An einem Gymnasium in Duisburg gibt es ein inklusives Tanz-Projekt. In ganz Deutschland wurden ähnliche Projekte gestartet. Das liegt auch an der Zusammenarbeit mit dem Klavier-Festival Ruhr.

Dunkelhaariger Junge mit Downsyndrom, Brille, schaut zu zwei Mädchen, die mit dem Rücken zur Kamera stehen.

Text: Andrej Klahn
Übersetzung: Astrid Eichstedt
Fotos: Markus J. Feger

Vor acht Jahren fing alles an. Damals fand in der Buchholzer Waldschule ein Schulfest statt. Die Buchholzer Waldschule ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung. Zu ihren Schülern gehörte damals auch André. Er besuchte die Mittelstufe. Auf dem Schulfest sollte er zum ersten Mal in seinem Leben auf die Bühne. Er sollte tanzen. André war sehr aufgeregt. Eigentlich wollte er gar nicht auftreten. Aber er überwand seine Angst.

Im Publikum saß Lutz Peller. Er leitete damals das Gymnasium Elly-Heuss-Knapp. Das liegt im Duisburger Stadtteil Marxloh. Lutz Peller gefiel der Auftritt von André sehr gut. Er hatte eine Idee: Die Schüler an seinem Gymnasium sollten zusammen mit den Schülern von der Buchholzer Waldschule tanzen. Und sie sollten zusammen auftreten. Lutz Peller glaubte: Die inklusiven Begegnungen fördern alle Schüler in ihrer Entwicklung. Inklusive Begegnungen heißt: Menschen mit und ohne Behinderung machen etwas gemeinsam.

Blick in einen großen Saal mit hohen Decken, wahrscheinlich eine Turnhalle. Auf dem Boden liegen einige Jugendliche, im Hintergrund stehen einige Jugendliche.

Teilnehmer des Tanzprojekts bei einer Probe

Lutz Peller sprach mit den Veranstaltern vom Klavier-Festival Ruhr. Er fragte, ob sie bei seinem inklusiven Tanz-Projekt mitmachen wollten. Sie fanden seine Idee gut. Das Klavier-Festival Ruhr findet jedes Jahr im Sommer im Ruhrgebiet statt. Dort spielen viele berühmte Musiker aus der ganzen Welt. Außerdem kümmern sich die Festival-Mitarbeiter um die Musikerziehung von Kindern und Jugendlichen im Ruhrgebiet. Damit sind sie ein großes Vorbild für ähnliche Projekte in Deutschland.

Seit zehn Jahren schickt das Klavier-Festival Ruhr Tanz- und Musiklehrer in verschiedene Schulklassen in Duisburg. Auch in die Buchholzer Waldschule. Und später auch in das Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium. Bei seinem inklusiven Tanzprojekt arbeitete Lutz Peller mit dem Klavier-Festival Ruhr zusammen. 45 Schüler machten bei dem Projekt mit. Es waren 20 Schüler aus dem Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium. Und elf Schüler aus der Buchholzer Waldschule. Außerdem 14 Grundschüler. Die Stiftung Mercator und die Firma Klöckner unterstützen das inklusive Tanz-Projekt mit Geld.

Tobias Bleek hat die Musikerziehung bei dem Klavier-Festival Ruhr entwickelt. Er sagt: „Manche Kinder und Jugendliche können nicht so gut sprechen. Durch Musik und Tanz können sie sich auch ohne Sprache sehr gut mit anderen austauschen. Die Begegnungen sollen gleichberechtigt sein. Und sie sollen den Kindern und Jugendlichen zeigen, wie toll Vielfalt sein kann.“

Zuerst arbeiten die Schüler-Gruppen getrennt voneinander. Sie probieren verschiedenen Bewegungs-Folgen aus. Später treffen sie sich zu gemeinsamen Proben. Dort lernen sich die Kinder und Jugendlichen erstmal näher kennen. Sie machen zusammen Übungen und freie Bewegungen. Zum Beispiel Umarmungen oder gegenseitiges Abklatschen. Die Schüler aus dem Gymnasium haben dabei anfangs manchmal Hemmungen. Die Förderschüler bewegen sich oft freier.

Eine asiatisch aussehende Frau mit dunklem Haar im T-Shirt

Yasha Wang leitet das Tanz-Projekt

Geleitet wird das Projekt von der Tänzerin Yasha Wang. Sie ist in der ganzen Welt aufgetreten. Yasha Wang verlangt viel von den Jugendlichen. Sie sagt: „Die Bewegungen und die Schritte sollen die Kinder selbst entwickeln. Grundlage sind oft ganz alltägliche Bewegungen. So können sich alle Kinder und Jugendlichen beteiligen. Das Thema und die Musik sucht das Festival aus.“ Die Musik ist für die Kinder oft sehr ungewohnt. Sie stammt meistens von Komponisten aus dem 20. Jahrhundert.

Barbara Wedekind ist seit 15 Jahren Leiterin der Buchholzer Waldschule. Am Anfang machte sie sich Sorgen. Sie dachte, dass ihre Schüler mit den vielen Bewegungs-Folgen überfordert sind. Inzwischen weiß sie es besser. Sie sagt: „Wir kennen die Kinder und Jugendlichen schon sehr lange. Deshalb haben wir oft eine feste Vorstellung von ihnen. Da ist es gut, wenn Menschen von außen kommen. Sie lernen die Kinder und Jugendlichen ganz neu kennen. Und sie sagen einfach: Mach doch mal.“

Nicht nur die Kinder und Jugendlichen müssen sich anstrengen. Auch die Lehrer treffen sich regelmäßig, um sich auszutauschen.
Kurz vor dem Ende des Schuljahrs gibt es eine Aufführung im Landschaftspark Duisburg-Nord. Yasha Wang sagt: „Die Aufführung ist wichtig. So haben alle ein gemeinsames Ziel. Es ist für alle ein Erlebnis, vor 500 Zuschauern aufzutreten. Es ist auch toll, wenn die Zuschauer Beifall klatschen. Das gibt allen Teilnehmern viel Kraft. Und es fördert die Gemeinschaft.“ Den Erfolg können nur alle gemeinsam haben. Die Anerkennung von Eltern, Lehrern und Mitschülern ist eine schöne Belohnung.

Auch die Verantwortlichen sind begeistert. René Ochodlo betreut das Projekt am Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium. Er sagt: „Das Projekt bringt die Schülerinnen und Schüler in ihrer Entwicklung viel weiter. Im normalen Schul-Unterricht ist so etwas nicht möglich.“ Barbara Wedekind sieht das genauso. Sie sagt: „Das Erlernen von schwierigen Bewegungs-Folgen ist wichtig. Aber der Umgang der Schüler untereinander ist genauso wichtig.“


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