Mirco von Juterczenka, 41 Jahre alt. Beruf: Manager

Mirco von Juterczenka hat einen zwölfjährigen Sohn. Sein Sohn heißt Jason. Jason lebt mit dem Asperger-Syndrom. Das ist eine Form von Autismus. Mirco und Jason von Juterczenka haben schon über 80 Fußballstadien besucht. Die beiden suchen den Lieblings-Verein von Jason. Doch das ist nicht so einfach. Denn Jason hat viele Anforderungen  für seinen Lieblingsverein. Der Verein darf zum Beispiel keinen Glücksbringer  haben. Die Spieler dürfen vor dem Spiel keinen Kreis bilden. Und der Verein darf die Umwelt nicht verschmutzen. Mirco und Jason von Juterczenka schreiben im Internet den Blog „Wochenendrebellen“. Darin berichten sie von ihren Stadion-Besuchen. Dafür habe sie einen Preis gewonnen: Den Grimme Online Award.

Text: Beate Schwarz  Übersetzung: Steffi Wulff
Foto: Jann Höfer

Mirco von Juterczenka

Mirco von Juterczenka erzählt: „Wir sind zufällig auf die Idee gekommen, zu den Fußballstadien zu reisen. So fing es an: Mein Vater hatte Geburtstag. Wir schenkten ihm einen Besuch im Fußballstadion. Da wollte Jason unbedingt mit. Das hat mich überrascht. Im Fußballstadion gibt es viele Dinge, die Jason nicht mag. Zum Beispiel ist es dort laut. Es ist dort eng. Man berührt viele Menschen aus Versehen.

Trotzdem wollte Jason mitkommen. Seitdem sind wir an vielen Wochenenden zusammen unterwegs. Einen Lieblings-Verein hat Jason noch nicht gefunden. Aber er hat sich auch sehr viele Anforderungen für seinen Lieblingsverein ausgedacht. Ich fürchte: Ich muss selbst einen solchen Verein gründen. Sonst wird das nichts.

Jason hat eine besondere Persönlichkeit.  Schon mit drei oder vier Jahren hat er gemerkt, dass er anders als andere Kinder ist. Er begreift Dinge sehr schnell. Und er kann sich sehr viel merken. Wenn wir in den Zoo gehen, kann er Vorträge über jedes Tier halten. Ich habe noch eine Tochter. Die findet solche Vorträge nicht so toll. Deshalb machen wir meistens keine Unternehmungen mit der ganzen Familie. Meine Frau und ich machen lieber alleine etwas mit einem Kind. Das klappt ganz gut.

Viele Leute denken: Ich bin ganz toll, weil ich oft mit Jason ins Stadion fahre. Aber das stimmt so nicht. Von montags bis freitags bin ich meistens beruflich unterwegs. Den Familien-Alltag mit allen Problemen bekomme ich gar nicht so mit. Das macht meine Frau ganz allein. Sie kümmert sich zum Beispiel darum, wenn es Probleme in der Schule gibt. Jason darf sich vor dem Unterricht zum Beispiel schon allein in einem Raum aufhalten. So kommt er zur Ruhe. Das finden manche  Kinder ungerecht. Manchmal hat Jason auch das Gefühl, er wird herum geschubst. Doch eigentlich sind die Mitschüler nur schnell zur Garderobe gegangen.

Inklusion bedeutet für mich: Jeder darf so sein, wie er möchte. Oder: Jeder darf so sein, wie er ist. Ich wünsche mir, dass das selbstverständlich ist. Ich möchte, dass sich meine beiden Kinder gut entfalten können. Sie sollen neugierig sein. Sie dürfen sich etwas zutrauen. Ich unterstütze sie dabei.

Früher haben die Ärzte gesagt: Jason hat eine Behinderung. Deshalb wird er manche Dinge nicht machen können. Meine Frau und ich mögen solche Aussagen nicht. Wir sind nicht trotzig. Wir denken: Man kann nicht wissen, was ein Kind einmal ausprobieren möchte.“

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