Quatschen macht neugierig

Wie soll ich mit anderen Jugendlichen umgehen, die eine Behinderung haben? Viele Jugendliche sind unsicher. Ein persönlicher Kontakt kann das aber ganz schnell ändern. Deshalb veranstaltet die Aktion Mensch Workshops. Hier begegnen junge Menschen anderen jungen Menschen mit und ohne Behinderung. Sie lernen sich kennen. Und sie tauschen sich aus. So erleben sie, wie Inklusion funktioniert.

Ein junger Mann mit Kappe hält Jugendlichen ein Mikrofon hin.

Jugendliche stellen Fragen. Christian hält ihnen das Mikrofon hin.
 

Text: Johanna Feckl
Übersetzung: Astrid Eichstedt
Fotos: Janek Stroisch

50 Schülerinnen und Schüler sitzen im Chemie-Saal der Willy-Brandt-Gesamtschule in München. Es ist kurz vor den Sommerferien. Im Klassenraum ist es ganz still. Die Schülerinnen und Schüler sind gespannt. Vorne stehen Kübra und Christian. Die beiden leiten den Workshop. Alle sollen sie beim Vornamen nennen. So schaffen sie mehr Nähe zu den Schülerinnen und Schülern. Im Workshop wollen sie mit den Jugendlichen über Vorurteile, Unterschiede und Gemeinsamkeiten sprechen. Das geht einfacher, wenn alle Du zueinander sagen. Kübra ist 28 Jahre alt. Sie studiert Pädagogik mit dem Schwerpunkt Inklusion. Kübra hat die Glasknochen-Krankheit. Sie sitzt im Rollstuhl. Christian ist 27 Jahre alt. Er arbeitet für Fernseh-Sendungen und für Internet-Plattformen. Christian hat keine Behinderung.

Die Aktion Mensch veranstaltet den Workshop. Weitere Workshops sollen folgen. Sie sind für Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren. Sie sollen hier lernen, was Inklusion bedeutet. In einer inklusiven Gesellschaft können Menschen alles gemeinsam machen. Egal, ob sie eine Behinderung haben. Oder ob sie arm sind. Oder ob sie aus einem anderen Land kommen. Katrin Rosenthal leitet das Workshop-Projekt bei der Aktion Mensch. Sie sagt: Durch die Workshops sollen die Jugendlichen langfristig etwas lernen.

Eine junge Frau im Rollstuhl. Dahinter ein junger Mann mit Kappe. Beide stehen vor eine bunt bemalten Wand.

Kübra und Christian leiten den Workshop.

Im Workshop erzählt Kübra den Jugendlichen von ihrem Leben mit Behinderung. Die Jugendlichen können ihr aber auch Fragen stellen. Zuerst trauen sich die Jugendlichen nicht. Aber dann fragen sie. Sie wollen zum Beispiel wissen, wieviel der Rollstuhl gekostet hat. Oder ob Menschen mit einer Behinderung Sex haben können. Kübra beantwortet die Fragen sehr geduldig.

Die Jugendlichen erleben auch, wie Kübra und Christian miteinander umgehen. Die beiden gehen sehr locker miteinander um. So wie gute Freunde. Kübra und Christian erzählen auch von ihrem Privat-Leben. Zum Beispiel vom vorigen Abend. Da waren sie in der Münchener Innenstadt unterwegs. Christian erzählt, dass er gerne Computer-Spiele spielt. Kübra erzählt, dass sie manchmal als Schauspielerin auf der Bühne steht. Und dass sie einen eigenen Video-Blog auf YouTube hat. Anfangs waren die Jugendlichen noch etwas gehemmt. Später werden sie locker. Sie lachen viel.

Kübras Rollstuhl wird schnell unwichtig für die Jugendlichen. Stattdessen ist wichtig, was für ein Mensch sie ist. Christian sagt: Kübra verläuft sich oft! Er lacht dabei. Es wird klar: Menschen mit und ohne Behinderung sind gar nicht so verschieden. Darüber wundern sich viele Jugendliche. Matthias Burkhart sagt: Ich wusste nicht, dass Menschen mit einer Behinderung gar nicht so oft Hilfe brauchen. Matthias ist 14 Jahre alt. Er staunt darüber, dass Kübra alleine in ihrer Wohnung wohnt. Und dass sie im Haushalt keine Unterstützung braucht. Er wusste auch nicht, dass Behinderungen selten angeboren sind. Das sind nur 3 Prozent. Die meisten Behinderungen bekommt man später im Leben. Matthias sagt: Ich könnte also auch später einmal eine Behinderung haben.

Petra Heidinger ist Lehrerin für Englisch und Deutsch. Sie hat den Workshop in die Willy-Brandt-Gesamtschule geholt. Petra Heidinger sagt: Manche Familien sprechen nicht über das Thema Behinderung. Und sie denken nicht darüber nach. Deshalb ist es wichtig, dass wir das Thema Behinderung in der Schule besprechen. Petra Heidinger hat zufällig von dem Workshop gehört. Ihr war schnell klar, dass sie dieses Angebot mit ihren Schulkassen nutzen will. Sie hat ihre Schülerinnen und Schüler darauf vorbereitet. Zum Beispiel haben sie darüber gesprochen: Was soll man tun, wenn jemand im Rollstuhl vor einem hohen Supermarktregal steht? Soll man Hilfe anbieten?

Mit solchen Fragen an die Schüler können Lehrer die Workshops vorbereiten. Dazu gibt es auch Anregungen von der Aktion Mensch. Besonders wichtig für die Schülerinnen und Schüler war aber der persönliche Kontakt zu Kübra und Christian. Durch die beiden haben die Jugendlichen viel Neues gelernt. Auch noch einige Wochen nach der Veranstaltung verhalten sich die Schülerinnen und Schüler jetzt anders. Petra Heidinger hat das gemerkt. Zum Beispiel hat sich die Sprache der Jugendlichen geändert. Früher haben sie öfter gesagt: Das ist so behindert. Damit haben sie "behindert" und "blöd" gleichgesetzt. Das tun sie jetzt nicht mehr so oft. Es kommt vor, dass einer sagt: Bist du blind? Dann erklären andere ihm, dass das eine Beleidigung ist.


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