Die meisten jungen Menschen haben Zukunfts-Träume. Aber manche wissen nicht genau, was sie sich eigentlich wünschen. Oder sie wissen nicht, wie sie ihre Träume verwirklichen können. Ausgebildete Fachkräfte bieten Unterstützung. Sie arbeiten mit der Methode der Persönlichen Zukunfts-Planung (PZP).

Text: Eva Keller
Übersetzung: Astrid Eichstedt
Zeichnungen: Kati Szilagyi

Jessie hatte einen heimlichen Traum. Nach ihrer Schulzeit wollte sie in einem Café arbeiten. Sie hatte öfter auf einem Dorffest mitgeholfen. Das hatte ihr Spaß gemacht. Aber sie hatte keine Ahnung, ob ihr Traum Wirklichkeit werden könnte. Jessie hat eine Lernbehinderung. Ein Berufsberater von der Agentur für Arbeit empfahl: Sie soll in eine Werkstatt für behinderte Menschen gehen. Als kleines Kind hatte Jessie einen Regelkindergarten besucht. Danach war sie in einer integrierten Gesamtschule. Nun sollte sie erstmals in eine Sonder-Einrichtung kommen. Ihre Eltern suchten Rat bei Bernadette Bros-Spähn. Sie ist eine ausgebildete Moderatorin für Persönliche Zukunfts-Planung.

Die Methode der Persönlichen Zukunfts-Planung kann in verschiedenen Situationen weiterhelfen. Zum Beispiel, wenn große Veränderungen bevorstehen. Eine solche Veränderung ist der Übergang von der Schule in den Beruf. Es geht darum, solche Veränderungen zu planen. Und die entsprechende Unterstützung zu organisieren. Zuerst muss man die Träume und Wünsche eines Menschen herausfinden. Am Anfang macht man immer ein Zukunfts-Fest.

Jessie hatte einen großen Traum. Sie hatte auch viele kleine Träume

Zeichnung: Eine junge Frau mit Schürze trägt auf einer Hand einen Teller mit Kuchen und auf der anderen ein Tablett mit Getränken und einem Teller.

Jessie träumte von einem Job im Café ...

Die Hauptperson beim Zukunfts-Fest war Jessie. Sie lud viele Menschen ein, die sie gut kannten. Dazu gehörten zum Beispiel einige Klassenkameraden. Ihre Schulbegleiterin. Ihre Oma. Ihre Cousine. Nachbarn. Eine Lehrerin. Und natürlich ihre Eltern. In der Persönlichen Zukunfts-Planung heißen diese Menschen Unterstützer-Kreis. Der Unterstützer-Kreis sollte Jessie helfen, ihre Träume und Wünsche herauszufinden. Und ihre Stärken. Es gab Kaffee und Kuchen. Die Moderatorin Bernadette Bros-Spähn hatte ein Flipchart mitgebracht. Das ist ein sehr großer Schreibblock. Darauf hielt eine weitere Moderatorin alles in Stichwörtern fest.

Die erste Frage war: Was kann ich nach der Schule machen? Neben ihrem großen Traum von der Arbeit im Café hatte Jessie noch viele kleine Träume. Zum Beispiel schwimmen. Und singen. Und Freunde finden. Jessie wollte gerne mit anderen Jugendlichen etwas unternehmen. Sie wollte in einer Wohngemeinschaft wohnen. Daher rückte die erste Frage in den Hintergrund. Erstmal sammelte Jessie mit dem Unterstützer-Kreis Ideen für die Verwirklichung ihrer kleinen Träume. Jemand erzählte von einem Mädchen-Treff in der Nähe. Die Oma wollte Jessie beim nächsten Mal mit in ihren Chor nehmen. Jessie bat einen Nachbarn, einen inklusiven Schwimm-Verein zu suchen.

Alle paar Wochen traf sich der Unterstützer-Kreis. Dann besprachen alle, was sie schon erreicht hatten. Und was sie als Nächstes tun wollten. Auch Jessie musste Aufgaben erledigen. Zum Beispiel Bus-Verbindungen heraussuchen. Und allein zum Schwimmbad fahren. Bernadette Bros-Spähn sagt: „Jessie sollte mehr Selbstvertrauen bekommen. Und sie sollte einiges dazulernen. Das waren wichtige Grundlagen für ihren Traumberuf. Und es waren Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben.“

Die Persönliche Zukunftsplanung ist im Bundes-Teilhabegesetz erwähnt

Bernadette Bros-Spähn ist eine der wenigen selbstständigen PZP-Moderatorinnen. Die meisten PZP-Moderatoren arbeiten in Wohnheimen oder Werkstätten. Sie vertreten dann aber nicht nur die Interessen des einzelnen Menschen. Sie vertreten auch die Interessen der Werkstatt oder des Wohnheims. Das kann zum Problem werden. Zum Beispiel, wenn ein Werkstatt-Beschäftigter gerne auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wechseln will. Und wenn die Werkstatt ihn gerne behalten möchte.

Die Persönliche Zukunftsplanung ist im Bundes-Teilhabegesetz erwähnt. Sie ist ein wichtiger Bereich der Assistenz. Trotzdem muss man die Dienste von selbstständigen PZP-Moderatoren meist selbst bezahlen. Auch die Eltern von Jessie haben Bernadette Bros-Spähn selbst bezahlt. Im Landkreis Nordfriesland ist das anders. Hier hat die Verwaltung mehrere PZP-Moderatoren ausbilden lassen. Wer Eingliederungs-Hilfe bekommt, kann ihre Dienste in Anspruch nehmen. Dann muss er sie nicht selbst bezahlen.

Manchmal geht es einfach darum, das Leben schöner zu machen

Zeichnung: Ein junger mann sitzt im Rollstuhl an einer Meeresküste.

... für Tim ging es darum, sein Leben schöner zu machen.

Bei der Persönlichen Zukunfts-Planung geht es nicht immer nur um berufliche Träume. Manchmal geht es einfach darum, das Leben schöner zu machen. Das gilt vor allem für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf. Die PZP-Moderatorin Nicolette Blok macht Planungen mit Menschen, die nicht sprechen. Zum Beispiel mit dem 18-jährigen Tim. Er kann nur noch seine Augen steuern. Tim mag Rosamunde-Pilcher-Filme. Durch seinen Unterstützer-Kreis entstand die Idee für eine Reise nach Südengland. Hier wurden viele der Filme gedreht. Seine Angehörigen sagen: "Wir wollen jetzt mit Tim auch viel öfter ins Grüne fahren."

Die PZP-Moderatoren können viele Geschichten erzählen. Geschichten, bei denen Träume Wirklichkeit wurden. Nicht alle Träume lassen sich zu 100 Prozent umsetzen. Doch das ist manchmal gar nicht nötig. Wie bei einem jungen Mann mit Sehbehinderung. Er wollte Busfahrer werden. Nicht unbedingt, um selber zu fahren. Sondern weil er Busse mag. Jetzt reinigt er Busse bei den Verkehrsbetrieben. Eine junge Frau träumte von der Bühne. Heute steht sie als Gebärdensprach-Dolmetscherin öfter auf Bühnen. Und auch Jessies Traum ging in Erfüllung. Sie fand Freundinnen. Sie verbesserte ihre Sprache. Und sie bekam mehr Selbstvertrauen. Sie und ihr Unterstützer-Kreis erreichten, dass sie ein Praktikum in einem Altenheim machen konnte. Inzwischen arbeitet sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. In einem Café.

Mehr Informationen über die Persönliche Zukunfts-Planung

Die Methode der Persönlichen Zukunfts-Planung (PZP) kommt aus den USA. Dort kam sie in den 1980er Jahren auf. Susanne Göbel und Stefan Doose lernten die PZP dort kennen. Durch sie kam diese Methode in den 1990ern nach Deutschland. Susanne Göbel und Stefan Doose gehören zum Netzwerk Zukunfts-Planung. Das Netzwerk ist die wichtigste Anlaufstelle für alle Fragen rund um PZP. Auf der Internetseite des Netzwerks kann man PZP-Moderatoren und Experten finden. Außerdem stehen dort Termine für Tagungen und Weiterbildungen. Und es gibt eine lange Liste von Büchern und Internetseiten zum Thema.
Die Internetseite heißt www.persoenliche-zukunftsplanung.eu.


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