. Siegen, Martinsclub Bremen, Netzwerk Inklusion Hameln). Sie stehen mitten in der Praxis, haben selbst eine Reihe von Fortbildungen durchlaufen und sind regional wie überregional sehr gut vernetzt. Sie bieten teilweise auch selbst Inhouse-Schulungen an.
  • die Inklusionslandkarte. Dort kann gezielt nach Referentinnen und Referenten beziehungsweise Ansprechpartnern gesucht werden, die teilweise bundesweit unterwegs sind beziehungsweise gut mit Referentinnen und Referenten vernetzt sind.
  • ein Blick in die Fortbildungsprogramme der Akademien von Bundes- und Wohlfahrtsverbänden, beispielsweise
    • Paritätisches Bildungswerk Bundesverband
    • inform – Bildungsinstitut der Lebenshilfe Bundesvereinigung

Hier können Sie gezielt nach Inhouse-Veranstaltungen fragen. Bei der Suche nach Referentinnen und Referenten werden Sie unterstützt.

Die wichtigsten Qualitätskriterien: Woran erkenne ich die Guten?

Viele Fortbildungen sind oft nur unzureichend beschrieben. Daher lassen sich die Qualitätsmerkmale von Veranstaltungen nur schwer ausmachen beziehungsweise vergleichen. Ich empfehle in solchen Fällen die konkrete Nachfrage bei den Anbietern.

Zu den wichtigsten Qualitätskriterien von Fortbildungsveranstaltungen zählen:

  • Ausgewogene Mischung der Programminhalte aus Theorie und dem Blick in die aktuelle Praxis
  • Erfahrene Referentinnen und Referenten, die aus der Praxis kommen und einen klaren Bezug zur Praxis haben (Hinweise lesen beziehungsweise anfordern)
  • Gestaltungs- und Methodenmix: Vermittlung wesentlicher Theorieinhalte, Dialog, interaktives Arbeiten in Arbeitsgruppen und im Plenum, Reflexion
  • Erarbeitung von Transfer des Gelernten in die Praxis
  • Blick auf erforderliche und vorhandene Ressourcen zur Umsetzung
  • Möglichkeiten des Dialogs
  • Vorhandensein hilfreicher Arbeitsmaterialien für die Arbeit in der Praxis

Ganz persönlich empfehle ich Veranstaltungen, die zeitlich nicht zu knapp bemessen sind: Mindestens sechs Stunden Lern-Arbeitszeit zuzüglich Pausen wären optimal.

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Beim Thema Inklusion fällt oft das Stichwort „Partizipation“. Alle finden das wichtig, auch bei uns an der Schule, aber was ist damit eigentlich genau gemeint? Nur die Schülervertretung oder auch etwas anderes? Und was ist eigentlich Empowerment?
 

Experte Jerôme Laubenthal

Partizipation bedeutet Beteiligung, Teilhabe, Mitbestimmung und geht weit über die Schülervertretung (SV) hinaus. Um Teilhabe zu ermöglichen, muss man überhaupt erst in der Lage sein, mitzuwirken. Das ist Empowerment (Selbstbefähigung). In der SV-Arbeit haben Schüler gleichberechtigt und selbstbestimmt an Entscheidungsprozessen im Schulalltag teil und sind an diesen Prozessen beteiligt. Dies gilt auch für das Thema Inklusion. Partizipation heißt in diesem Zusammenhang auch, dass man selbst die Initiative für Dinge ergreifen kann, die auch über den Schulalltag hinaus wichtig sind und für die Menschen sensibilisiert werden müssen.

Diesen Grundsatz verdeutlicht auch das Motto „Nichts über uns ohne uns“ der Selbstbestimmt Leben-Bewegung. Bezogen auf die inklusive SV-Arbeit bedeutet das, dass nicht über Schüler mit unterschiedlichen Voraussetzungen bestimmt wird, ohne sie vorher an den Entscheidungsprozessen zu beteiligen.

An meiner früheren Schule wurden all diese Prinzipien gelebt, da es einen Inklusionsbeirat gab, in dem Schüler mit Behinderungen vertreten waren. Der Inklusionsbeirat war an allen Fragen rund um das Thema Inklusion beteiligt.

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Seit 2009 gilt die UN-Behindertenrechtskonvention auch für Deutschland. Wird eigentlich überprüft, wie sie in den einzelnen Ländern umgesetzt wird? Und wenn ja, von wem und wie sieht die aktuelle Bewertung für Deutschland aus?

Expertin Susann Kroworsch

Der UN-Fachausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen überwacht die weltweite Umsetzung der UN-BRK und gibt Vertragsstaaten in seinen Abschließenden Bemerkungen nach Staatenprüfverfahren Empfehlungen zur Umsetzung. Darüber hinaus legt er die UN-BRK durch Allgemeine Bemerkungen aus wie z.B. in der Allgemeinen Bemerkung Nr. 4 zu Art. 24 (Inklusive Bildung).
Der Ausschuss hat Deutschland 2015 zum ersten Mal geprüft. Parallel zum deutschen Staatenbericht haben sowohl die Monitoring-Stelle UN-BRK als auch die zivilgesellschaftliche BRK-Allianz Parallelberichte eingereicht.
Für den Bereich Inklusive Bildung fordert der Ausschuss von Deutschland, das segregierende Schulwesen zurückzubauen, statt weiter an Doppelstrukturen festzuhalten. Trotz einer veränderten politischen Haltung und rechtlichen Änderungen ist es bis heute keinem Bundesland gelungen, den notwendigen Rahmen für die Schaffung und Gewährleistung eines inklusiven Bildungssystems abschließend zu entwickeln. 2019 steht die erneute Prüfung für Deutschland an.

Weitere Informationen zur Staatenberichtsprüfung unter:
Institut für Menschenrechte, Staatenprüfung

Weitere Informationen zum Thema Inklusive Bildung und zur Allgemeinen Bemerkung Nr. 4 unter:
Institut für Menschenrechte, Themen: Bildung

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Die Experten

Wer gibt Antworten auf diese Fragen? Hier können Sie sich die Experten ansehen.

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