Maren Stöver, 37 Jahre alt. Beruf: Fotografin

Maren Stöver und ihr Mann Robert haben Zwillinge. Sie kamen viel zu früh auf die Welt. Deswegen haben sie eine mehrfache Behinderung. Die Zwillinge heißen Enie und Luna. Sie sind jetzt sieben Jahre alt. Sie besuchen eine Förderschule für blinde Kinder.

Text: Mareice Kaiser Übersetzung: Steffi Wulff
Foto: Roman Pawlowski

Maren Stoever

Maren Stöver erzählt: „Als ich schwanger war, dachte ich: Zwillinge sind bestimmt sehr anstrengend. Aber ich dachte auch: Wenn sie etwas größer sind, wird das toll. Dann können sie immer miteinander spielen.

Enie und Luna kamen zu früh auf die Welt. Das kam überraschend. In den ersten zwei Lebensjahren hatten wir große Angst um ihr Leben. Zuhause mussten wir vieles einrichten. Die Kinder brauchten ein Sauerstoff-Gerät zum Atmen. Sie brauchten auch eine Magensonde, um sie künstlich zu ernähren. Sie brauchen viel Pflege und Förderung. Da habe ich mir einfach nur normalen Stress mit Zwillingen gewünscht.

Wir hatten aber auch Hilfe. Eine Frau machte die Frühförderung mit Enie und Luna. Mit Frühförderung werden Kinder mit Behinderung in den ersten Lebensjahren unterstützt. Die Frühförderin half aber nicht nur den Zwillingen. Sie hat auch uns Eltern beraten. Einmal sagte sie: Jetzt sollten wir einen Behinderten-Ausweis für die Kinder beantragen. Das wollte ich zuerst nicht. Ich hatte gehofft, dass die Kinder noch gesund werden. Aber die Behinderung ist geblieben.

Mittlerweile haben wir viele Menschen, die uns unterstützen. Mein Mann kümmert sich vor allem um den Haushalt und die Kinder. Ich arbeite 24 Stunden in der Woche als Fotografin. Jetzt kümmern sich manchmal auch andere Betreuerinnen um Enie und Luna. Am Anfang war das gar nicht so einfach für uns. Wir wollten alles selbst machen. Aber das geht nicht. Für die Zwillinge ist es auch gut, wenn andere Menschen helfen. Und wir als Eltern haben dann nicht mehr so viel Stress.

Inklusion bedeutet für mich: Menschen mit Behinderung sollen im Alltag einbezogen werden. Sie sollen mitmachen, so gut sie können. Es gibt aber auch Grenzen. Viele Menschen mit Behinderung brauchen spezielle Förderung und Therapie. Sie leben nun mal mit Einschränkungen. Deshalb sollte man realistisch bleiben. Unsere Kinder gehen auf eine Förderschule. Ab dem nächsten Schuljahr gehen auch Kinder ohne Behinderung auf diese Schule. So kann Inklusion funktionieren.

Natürlich sollen Enie und Luna gut gefördert werden. Aber manchmal sind sie auch nur so dabei. Das ist ok. Ich habe ja auch nicht jeden Tag einen super Tag.

Für die Zukunft wünsche ich mir inklusive Wohnmöglichkeiten. Das heißt: Enie und Luna sollen gut zusammen wohnen können mit Menschen mit und ohne Behinderung. Sie sollen eines Tages auch ohne mich wohnen können. Natürlich will ich weiter für sie da sein. Aber meine Kinder sollen sich auch selbst etwas zutrauen. Wenn etwas passiert, bin ich aber immer für sie da.“

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