Ein Mann und eine junge Frau schauen gemeinsam in ein Buch und lächeln. Hinter ist ein Regal mit gelben Ordnern zu sehen.

Gute Beispiele: Inklusion in Unternehmen

Menschen mit Behinderung suchen häufig lange nach einer passenden Stelle – obwohl sie ebenso qualifiziert sind wie ihre Mitbewerber. Wir haben Menschen kennengelernt, bei denen es dennoch geklappt hat und stellen ihre Erfolgsgeschichten vor.

Nesrin Bektas, Auszubildende

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Kanzlei Dr. Voßmeyer Dommermuth

40 Mitarbeitende
Sitz: Duisburg
www.vossmeyer-dommermuth.de

"Sie war die Beste!"

Nach dem Abitur dauerte die Suche nach einem Ausbildungsplatz für Nesrin Bektas eine gefühlte Ewigkeit. Drei Jahre lang schrieb sie rund 20 Bewerbungen pro Woche. Für Ausbildungen als Versicherungsfachangestellte, Bankkauffrau oder Kauffrau im Gesundheitswesen.

„Dass ich so lange suchen musste, hat mich wirklich sehr verletzt. Ich finde, ich kann dieselbe Arbeit leisten wie ein gesunder Mensch, wenn man mir die Möglichkeit dazu gibt“, sagt sie heute. Ihre Gelenke an Armen, Beinen und Hüfte versteifen immer weiter. AMC heißt die zugehörige Diagnose, die sie bereits bei ihrer Geburt bekommen hat.

Bei ihrem Bürojob spielt diese angeborene Behinderung allerdings keine Rolle. „Wir haben Frau Bektas genommen, weil sie die Beste war“, sagt ihre Chefin Monika Lange. So hat sie sich gegen mehr als 40 andere Bewerber durchgesetzt. Von der Behinderung hat die Chefin erst im Vorstellungsgespräch erfahren – in der Bewerbung hatte sie es schlicht überlesen.

Ralph Müller, Maler

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Malerwerkstätte Karl Müller

rund 20 Mitarbeitende
Sitz: Bergheim
www.malerwerkstätte-karlmüller.de

Gebärdensprachkurs für die Malerwerkstatt

Als Ralph Müller vor neun Jahren in den Malerbetrieb kam, war das für die Belegschaft schon eine ganz schöne Umstellung: Er ist gehörlos, die Kommunikation war dementsprechend ungewohnt. „Wir haben damals viel aufgeschrieben. Aber mittlerweile klappt es mit der Verständigung sehr gut“, erzählt Ralph Müller heute.

Wenn die Vermittlung mit Händen und Füßen zu kompliziert wird, hilft eine App auf dem Handy. Was man dort reinspricht, wird in Schrift übersetzt. „Nimm Rotband mit zur Baustelle, an der Decke kommt der Putz runter!“ – Informationen wie diese sind dann leicht zu vermitteln.

Jessica Müller, die Meisterin des Betriebs, hatte aber noch eine andere Idee: Damit sich die Hörenden im Team mit ihren vier gehörlosen Kollegen besser unterhalten können, hat sie einen Gebärdensprachkurs gebucht. Das geht ganz einfach über den Integrationsfachdienst (IFD). Zusammen mit zwei Trainerinnen hat die Belegschaft Gebärden für Farben und einzelne Arbeitsschritte gelernt.

Der Perspektivwechsel tut allen im Team gut. So stellen sich nicht nur die drei gehörlosen Mitarbeiter auf ihre Kollegen ein, sondern die Inklusion geht in beide Richtungen. Der private Austausch ist jedenfalls seit dem Kurs viel besser geworden.

Thomas Brocksch, Datenlöscher

Zwei Männer schauen auf ein Mobil-Telefon, welches einer von beiden in den Händen hält.
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IT-Unternehmen AfB

275 Mitarbeitende
Sitz: Berlin
www.afb-group.de

Nicht reden – machen!

Thomas Broksch ist 55 und gehörlos. Seit mittlerweile acht Jahren arbeitet er bei AfB. Davor war er rund zehn Jahre arbeitslos, für ihn eine schwere Zeit. Immer wieder hatte er kleine Jobs: Arbeitsbeschaffungs-Maßnahmen der Agentur für Arbeit, teilweise mit nur 1,50 Euro Stundenlohn. Er war schon Mechaniker, Maler, Küchenplaner und Straßenbauer. Ihn dauerhaft einzustellen, dazu fehlte vielen seiner ehemaligen Chefs der Mut. „Manche Unternehmer wissen eben gar nicht, wie man mit Menschen mit Behinderung umgeht“, sagt Thomas Brocksch selbst. „Und ich bin froh, dass ich hier einen Arbeitgeber gefunden habe, bei dem das anders ist.“

Jetzt, als Datenlöscher, hat er seine Mission gefunden. Mit den Kollegen läuft es gut, und der Chef Michael Schmelcher ist richtig begeistert von ihm. Die Kommunikation ist manchmal natürlich schwieriger als mit den anderen Mitarbeitern, gibt Schmelcher zu.

Mittlerweile hat er aber auch ein bisschen Deutsche Gebärdensprache gelernt. Und wenn sich beide interessiert über einen Computer beugen, um seinen Zustand zu bewerten, sagt die Mimik häufig schon alles.

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Noch viel zu tun

"Flexibel, zielgerichtet und sehr fleißig". Und trotzdem arbeitslos.

Zwei Frauen im Gespräch. Eine von ihnen ist kleinwüchsig.

Sabrina Vötsch sucht seit zwei Jahren nach einer festen Stelle. Weder sie noch ihre Arbeitsvermittlerin können sich erklären, woran es liegt. Oder sollten die vielen Ablehnungen doch damit zusammenhängen, dass Sabrina Vötsch kleinwüchsig ist?

Am größten ist der Frust für Sabrina Vötsch, wenn sie auf ihre Bewerbungen überhaupt keine Rückmeldung bekommt. Aber auch wenn sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird – und dieses Treffen dann nur zehn Minuten dauert. „Ich versuche, das nicht zu nah an mich heranzulassen oder mich verrückt zu machen“, sagt sie heute. „Aber wenn gar nichts kommt, resigniere ich auch.“ Dabei ist sie, sagt ihre Arbeitsvermittlerin Regina Butz, „flexibel, zielgerichtet und sehr fleißig“ Außerdem „sehr gut qualifiziert und hat ein einnehmendes Wesen. Eigentlich eine Traumkundin.“

Ihr größter Wunsch ist es, einmal eine unbefristete feste Stelle zu haben. Zu wissen, wo sie in einem halben Jahr sein wird – und vielleicht sogar mal einen Urlaub planen zu können.

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