Gesicht zeigen

Jochen Stöhr, 42, arbeitet seit 13 Jahren in der Förderung der Aktion Mensch. Seit 2012 gehört er zum Team Projekt- und Inklusionsförderung, bei der es darum geht, Partner aus der Behindertenhilfe mit Akteuren aus Kommunen, Unternehmen und Organisationen zu vernetzen. Jochen Stöhr prüft Anträge, berät Antragsteller und sorgt für die Auszahlung der Fördermittel. Beim Bearbeiten von Anträgen lässt er sich besonders gerne von Antragstellern überraschen, die mit ihren Ideen ganz neue Wege gehen. Aufgrund einer Erkrankung der Makula ist Stöhr stark sehbehindert.

Jochen Stöhr kümmert sich in der Aktion Mensch-Förderung um Inklusionsprojekte und -initiativen.

Nachteule oder Frühaufsteher?
Eindeutig Nachteule, frühes Aufstehen liegt mir einfach nicht.

Welches Buch lesen Sie gerade?
„Die Krone des Schäfers“ von dem leider 2015 verstorbenen genialen Sir Terry Pratchett. Dank eines E-Readers kann ich trotz meiner Sehbehinderung viele Bücher problemlos lesen. Eine großartige Erfindung.

Ihr letzter wunderbarer Augenblick?
Das Meer bei Formentera zu erleben. Ich war schon öfter am Meer, aber so klares Wasser und so schöne Strände hatte ich bis dahin noch nirgendwo gefunden.

Wenn die Aktion Mensch ein Obst oder Gemüse wäre, welches und weshalb?
Eine Zwiebel. Sie ist in den meisten Gerichten vorhanden, verleiht je nach Zubereitung die notwendige Schärfe oder Süße und ist somit wandelbar und dennoch beständig.

Beschreiben Sie Ihr ganz persönliches Schlüsselerlebnis in Sache Inklusion…

Meine Welt war schon immer unscharf, deshalb vermisse ich auch diesbezüglich nichts. Früher war ich oft genervt, wenn man mich nach meiner Behinderung gefragt hat. Es gefiel mir nicht, immer wieder an eine Behinderung erinnert zu werden, die für mich keine war. Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass meine Freunde bloß meine Situation verstehen wollten. Anfangs habe ich es ihnen wohl nicht leicht gemacht. Ein direktes Schlüsselerlebnis gab es für mich nicht, aber mit der Zeit haben wir uns viel besser kennengelernt und die Stärken und Schwächen des anderen akzeptiert. Heute sind Situationen, in denen ich Unterstützung brauche, alltäglich geworden. So alltäglich, dass sie mir in den seltensten Momenten auffallen. Zur Inklusion gehören immer beide Seiten.

Weshalb sind persönliche Begegnungen für das Gelingen von Inklusion so wichtig?
Es gibt viele Unsicherheiten, die sich bei einer persönlichen Begegnung in Luft auflösen können. Oft weiß man nicht immer, wie man sich je nach Situation verhalten soll. Strecke ich einem blinden Menschen als erster die Hand hin oder warte ich, bis er es tut? Mein Rat: den Menschen einfach fragen! Wenn man sich verständigt, werden Behinderungen zu Nebensächlichkeiten.

Welche Barrieren ärgern Sie besonders?
Ich gehe gerne mit Freunden ins Kino. Da die Leinwände ja sehr groß sind und wir immer mittig sitzen, kann ich etwas sehen. Ein großes Problem sind allerdings Untertitel in Filmen. Die kann ich überhaupt nicht lesen. Von meinen Freunden bekomme ich jedoch immer von links oder rechts zugeflüstert, was dort steht. Was ich wirklich ärgerlich finde: Kinosäle und Sitze sind meist nur über Treppen erreichbar, es gibt kaum Plätze für Rollstühle oder Audiodeskription. Hier muss noch viel getan werden.

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