Ein Recht auf Erwachsenenbildung

Schwarz-weißes Porträtfoto einer Frau mitteleren Alters

Marianne Hirschberg ist Professorin an der Hochschule Bremen. Zu ihren Schwerpunkten zählen Menschenrechte und inklusive Bildung.

Kommentar: Marianne Hirschberg
Übersetzung: Stefanie Wulff

Seit dem 26. März 2009 gilt die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland. In diesem internationalen Vertrag stehen die Rechte von Menschen mit Behinderung. Menschen mit Behinderung haben die gleichen Rechte wie Menschen ohne Behinderung. Das gilt auch für Bildung und lebenslanges Lernen. In der UN-Behindertenrechtskonvention steht unter anderem: Menschen mit Behinderung sollen gleichberechtigt an allen Bildungs-Angeboten teilhaben können. Der Staat muss das möglich machen.

Die UN-Behindertenkonvention  macht deutlich: Behinderung ist kein medizinisches Problem. Es ist kein Problem, das einzelne Menschen betrifft. Menschen mit Behinderung haben die gleichen Menschenrechte wie Menschen ohne Behinderung. Menschen sind vielfältig. Und jeder einzelne Mensch kann etwas zur Gesellschaft beitragen. Für das Bildungssystem bedeutet das: Menschen mit und ohne Behinderung sollen von Anfang an gemeinsam lernen. In den Schulen gibt es schon erste Bemühungen, damit mehr Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen können. Doch auch Erwachsene mit Behinderung sollen gute Möglichkeiten zur Weiterbildung erhalten. Über dieses Thema wird in Deutschland noch viel zu wenig gesprochen.

Es gibt zwar schon einige Ausnahmen. Zum Beispiel in den Bereichen Sport und Kultur. Aber die Erwachsenenbildung ist insgesamt noch nicht inklusiv. Das bedeutet: Zu wenig Menschen mit Behinderung können gleichberechtigt mit Menschen ohne Behinderung mitmachen.

Inklusive Erwachsenenbildung ist gut für alle

Illustration zeigt ein aufgeschlagenes Buch und eine Waage

Bildung ist für Erwachsene mit Behinderung sehr wichtig. Sie können sich durch Bildung persönlich weiterentwickeln. Und sie haben ein Recht darauf, ihre Fähigkeiten lebenslang zu entfalten. Erwachsene mit Behinderung haben viele Talente. Viele sind kreativ. Deshalb wünschen sie sich passende Bildungs-Angebote. 

Inklusive Erwachsenenbildung ist außerdem gut für Menschen mit und ohne Behinderung. Wenn alle gleichberechtigt an Kursen teilnehmen, ist das gut für alle. Es fördert das Bewusstsein für die Würde von Menschen mit Behinderung. Und es stärkt ihr Selbstwertgefühl. Menschen ohne Behinderung können durch inklusive Erwachsenenbildung Vorurteile abbauen. Das heißt: Der Umgang mit Menschen mit Behinderung wird selbstverständlicher für sie. Inklusive Erwachsenenbildung fördert so auch den Respekt voreinander. Der Umgang mit unterschiedlichen Menschen wird für alle einfacher.

Behinderung gehört zu unserer Gesellschaft: Das erleben die Teilnehmer von inklusiver Erwachsenenbildung. Außerdem stärkt inklusive Erwachsenenbildung das Bewusstsein für die Menschenrechte. Vielfalt ist etwas Gutes. Deshalb ist es höchste Zeit, dass Erwachsenenbildung in Deutschland inklusiver wird.

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