Anpacken statt abwarten

Auf dem Land in Deutschland gibt es oft Probleme: Es gibt wenig Arbeit, viele Geschäfte machen zu und junge Menschen ziehen lieber in die Stadt. Im Emsland ist das ganz anders. Der Region Emsland im Norden Deutschlands geht es gut. Es gibt viele Betriebe und Arbeitsplätze. Und die Bewohner der Gegend halten zusammen und fühlen sich wohl. „Wie kommt das?“, haben sich Forscher gefragt. Sie haben die Bürger befragt und die Region erforscht.

Emsland: Landschaft mit Fluss und Rapsfeld Emsland Touristik

Im Emsland gibt es schöne Landschaften. Und die Bewohner der Gegend halten zusammen und fühlen sich wohl.

Text: Susanne Theisen
Übersetzung: Constanze López

Früher gab es im Emsland kaum Arbeit und fast keine großen Betriebe. Auch die Bauern hatten es nicht leicht, weil der Boden nicht besonders fruchtbar ist. Doch vor 60 Jahren veränderte sich etwas. Die Menschen wollten etwas dafür tun, dass es ihnen besser geht. Vieles wurde in dieser Zeit moderner. Und auch heute noch ist das Emsland eine erfolgreiche Region auf dem Land.

Ein Grund, warum es dem Emsland so gut geht, war ein Förderprogramm. Seit 1950 förderte Deutschland die Region fast 40 Jahre lang. Insgesamt gingen mehr als zwei Milliarden D-Mark ins Emsland. In diesen 40 Jahren sind viele Betriebe mit vielen Arbeitsplätzen entstanden. Diese Betriebe gibt es noch heute. Sie sind nicht ins Ausland gezogen, wo die Arbeitskräfte oft billiger sind. Das liegt auch daran, dass im Emsland vieles günstig ist.

Ein zweiter Grund für den Erfolg im Emsland sind die Menschen. Das haben die Forscher herausgefunden. Die Menschen im Emsland überlegen nicht lange. Sie machen einfach. Früher hat ihnen keiner geholfen. So sind sie es schon immer gewohnt, selbst für sich sorgen. Die Emsländer glauben daran, dass sie etwas können und keine Hilfe brauchen. Ein gutes Beispiel ist die Autobahn 31. Früher gab es eine Lücke von 42 Kilometern auf der A 31. Die Bundesregierung wollte dieses Stück Autobahn erst 2017 bauen. So lange wollten die Emsländer nicht warten. Sie haben dafür gesorgt, dass die Bauarbeiten früher beginnen. Sie haben von Betrieben, Städten und Privatpersonen aus dem Emsland Geld eingesammelt. So haben die Emsländer einen Teil der A 31 selbst bezahlt. Die ersten Autos konnten im Dezember 2004 über das neu gebaute Stück der A 31 fahren.

Jeder kann mitmachen

Viele Menschen im Emsland sind in Vereinen. In den meisten Dörfern gibt es gleich mehrere Vereine. Viele davon gehören zur katholischen Kirche. Die Forscher haben herausgefunden, dass das Vereinsleben im Emsland besonders gut funktioniert. Die Emsländer sind gerne in Vereinen. Denn dort trifft man Menschen und kann das Leben auf dem Dorf selbst verändern. Außerdem wollen die Emsländer ihren Mitbürgern helfen. Die Vereine im Emsland sorgen dafür, dass sich die Menschen zu Hause fühlen. Und auch junge Menschen fühlen sich sehr wohl. Sie bleiben im Emsland oder kommen nach der Ausbildung dorthin zurück. In anderen Regionen Deutschlands ziehen junge Menschen oft aus den Dörfer weg und kommen nicht wieder.

Die Möglichkeiten für ehrenamtliche Arbeit im Emsland sind ganz verschieden: Manche Emsländer betreuen Büchereien oder fahren Busse für Mitbewohner im Dorf. Andere helfen zum Beispiel Flüchtlingen. Auch die Hilfe zwischen Nachbarn funktioniert gut. Wenn zum Beispiel jemand nicht einkaufen kann, weil er oder sie nicht gut gehen kann. Dann helfen die Nachbarn. 

Im Emsland gibt es auch einige inklusive Projekte. Das sind Projekte, bei denen Menschen mit und ohne Behinderung ganz selbstverständlich mitmachen können. Zum Beispiel das Projekt LinaS. LinaS ist ein Verein und bedeutet ausgeschrieben „Lingen integriert natürlich alle Sportler“. Der Verein möchte erreichen, dass immer mehr Vereine Menschen mit Behinderung aufnehmen. Schon über 30 Vereine in Lingen und Umgebung machen mit. Und schon mehr als 400 Sportler mit Behinderung gehen in diese Vereine. Aktuell können sie aus 27 Sportarten wählen.

Mehr Inklusion in der Kirche

Auch die Kirche im Emsland will mehr für Inklusion tun. Seit 2013 gibt es in der Kirchengemeinde Sankt Vitus in Meppen einen Gesprächskreis. Dort treffen sich evangelische und katholische Pfarrer und Gemeindemitglieder. Sie wollen dafür sorgen, dass die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen in den Gemeinden wahr wird. Die Behindertenrechtskonvention ist eine Art Vertrag, in dem die Rechte von Menschen mit Behinderung stehen.

Der Gesprächskreis der Kirche denkt darüber nach, wie man Kirchen barrierefrei machen kann. Menschen mit Gehbehinderung oder Rollstuhl können zum Beispiel Treppen und enge Wege in der Kirche nicht benutzen. Auch die Sprache in der Kirche ist für viele Menschen schwer zu verstehen. Deswegen will der Gesprächskreis, dass in der Kirche alle eine Sprache sprechen, die jeder versteht.

Auch im Emsland gibt es Probleme

Doch auch im Emsland gibt es Veränderungen, die später zu Problemen werden können. So bekommen die Emsländer immer weniger Kinder. Dadurch gibt es in der Zukunft weniger Menschen und weniger Arbeitskräfte. Auch Häuser könnten leer stehen. Es gibt außerdem immer mehr älteren Menschen, die später Hilfe brauchen. Diese Veränderungen haben die Menschen im Emsland schon erkannt. Deswegen laden die Vereine, Dorf-Gruppen und Kirchen Zugezogene ein, bei ihnen mitzumachen. Außerdem gibt es neue Gruppen, die sich um die neuen Probleme kümmern. Zum Beispiel wollen diese Gruppen dafür sorgen, dass sich ältere und jüngere Menschen wohl fühlen. Sie fragen die Menschen, was ihnen fehlt oder was ihnen nicht gefällt. Haben sie ein Problem gefunden, suchen sie nach einer Lösung.

Presse-Projekt Werpeloh

Über das Dorf Werpeloh im Emsland kann man auf der Internetseite www.eindeutschesdorf.de mehr erfahren. 16 junge Reporter haben zwei Wochen lang das Dorf besucht und darüber geschrieben. Die Reporter wollten wissen: Wie ist es, in einem kleinen Dorf wie Werpeloh zu leben? Sie haben genau wie die Forscher erkannt, dass die Werpeloher Bürger ihre Heimat mögen. Ältere Menschen genauso, wie jüngere Menschen.

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