Fragen und Antworten

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Manche Schüler haben während des Unterrichts einen Sonderpädagogen zur Seite haben: Wie geht man als Lehrer damit um, dass Pädagogen und andere Fachkräfte mit gegebenenfalls anderen Ansichten zur Unterrichtsmethodik den Unterricht mitgestalten? Wie kann man sich darauf vorbereiten?

Antwort von Inge Hirschmann:

Eine der großen Veränderungen – und nachhaltigste Verbesserung – in all den Jahren, in denen sich meine damalige Schule auf den Weg zur inklusiven Schule gemacht hat, war die Teamarbeit. Natürlich beansprucht ein Kind mit Behinderungen zusätzliche personelle Ressourcen – mehr Lehrerstunden, mehr Erzieherstunden oder manchmal auch die Mitarbeit eines Schulhelfers. Abgesehen vom Schulhelfer hat aber keiner dieser Erwachsenen ausschließlich die Aufgabe, das behinderte Kind ununterbrochen zu betreuen: Das gesamte Team ist zuständig für eine Lerngruppe und hat sich die vielfältigen Aufgaben untereinander aufzuteilen.

Jedes behinderte Kind bekommt so viel Einzelzuwendung, wie es braucht, aber es werden auch die nichtbehinderten Kinder in die Förderung und Versorgung einbezogen. Gewinnbringend ist das Zusammenwirken von Schulpädagogik und Sonderpädagogik, aber auch Sozialpädagogik. Es ist mehr ein „Alle machen alles“, und wenn eine sonderpädagogische Kompetenz erforderlich ist, steht auch der Sonderpädagoge für das Team zur Verfügung. Das betrifft den großen Bereich der Diagnostik und Beratung, aber natürlich auch die Spezialkenntnisse, wie sie z. B. bei der Vermittlung von Gebärdensprache notwendig sind oder auch beim Unterrichten von blinden Kindern gebraucht werden. Aber auch hier gilt: Damit der gemeinsame Unterricht gelingt, müssen auch die allgemeinen Schulpädagoginnen und Schulpädagogen und die Mitschülerinnen und Mitschüler befähigt werden, einen Teil dieser Spezialfertigkeiten zu erlernen.

Da führt dann auch kein Weg an der Gründung von „Schwerpunktschulen“ vorbei, also Regelschulen, in denen bevorzugt Kinder mit spezielleren Beeinträchtigungen gemeinsam mit nicht behinderten Kindern unterrichtet werden. Es wird auch in Zukunft darauf zu achten sein, dass kein Kind mit einer besonderen Behinderung (dazu gehören für mich die sinnesbeeinträchtigten Kinder, aber auch die Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen und Kinder mit geistigen Behinderungen) als einziges Kind in einer Schule bleibt. Es müssen auch immer unkomplizierte Kontaktmöglichkeiten mit Kindern mit vergleichbarer Behinderung gewährleistet werden. Aber auch im Kollegium muss das spezifischere Wissen zum allgemeinen „Organisationswissen“ werden. Das wird es nur, wenn sich mehrere Personen mit dem Spezialwissen rund um bestimmte Behinderungsarten beschäftigen und immer wieder neu austauschen. Das Wissen und die besonderen Kompetenzen werden immer mehr wachsen, wenn beides auch immer wieder im Alltag angewendet und genutzt werden muss.