Auf dem Land gibt es immer weniger Läden, immer weniger Ärzte und immer weniger Busse und Bahn-Verbindungen. Mit guten Ideen kann man das Leben auf dem Land aber leichter machen. Wir zeigen viele gute Beispiele.

Text und Übersetzung  Astrid Eichstedt

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Einkaufen in der Nachbarschaft

In Dörfern und kleinen Orten in Hessen, Franken und Thüringen gibt es 31 „tegut ... Lädchen“. Das sind kleine Geschäfte. Sie verkaufen Lebensmittel und andere Waren für den täglichen Gebrauch. Es gibt dort viele Bio-Lebensmittel. Das Obst und Gemüse kommt oft von Bauern aus der Gegend. In den Läden gibt es auch andere Angebote. Zum Beispiel Schuh-Reparaturen, Änderungs-Schneidereien, Reinigungs-Annahmen, Paket-Shops, Post-shops und Cafés. In jedem Lädchen haben mindestens sechs Menschen Arbeit in Vollzeit oder Teilzeit. Mitarbeiter mit und ohne Behinderung arbeiten zusammen. Mehr als die Hälfte der Lädchen gehören zu sozialen Einrichtungen. Zum Beispiel zur Lebenshilfe Marburg, zur AWO Würzburg und zum Christophoruswerk Erfurt.  Der leitende Angestellte Knut John sagt: „Es gibt immer mehr alte Menschen in unserem Land. Die tegut … Lädchen sind vor allem gut für alte Menschen. Sie können wieder in der Nachbarschaft einkaufen. Es hilft auch anderen Menschen, die nicht weit gehen können. Und Menschen, die kein Auto haben.“

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Wenn alle mitmachen

Der Ort Jülich-Barmen liegt In Nordrhein-Westfalen. Der Ort hat 1.400 Einwohner. Viele Jahre lang gab es hier keinen Laden. Heinz Frey und Norbert Schommer wollten das ändern. Sie gründeten einen Kaufmannsladen mit Post-, Bank-, Arzt- und Apotheken-Dienst. Sie nannten ihn DORV-Zentrum. Die Abkürzung steht für Dienstleistung und ortsnahe Rundum-Versorgung. Inzwischen gibt es in Deutschland rund 200 DORVLäden. Die Kunden können dort nicht nur einkaufen. Sie können auch mit anderen Menschen zusammentreffen. Die Läden sind mitten im Ort. Die Bürger unterstützen die DORVLäden dadurch, dass sie dort einkaufen und die Angebote nutzen. Noch erhalten die Läden auch Geld von Unternehmern und vom Staat. Später sollen sie aber selbst genug Geld verdienen. „Die DORVLäden können nur entstehen, wenn alle mitmachen“, sagt Heinz Frey. Zusammen mit Norbert Schommer betreibt er heute ehrenamtlich eine Beratungsstelle für Bürger, die DORVLäden gründen wollen. Anfragen kommen aus den Niederlanden, aus Belgien, Norwegen, Frankreich, China und Großbritannien.

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Fahr-Gemeinschaften

In ländlichen Gegenden fahren Busse und Bahnen oft viel zu selten. In manchen Orten haben Bürger gute Ideen, wie sie trotzdem an ihr Ziel kommen. Sie bilden zum Beispiel Fahr-Gemeinschaften. Emmendingen liegt in Baden-Württemberg. Dort haben Jugendliche eine Internetseite für Fahr-Gemeinschaften entwickelt. Für die Entwicklung ihrer Internetseite haben sie Geld von der Europäischen Union bekommen. 2016 hat die Internetseite den Bildungspreis von Baden-Württemberg gewonnen. Die Internetseite heißt www.twogo.com. Autofahrer können sich dort kostenlos anmelden und ihre Fahrten eintragen. Wer Mitfahr-Gelegenheiten sucht, kann sich auch anmelden. So kommen die Bürger auch ohne Bus und Bahn und ohne eigenes Auto voran. Außerdem sind insgesamt weniger Autos unterwegs. Dadurch sind auch weniger schädliche Autoabgase in der Luft.

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Per Anhalter

Früher sind viele Menschen per Anhalter gefahren. Sie haben sich an die Straße gestellt und einen Daumen hoch gehalten. Manche Autofahrer haben fdann angehalten und sie ein Stück mitgenommen. Inzwischen fahren nur noch sehr wenige Menschen per Anhalter. Im Wendland soll sich das jetzt ändern. Dort gibt es den Fahrgast-Rat Wendland. Seine Mitglieder kümmern sich darum, dass die Bürger gut von einem Ort zum anderen kommen. Autofahrer können beim Fahrgast-Rat einen roten Punkt bekommen. Den roten Punkt können sie sich an die Windschutzscheibe ihres Autos kleben. Damit zeigen Sie, dass sie Anhalter gern im Auto mitnehmen. Die Mitglieder des Fahrgast-Rats wollen, dass viele Fahrer und Anhalter in ihrer Gegend mitmachen. Außerdem gibt es im Wendland noch die Internetseite www.rufmobil.de. Hier können Autofahrer Mitfahr-Gelegenheiten anbieten. Wer kein Auto hat, kann hier Mitfahr-Gelegenheiten finden.

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Rezept gegen Überlastung

In  ländlichen Gegenden gibt es zu wenige Ärzte. Immer weniger Ärzte wollen auf dem Land arbeiten. Deshalb haben die Patienten oft einen sehr weiten Weg zum nächsten Arzt. Die wenigen Ärzte sind oft überlastet. Darum gibt es Sprechstunde-Hilfen mit einer zusätzlichen Ausbildung. Sie machen auch Hausbesuche. Sie sollen die Ärzte entlasten.

Diese Sprechstunden-Hilfen mit einer zusätzlichen Ausbildung gibt es in Deutschland:

  • Die "Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis" (VERAH) gibt es in allen deutschen Bundesländern.
  • Die "Fallmanagerin für betreuungsintensive Patienten“ (agneszwei) kümmert sich vor allem um Patienten, die viel Betreuung brauchen. Es gibt sie in Brandenburg.
  • Das "Modell Niedersachsen" (MoNi) gibt es in Niedersachsen.
  • Die „Entlastende Versorgungsassistentin“ (EVA) gibt es in Nordrhein-Westfalen.

VERAH, agneszwei, MoNi und EVA sind medizinische Fach-Angestellte mit einer zusätzlichen Ausbildung. Sie machen Hausbesuche. Aber sie übernehmen auch andere Aufgaben. Zum Beispiel beraten sie Patienten, in welche Reha-Klinik sie gehen können. Oder sie helfen Patienten dabei, einen Schwerbehindertenausweis zu bekommen. Die zusätzlichen Ausbildungen sind noch verschieden. Das soll aber geändert werden. 

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Sprechstunde im Internet

Manche Ärzte bieten außer ihren Praxis-Sprechstunden auch Sprechstunden im Internet an. Zum Beispiel wenn Sie einen Patienten beraten wollen. Oder wenn sie einen Patienten mit dauernden Beschwerden überwachen wollen. Dann brauchen die Patienten keine langen Wege zur Praxis fahren. Vorher soll der Arzt den Patienten aber in der Praxis untersucht haben. Was zwischen Arzt und Patient gesprochen wird, sollen Fremde nicht erfahren. Darum muss die Internet-Verbindung sicher sein. Ab 1. Juli 2017 wird die Internet-Sprechstunde von den meisten Krankenkassen bezahlt. Aber die Patienten müssen einen Internet-Zugang, ein Mikrofon, eine Kamera am Computer haben. Und sie müssen damit umgehen können. Bei Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen ist das aber nicht immer möglich. Außerdem ist das Internet auf dem Land oft noch langsam. Trotzdem gibt es immer mehr Sprechstunden im Internet.

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Digitale Dörfer

Der Computer kann helfen, das Leben auf dem Land zu erleichtern. Das Internet kann zum Beispiel folgende Aufgaben leichter machen:

  • Transport von Menschen und Waren
  • ärztliche Versorgung
  • Erzeugung von Energie, die die Umwelt schont
  • Nachbarschafts-Hilfe
  • Pflege

Seit 2015 gibt es das Projekt „Digitale Dörfer“. Es soll zeigen, wie das Internet das Leben auf dem Land leichter machen kann. Das Projekt bekommt Geld vom Ministerium des Innern und für Sport Rheinland-Pfalz. Um die Durchführung kümmert sich das Fraunhofer-Institut in Kaiserslautern. Drei Gemeinden machen dabei mit: Betzdorf im Westerwald und Eisenberg und Göllheim in der Nordpfalz. Zuerst gab es in den Gemeinden einen Internet-Marktplatz. Damit können sich Bürger Lebensmittel und andere Waren nach Hause liefern lassen. Freiwillige Helfer bringen die Waren. Außerdem können die Bürger die Internet-Sprechstunde bei ihrem Arzt ausprobieren. Und sie können über das Internet Sachen verleihen und ausleihen. Sie können zum Beispiel Werkzeuge zum Verleih anbieten oder von anderen Anbietern ausleihen. Das Projekt "Digitale Dörfer" gibt es noch bis Ende 2019. Ein ähnliches Projekt gibt es seit 2016 in Bayern. Hier heißt es „Digitales Dorf“. Das Projekt bekommt Geld von der Bayerischen Staatsregierung. Durchgeführt wird es von verschiedenen Forschungs-Einrichtungen. Zum Beispiel vom Fraunhofer-Institut. Zwei Gemeinden machen mit: die Steinwald-Allianz in der Oberpfalz und Freyung-Frauenau im Bayerischen Wald.

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Wächter-Häuser

Immer weniger Menschen wollen auf dem Land wohnen. Deshalb gibt es auf dem Land immer mehr Häuser, die lange leer stehen. Dadurch gehen die Häuser nach und nach kaputt. Wenn die Bürger wegziehen, verlieren die Gemeinden auch Steuer-Einnahmen. Die Gemeinde im Naturpark Dübener Heide in Sachsen-Anhalt hatte eine Idee. Menschen aus der Stadt können eine Zeitlang in Häusern wohnen, die schon länger leer stehen. Sie brauchen keine Miete zu bezahlen. Sie sind "Wächter" der Häuser. Sie können die Häuser reparieren. Sie können sich um den Garten kümmern. Zuerst gab es die "Wächter-Häuser" in Leipzig. Hier gab es viele leer stehende Häuser. Vor 13 Jahren hat die Stadt Leipzig Bürgern erlaubt, in den leer stehenden Häusern zu wohnen. Sie können die Räume auch als Werkstatt nutzen. Sie brauchen keine Miete zu bezahlen. Aber sie sollen die Häuser reparieren. Inzwischen gibt es auch in anderen Städten Wächter-Häuser. Zum Beispiel in Görlitz, Erfurt, Dresden und Zittau. Viele andere Städten in Deutschland wollen auch mitmachen. In der Dübener Heide haben sich viele Menschen gemeldet. Sie wollen gerne Wächter für leer stehende Häuser sein. Aber nur wenige Haus-Besitzer machen mit. Sie wollen ihre Häuser lieber leer stehen lassen. Im kleinen Ort Kalbe in Sachsen-Anhalt standen auch viele Häuser und Wohnungen leer. Hier dürfen jetzt Künstler eine Zeitlang wohnen und arbeiten. Die Künstler brauchen keine Miete zu bezahlen. Sie können in den Räumen auch ihre Kunstwerke ausstellen. Dadurch wurde Kalbe zu einer Künstler-Stadt. Deshalb kommen viele Besucher nach Kalbe.

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Dorf der Kinder

Die Uckermark liegt im Nordosten von Deutschland. Viele Menschen sind in den letzten Jahren von der Uckermark weggezogen. Vor allem junge Menschen ziehen oft lieber in die großen Städte. In Wallmow ist das anders. Das Dorf Wallmow hat 300 Einwohner. Es liegt auch in der Uckermark. Aber hier sind in den letzten Jahren viele junge Familien hingezogen. Deshalb heißt es auch "das Dorf der Kinder". Die Erwachsenen haben eine eigene Schule für ihre Kinder gegründet. Inzwischen gehen 51 Kinder die Schule. Manche der Kinder haben eine Behinderung. Jedes Kind hat besondere Fähigkeiten. Darauf achten die Lehrer. Die Kinder lernen nicht nur Schreiben und Rechnen. Sie lernen auch, wie man gut mit anderen Menschen umgeht. Später haben die Eltern auch eine Kita gegründet. In der Kita gibt es kein Spielzeug. Die Kinder sollen mit dem spielen, was sie selber basteln. Oder mit dem, was sie draußen finden. Etwa Federn, Steine oder Pflanzen. 2014 wurde ein neues Gebäude mit 30 Plätzen für die Kita gebaut. Es ist auch gut für Kinder, die im Rollstuhl sitzen. Die Aktion Mensch hat Geld gegeben, damit das Gebäude fertig gebaut werden konnte. In Wallmow gibt es einen Dorfladen, zwei Gasthäuser und eine Post. Viele junge Familien wollen gerne nach Wallmow ziehen. Aber im Moment gibt es keinen Platz mehr für neue Einwohner.

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