Wenn kleine Kinder zusammen spielen, lernen sie den Umgang mit anderen. Sie lernen, sich durchzusetzen. Sie lernen aber auch, Rücksicht auf andere Kinder zu nehmen. Am meisten lernen sie, wenn alle Kinder sehr verschieden sind. Damit die verschiedenen Kinder zusammen auf Spielplätzen spielen können, müssen diese Plätze barrierefrei sein. Bislang gibt es noch zu wenige barrierefreie Spielplätze.

Text und Übersetzung: Astrid Eichstedt
Fotos: Thilo Schmülgen

Ein Junge im Rollstuhl und zwei Mädchen sitzen auf einer Wiese und blasen Luftblasen in die Luft.

Viele ältere Erwachsene haben als Kinder oft stundenlang draußen gespielt. Zum Beispiel auf der Straße, in Hinterhöfen oder auf Spielplätzen. Heute spielen Kinder seltener draußen. Dafür gibt es viele Gründe: Es gibt heute mehr Autoverkehr. In den Städten gibt es weniger freie Flächen. Die Eltern lassen die Kinder nicht gerne ohne Aufsicht. Die Kinder sind nachmittags oft in Vereinen oder Kursen beschäftigt. Außerdem bleiben Kinder gerne im Kinderzimmer. Dort spielen sie mit ihren Tablets, Computern und Smartphones. Wissenschaftler nennen das "Verhäuslichung" der Kinder. Sie sagen:  Das Spiel draußen mit anderen Kindern ist wichtig für die Entwicklung. Kinder werden dadurch auch körperlich fitter. Durch den Umgang mit anderen Kindern lernen sie, besser mit ihren Gefühlen umzugehen. Und sie lernen, zusammen Lösungen für Probleme zu finden.
Der Bildungs-Forscher Ulrich Heimlich beschäftigt sich schon lange mit Spielen von Kindern. Er findet es gut, wenn Kinder mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten und Interessen zusammen spielen. Denn dann können sie besonders viel voneinander lernen. Ulrich Heimlich sagt: Das gleichberechtigte Zusammensein von Kindern mit und ohne Behinderung funktioniert beim Spielen besonders gut. Es klappt vor allem dann gut, wenn sich die Kinder die Spiele selber aussuchen.
Das gemeinsame Spielen von Kindern mit und ohne Behinderung gelingt aber trotzdem nicht immer sofort. Dann müssen Erzieherinnen oder Erzieher vorsichtig eingreifen. Damit alle Kinder auf einem Spielplatz spielen können, müssen Spielgeräte und Bodenflächen barrierefrei sein. Kinder müssen sich zwischendurch auch mal zurückziehen können.

Auf der Internetseite www.spielplatztreff.de können Eltern und Kinder Spielplätze in ihrer Nähe finden. Sie können auch selber Spielplätze eintragen und bewerten. Bettina Schilling hat die Internetseite gegründet. Sie sagt: Viele Leute wissen heute, dass Spielplätze barrierefrei sein müssen. Es gibt aber trotzdem noch viel zu wenige barrierefreie Spielplätze. Das muss sich dringend ändern.


So kann ein barrierefreier Spielplatz aussehen

Ein Junge sitzt in einer Schaukel, die aus einem großen flachen Korb besteht.

Hören, fühlen, sich bewegen: Ein barrierefreier und inklusiver Spielplatz bietet Spaß für alle Sinne. Besucher mit Rollstühlen und Kinderwagen kommen gut auf den Spielplatz. Die Wege und die Eingänge zum Spielplatz haben keine Barrieren.

Am Eingang gibt es einen Plan für blinde Besucher. Sie können darauf tasten, wo sich die Geräte und Bänke befinden. An den Geräten gibt es die gleichen Tast-Zeichen wie auf dem Plan. Die Wege sind mindestens 1,50 Meter breit. Die Rampen sind 1,20 Meter breit. Auf den Wegen gibt es keine Stufen, Furchen oder Kieselsteine. Es gibt verschiedene Ruheplätze. Da können sich Kinder ausruhen. Sie können sich auch unterhalten oder zusammen spielen. Verschiedene Spielgeräte bieten Kindern mit und ohne Behinderung Spaß. Zum Beispiel eine Kletteranlage mit verschiedenen Türmen. Rollstuhlfahrer können an das Gerät heranfahren. Mit Hilfe von Erwachsenen können sie sich in eine Kletter-Sitzschale setzen. Sehbehinderte werden von Sehenden unterstützt. Ein anderes Gerät heißt Supernova. Damit können die Kinder im Liegen, Sitzen oder Stehen ihr Gleichgewicht ausprobieren. Sie können das alleine oder zusammen mit anderen tun. Ein drittes Gerät heißt Gefühlsdusche. Wer hier durchgeht oder durchfährt, den umspülen Sand oder Wasser vom Gesicht bis zu den Knien.

Die Aktion Mensch sammelt zusammen mit den Firmen REWE und Procter & Gamble in ganz Deutschland Spenden für barrierefreie Spielplätze für alle. Die Spenden-Aktion heißt "Stück zum Glück". Sie dauert drei Jahre. In dieser Zeit soll eine Million Euro zusammenkommen. Mit dem Geld kann man viele neue barrierefreie Spielplätze für alle einrichten. Manche Spielplätze werden ganz neu gebaut. Andere werden umgebaut. Wer bei REWE etwas von Procter & Gamble kauft, gibt damit einen Cent für die Aktion"Stück vom Glück". Zur Marke von Procter & Gamble gehören zum Beispiel Ariel, Pampers oder Gilette. Den ersten Spielplatz für alle gibt es seit Juni 2018 in Köln.