Wer heute in der Stadt etwas umbauen möchte, der bekommt von vielen Stellen gesagt, wie man das am besten macht: Bewohner, Vereine und Geschäftsbesitzer versuchen mitzureden.
 

Nils Theurer/Gabriella Seemann

Text Rose Grewe

Oft entstehen auch Bürger-Initiativen, also Gruppen von Menschen, die sich für ein gemeinsames Ziel stark machen. Doch die Menschen, die bei dem Umbau mitreden wollen, haben nicht alle das gleiche Ziel. Die Stadt hört sich die verschiedenen Wünsche und Meinungen der Bürger an. Dadurch dauert es oft viel länger einen Umbau zu planen. Manchmal gibt es auch Ärger, weil die Meinungen sehr unterschiedlich sind. Die Stadt versucht einen Mittelweg zu finden, mit dem alle zufrieden sein können.

Susanne Jungkunz von der Fachstelle Inklusion Oldenburg sagt: „Für all die verschiedenen Bürger eine gute Lösung zu finden, ist für die Stadt eine schwierige Aufgabe. Wir von der Stadtverwaltung wollen Pläne für die Zukunft zusammen mit den Bürgern angehen. Dabei müssen alle lernen, die Stärken der Bürger zu akzeptieren und ihnen gut zuzuhören."

Was die Stadtplaner dazu sagen? Sie finden es manchmal mühsam. Denn sie müssen den Bürgern erklären, was sie planen und warum. Die verschiedenen Ideen der Menschen müssen sie sich auch anhören. Dann müssen die Stadtplaner versuchen, die verschiedenen Ideen und Wünsche zusammenzubringen. Sie planen also nochmal neu, erklären den neuen Plan und hören wieder den Menschen zu. Dazwischen müssen sie immer wieder Ärger schlichten: Zum Beispiel, wenn sich Bürger untereinander streiten. Oder auch, wenn die Bürger mit dem neuen Plan der Stadt nicht zufrieden sind.

Bürger übernehmen Verantwortung

Meistens fällt es der Nachbarschaft als erstes auf, wenn in ihrem Viertel etwas nicht in Ordnung ist: Zum Beispiel eine kaputte Kinderschaukel. Oder eine ungenutzte Fläche, wo man etwas anpflanzen könnte. Oft tun sich die Nachbarn dann einfach zusammen und wollen das Problem gemeinsam lösen. So entstehen Bürger-Initiativen, bevor die Stadtverwaltung das Problem überhaupt kennt. Doch je mehr Menschen in einem Stadtviertel wohnen, desto mehr verschiede Ideen und Wünsche können diese Menschen haben. So wünschen sich manche Menschen zum Beispiel mehr Parkplätze. Andere wollen dagegen mehr Parks und Bäume. Das kann schon mal Ärger geben.

Am besten ist es, all diese Menschen zusammenzubringen. Sie sollten gemeinsam an dem Problem arbeiten und zusammen mit der Stadtverwaltung eine Lösung finden. So kann man offen und fair über unterschiedliche Meinungen sprechen und einen Mittelweg finden. Dabei ist es wichtig, Menschen dazu zu holen, die mit den Entscheidungen in der Stadt wenig zu tun hatten. Das können zum Beispiel Menschen mit Sprachbehinderung sein. Oder Menschen aus anderen Ländern, die nicht so gut deutsch sprechen. Damit alle Menschen gemeinsam an einer Lösung arbeiten können, muss die Stadtverwaltung etwa tun. Denn alle müssen verstehen, was für ein Problem es gibt. Auch die verschiedenen Ideen und Meinungen dazu, müssen für jeden verständlich sein. Deswegen sollte die Stadt das Problem in einer einfachen Sprache erklären. Oder man muss es in eine andere Sprache übersetzen. Manchmal helfen auch Bilder, Fotos und Skizzen. Oder man erklärt das Problem einmal ganz in Ruhe, nur zu zweit. Diese Gespräche wechseln sich immer wieder ab. Mal gibt es eine große Bürgerversammlung, dann wieder ein Gespräch mit nur wenigen Experten, dann wieder größere Gruppen, die ein Teil des Problems bearbeiten. So geht es langsam voran, bis die Stadt zum Beispiel einen neuen Kinderspielplatz bauen kann.

Nils Theurer/Gabriella Seemann

Arbeitskreise

Ein Arbeitskreis ist meist eine kleinere Gruppe von Menschen, die gemeinsam an der Lösung eines Problems arbeiten. Oft sind die Mitglieder der Gruppe Experten in einem Gebiet. Zum Beispiel Vertreter von Menschen mit Behinderung, Stadtverwaltung oder Mitglieder eines Selbsthilfevereins. In einem Arbeitskreis müssen alle darauf achten, dass jeder jeden versteht. Plant die Stadtverwaltung zum Beispiel ein inklusives Wohnprojekt, können die Wünsche von Menschen mit Behinderung miteingeplant werden.

Welche Personen in einem Arbeitskreis zusammen an einem Projekt arbeiten, ist eine wichtige Frage. Sind die falschen Personen im Arbeitskreis, kann es am Ende neue Probleme geben. Das kann auch dann passieren, wenn wichtige Personen fehlen. Am besten ist es, wenn verschiedene Menschen mit unterschiedlichem Wissen zusammenarbeiten. So können sie direkt miteinander sprechen und schneller eine Lösung finden.

Früher war das anders. Wollte die Stadtverwaltung zum Beispiel eine barrierefreie Bushaltestelle bauen, haben nur Verkehrsexperten, Stadtplaner und Busbetreiber zusammengearbeitet. Jetzt kommen noch mehr Menschen dazu: Menschen, die oft Bus fahren und besonders auch Menschen mit Gehbehinderung. In vielen Städten und Gemeinden gibt es Menschen, die sich für die Rechte von Menschen mit Behinderung stark machen. In Arbeitskreisen braucht man solche Menschen.

Bürgerversammlungen

Will die Stadtverwaltung ihren Bürgern eine wichtige Information geben, kann sie zu einer Bürgerversammlung einladen. Meistens finden die Bürgerversammlungen in großen Räumen statt, damit viele Menschen Platz haben. Jeder kann dort hinkommen und Fragen stellen. Auch bei Bürgerversammlungen ist es sehr wichtig, dass sich Menschen mit Behinderung für ihre Rechte und Wünsche stark machen. Dort können Menschen mit Behinderung sagen, welche Wünsche und Ideen sie haben. So können sie die Pläne der Stadtverwaltung aktiv mitbestimmen. Außerdem werden sie auch für andere Bürger und Nachbarn sichtbar. Denn nicht jeder denkt daran, dass Treppen für Menschen mit Gehbehinderung ein großes Hindernis sind. Spricht ein Mensch mit Gehbehinderung dieses Problem an, verstehen viele das Problem viel besser.

Die Stadt muss die Versammlungen also für alle organisieren: Die Einladung zur Bürgerversammlung, der mündliche Vortrag und die Broschüren müssen für alle verständlich sein. Sie müssen in einer einfachen Sprache sein, vielleicht auch auf Türkisch oder Russisch. Auch Gebärdendolmetscher sollten bei einer Bürgerversammlung mit dabei sein. Verschiedene Ansprechpartner sollten auch Rückfragen der Bürger beantworten. Auch in der Bürgerversammlung lassen sich Arbeitskreise einrichten. Man nennt sie Bürgerwerkstätten, wie in Freiburg-Dietenbach. Hier können Nachbarn mit und ohne Behinderung gemeinsam ein Thema bearbeiten.

Informationen im Internet

Auch auf der Internetseite der Stadtverwaltung sollten die Informationen für jeden verständlich sein. Geht zum Beispiel ein Bauprojekt weiter oder verändert sich etwas? Das müssen die Bürger auf der Internetseite nachlesen können. Die Stadtverwaltung sollte auch Berichte veröffentlichen. Zum Beispiel, was die Menschen bei Bürgerversammlungen besprochen haben. Oder wie sie abgestimmt haben. Über das Internet ist es auch möglich, an Bürgerversammlungen oder Arbeitskreisen teilzunehmen. Zum Beispiel kann man über das Internet Videoübertragungen anbieten. Fragen könnte man per E-Mail schicken. So können auch Menschen daran teilnehmen, die wegen einer Behinderung oder aus anderen Gründen nicht kommen konnten. In einigen Gemeinden können die Einwohner schon jetzt über das Internet an Abstimmungen teilnehmen. Zum Beispiel bei der Frage, für was die Gemeinde ihr Geld ausgeben soll.

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