Teilhabe-Planung: Manches muss man noch verbessern

Das neue Bundes-Teilhabegesetz soll das Leben von Menschen mit Behinderung verbessern. Sie sollen gleichberechtigt und selbstbestimmt leben können. Im Bundes-Teilhabegesetz steht unter anderem: Es soll eine Teilhabe-Planung geben. Manchmal heißt es auch: Gesamt-Teilhabe-Planung. Beides bedeutet das Gleiche. Es bedeutet: Jeder Mensch mit Behinderung soll die Unterstützung bekommen, die er braucht. Deshalb gibt es ein Treffen verschiedener Fachleute. Sie planen zusammen mit dem Menschen mit Behinderung, welche Unterstützung für ihn nötig ist. Das ist eine gute Sache. Inzwischen haben schon einige Teilhabe-Planungen stattgefunden. Dabei zeigte sich: Es gibt noch Probleme mit der Teilhabe-Planung. Manches muss man noch verbessern. Das ist die Meinung von Ottmar Miles-Paul. Er hat diesen Text geschrieben:

Text: Ottmar Miles-Paul
Übersetzung: Stefanie Wulff

Porträt eines Mannes

Ottmar Miles-Paul setzt sich schon seit den 1980er Jahren für Menschen mit Behinderung ein. Sie sollen selbstbestimmt leben können. Sie sollen für sich selbst sprechen können. Und es soll Inklusion und Barrierefreiheit in der Gesellschaft geben. Ottmar Miles-Paul wohnt in Kassel. Er ist seh- und hörbehindert. Er ist Sozialarbeiter und Autor. Er hat sich schon oft für bessere Gesetze eingesetzt. Zurzeit arbeitet er daran, das Bundesteilhabe-Gesetz gut umzusetzen. Das Gesetz soll weiter entwickelt werden. Und Menschen mit Behinderung sollen dabei mitmachen.

Viele Menschen mit Behinderung haben Angst vor Behörden-Mitarbeitern. Sie haben Angst, etwas Falsches zu sagen. Und sie haben Angst, wichtige Unterlagen nicht zu finden. Denn die Behörden-Mitarbeiter entscheiden über wichtige Dinge. Das gilt auch für die Teilhabe-Planung. Hier entscheiden sie mit darüber, welche Unterstützungen ein Mensch mit Behinderung bekommt. Und daraus folgt, wie gut der Mensch mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann.

Viele Menschen haben dafür gekämpft, dass Menschen mit Behinderung selbst wählen können. Sie sollen zum Beispiel wählen können, ob sie in einer eignen Wohnung leben möchten. Oder ob sie in einer Wohngemeinschaft oder in einer Einrichtung leben möchten. Die Leistungen für Menschen mit Behinderung sollen „personenzentriert“ sein. Das bedeutet: Sie sollen genau passend für jeden einzelnen Menschen sein. Menschen mit Behinderung sollen selbst darüber bestimmen können. Deshalb muss man herausfinden, was der einzelne Mensch braucht. Leider bedeutet das viel Bürokratie. Das heißt: Viel Aufwand mit Behörden. Aber Teilhabe-Planung ist trotzdem sehr wichtig. Denn dadurch soll jeder Mensch so leben können, wie er will.

Das Ziel der Teilhabe-Planung ist also gut. Aber es gibt noch Probleme damit. Zum Beispiel: Nicht überall in Deutschland arbeiten die Behörden auf die gleiche Weise. Zwischen den Bundesländern gibt es Unterschiede. Nicht alle nutzen die gleichen Methoden bei der Teilhabe-Planung. Deshalb können sich Menschen mit Behinderung aus unterschiedlichen Regionen nicht gut austauschen über ihre Erfahrungen.

Viele Menschen mit Behinderung haben wenig Vertrauen

Es gibt auch Verwirrung bei schwierigen Fachbegriffen. Es gibt Fragebögen. Damit soll man herausfinden, wie viel Unterstützungs-Leistung ein Mensch mit Behinderung braucht. Aber diese Fragebögen haben Menschen ohne Behinderung entwickelt. Menschen mit Behinderung haben dabei nur selten mitgemacht. Deswegen haben viele Menschen mit Behinderung wenig Vertrauen. Denn bei der Teilhabe-Planung sollen eigentlich alle mitmachen. Es gibt auch andere schlechte Erfahrungen. Manche Behörden hielten Fristen nicht ein. Das heißt: Sie arbeiteten zu langsam und ließen wichtige Termine verstreichen. Das machte Menschen mit Behinderung viele Schwierigkeiten. Sie können dann nicht planen. Sie wissen nicht, ob sie rechtzeitig Geld für ihre Assistenten bekommen. Oder ob sie rechtzeitig andere Unterstützung bekommen.

Ein anderes Thema ist die Bedarfsermittlung. Das bedeutet: Bei der Teilhabe-Planung finden die Fachleute heraus, was der einzelne Mensch mit Behinderung braucht. Dazu ist es sehr wichtig, Vertrauen zu schaffen. Denn es geht um sehr private Themen. Das sind Themen, über die man mit Fremden normalerweise nicht spricht. Es geht zum Beispiel um Körperpflege. Oder darum, wie man lebt. Diese Fragen sind sehr privat. Man sollte damit vorsichtig umgehen. Nicht jeder beantwortet solche Fragen gern.

Wer muss bei der Teilhabe-Planung dabei sein?

Stuhlkreis aus bunten Stühlen

Deshalb sollte man überlegen: Wer muss bei der Teilhabe-Planung dabei sein? Das sollten die Menschen mit Behinderung mit entscheiden können. Bisher hat sich gezeigt: Die persönlichen Fragen haben viele Menschen mit Behinderung verunsichert. Deshalb sollten Vertrauens-Personen bei der Teilhabe-Planung mit dabei sein. Das sind Personen, die der Mensch mit Behinderung kennt. Und denen der Mensch mit Behinderung vertraut.

Außerdem sollten die Fragebögen überarbeitet werden. Sie sollten besser zu den Bedürfnissen und Erfahrungen der Menschen mit Behinderung passen. Ein Mensch mit Lernschwierigkeiten braucht vielleicht Leichte Sprache. Er kann sich vielleicht nicht so lange konzentrieren. Ein Mensch mit psychischer Erkrankung hat vielleicht schlechte Erfahrungen mit Behörden gemacht. Andere brauchen Hilfe, um die Fragen zu verstehen. Barrierefreiheit ist sehr wichtig. Deshalb sollte es gute Schulungen für Fachleute geben. Menschen mit Behinderung sollten daran beteiligt werden. Dann kann die Bedarfsermittlung besser funktionieren.

Menschen mit Behinderung brauchen auch Unterstützung bei der Vorbereitung auf die Teilhabe-Planung. Es gibt 500 „unabhängige Teilhabeberatungen (EUTB)“ in Deutschland. Das sind Beratungsstellen, die Menschen mit Behinderung unterstützen. Sie können auch bei der Vorbereitung auf die Teilhabe-Planung helfen. Sie können Menschen mit Behinderung Tipps geben.

Menschen mit Behinderung können auch eine Vertrauensperson mitnehmen zur Teilhabe-Planung. Das kann ein Verwandter sein. Es kann auch ein Berater sein. Oder ein Freund. Oder ein gesetzlicher Betreuer. Das kann der Mensch mit Behinderung selbst entscheiden.

Es ist wichtig, Vertrauen zu schaffen. Dann kann die Teilhabe-Planung gut gelingen. Das bedeutet: Der Mensch mit Behinderung soll das Gefühl haben, mit Freunden zusammen zu arbeiten. Nicht mit Gegnern.