Anne Heidel, 37 Jahre alt. Beruf: Sozialpädagogin

Anne Heidel hat einen Sohn. Er heißt Bennet. Bennet ist zehn Jahre alt. Er ist nicht behindert. Er geht zur Antonius-von-Padua-Schule in Fulda. Früher gingen nur Schüler mit Behinderung zur Antonius-von-Padua-Schule. Seit 2014 gehen auch Schüler ohne Behinderung dorthin. Dafür hat die Schule bereits eine Auszeichnung bekommen: Den Jakob-Muth-Preis. Diesen Preis erhalten Schulen, die sich besonders für Inklusion einsetzen.

Text: Beate Schwarz  Übersetzung: Steffi Wulff
Foto: Jann Höfer

Anne Heidel

Anne Heidel erzählt: „Als wir Bennet an der Antonius-von-Padua-Schule angemeldet haben, war das schon ein Abenteuer. Alles dort war noch ganz neu. Das Gebäude für den inklusiven Unterricht war noch gar nicht gebaut. Eine Freundin hatte uns von der Schule erzählt. Erst haben wir mit den Lehrern an der Schule gesprochen. Die Idee vom inklusiven Unterricht gefiel uns sofort. Wir finden es wichtig, dass Bennet lernt, andere Menschen anzunehmen, wie sie sind. Bekannte von uns haben auch Kinder mit Behinderung. Deshalb war das für Bennet gar nichts Besonderes.

Am Anfang war in der Schule noch nicht alles fertig. Doch das hat uns nicht gestört. Das Besondere an der Antonius-von-Padua-Schule ist die Offenheit. Es gibt zum Beispiel keine Türen. Auch die Lehrer arbeiten anders. Die Kinder arbeiten viel in kleinen Gruppen. So könne sie viel miteinander und voneinander lernen. Das gefiel Bennet von Anfang an gut.

An dieser Schule ist das  Miteinander besonders wichtig. Die Kinder nehmen Rücksicht aufeinander. Sie hören aufeinander. Sie sehen, wenn jemand Hilfe braucht.

Bennet lernt gerne an der Antonius-von-Padua-Schule. Ich weiß, dass manche Eltern Bedenken haben. Sie glauben: Kinder ohne Behinderung kommen in einer inklusiven Schule zu kurz. Sie werden nicht genug gefördert. Aber das erlebe ich so nicht. Es ist natürlich wichtig, dass es genug Lehrer und Räume gibt.

Bei der Auswahl einer Schule sollten Eltern sich auch inklusive Schulen ansehen. Und sie sollten auch auf ihr Kind hören. Ich wünsche mir mehr inklusives Lernen in allen Schulen in Deutschland. Auch sonst fände ich mehr Inklusion gut. Ich selbst habe durch die Antonius-von-Padua-Schule noch viel Neues gelernt. Ich habe noch mehr Verständnis für andere.  Es fällt mir jetzt schwer, überhaupt zwischen Kindern mit und ohne Behinderung  zu unterscheiden.

Nach der Grundschule wünsche ich mir für Bennet eine inklusive weiterführende Schule. Doch leider gibt es keine in unserer Nähe. Als Sozialpädagogin erlebe ich oft, dass Kinder nicht inklusiv lernen. Das ist schade. Ich hoffe, dass Bennet weiter offen und tolerant sein wird. Und dass er nicht vergisst: Menschen haben verschiedene Bedürfnisse. Und Menschen lernen unterschiedlich schnell.“ 

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