Besuchergruppen führen

Lutz Albrecht führt Besuchergruppen durch eine Gedenkstätte in Brandenburg an der Havel. Hier wird an die Opfer der „Euthanasie“-Morde erinnert. Als „Euthanasie“-Morde bezeichnet man die Ermordung von Menschen mit Behinderung zur Zeit des Nationalsozialsozialismus

Ein Mann mit gesitiger Behinderung erläutert ein historisches Foto, das groß an der Wand hängt

Lutz Albrecht

Text: Kathrin Hedtke
Übersetzung: Stefanie Wulff

Lutz Albrecht hatte schon in der Förderschule etwas über den Nationalsozialismus gelernt. Aber als er die Gedenkstätte in Brandenburg an der Havel zum ersten Mal besuchte, war er sehr betroffen. Er hatte nicht gewusst, dass die Nationalsozialisten auch viele Menschen mit Behinderung ermordetet haben. Deshalb wollte er mehr darüber erfahren.

Lutz Albrecht arbeitet in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Dort bearbeitet er jeden Tag Metallteile. In seiner Freizeit beschäftigt sich Lutz Albrecht mit deutscher Geschichte.  Bei seinem ersten Besuch in der Gedenkstätte in Brandenburg an der Havel führten ihn Menschen mit geistiger Behinderung durch die Ausstellung. Er fragte sie anschließend, ob er dort auch mitmachen kann. Das war möglich. Lutz Albrecht arbeitete sich in das Thema ein. Und führte schon bald selbst Gruppen durch die Gedenkstätte. Die Führer der Besuchergruppen nennt man dort „Guides“.

In der Gedenkstätte ist Inklusion wichtig. Das bedeutet: Menschen mit und ohne Behinderung sollen gleichermaßen mitmachen können. Deshalb ist die Ausstellung barrierefrei. Und deshalb machen auch Menschen mit geistiger Behinderung bei den Führungen mit.

9.000 Menschen mit psychischer Krankheit getötet

Die ersten Guides trafen sich 2016 regelmäßig im Seminarraum der Gedenkstätte. Hier lernten sie viel über den Ort, an dem über 9.000  Menschen mit psychischer Krankheit getötet wurden. Die meisten der Toten stammten aus Einrichtungen für Menschen mit psychischer Krankheit in Ostdeutschland. Christian Marx arbeitet als Historiker in der Gedenkstätte. Er sagt: Die Guides mit geistiger Behinderung können selbst bestimmen, wie sie lernen wollten. Sie konnten sich so viel Zeit nehmen, wie sie brauchten. Nach und nach kamen weitere Teilnehmer hinzu – darunter auch Lutz Albrecht.

Die Guides legen selbst fest, wie die Führungen ablaufen sollen. Sie beschlossen zum Beispiel, dass sie immer alle zusammen die Führungen machen wollen. Lutz Albrecht erklärt, warum das so ist: Dann ist es nicht so schlimm, wenn ein Guide mal etwas vergisst. Dann können die anderen helfen. Jeder Guide hat seinen eigenen Schwerpunkt bei den Führungen. Lutz Albrecht zeigt zum Beispiel immer ein Foto von Lothar Kreyssig. Das war ein Richter zur Zeit des Nationalsozialismus. Er hatte versucht, die Morde an den psychisch kranken Menschen zu verhindern. Lutz Albrecht sagt: „Viele staunen, dass er so mutig gewesen ist.“

Alle zwei Monate treffen sich die Guides zur Besprechung. Ein Theater-Regisseur probt mit ihnen, wie sie selbstbewusst auftreten können. Die Guides üben auch, wie man richtig spricht und nicht zu viel redet. Die ersten Einsätze waren für die Guides sehr anstrengend. Lutz Albrecht war aber nicht sehr nervös. Er wusste, dass er anderen Dinge gut erklären kann. Er führt zum Beispiel Studenten durch die Ausstellung. Manchmal kommen auch Gruppen aus Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Für Lutz Albrecht macht das keinen Unterschied. Er führt alle Menschen gerne durch die Ausstellung.

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