Aktion Mensch-Blog

Zwei Postmänner auf Inklusionstour – Das Kennenlernen

Michael Wahl ist blind und wird Paketzusteller Frank Geier einen Tag lang auf seiner Route durch Bonn begleiten. Die Glücksboten-Tour der Aktion Mensch und der Deutschen Post soll inklusive Begegnungen schaffen. Die beiden Teilnehmer haben sich vorab kennengelernt. Wie das war, erzählen sie hier.

Frank Geier (l.) und Michael Wahl: Als Glücksboten ein bisschen inklusive Begegnung austragen

Aktion Mensch

Frank Geier
Glücksbote und Paketzusteller

Ich hatte heute einen ungewöhnlichen Arbeitstag. Die Aktion Mensch hatte bei unserem Postbezirk angefragt, ob wir uns vorstellen könnten, gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen auf einer Glücksboten-Tour die Post auszutragen – mit im Gepäck ein Glücks-Los der Aktion Mensch als Geschenk. Warum eigentlich nicht, dachte ich mir. Viele Haustüren sind einigermaßen gut mit dem Rollstuhl zu erreichen. Doch dann erfuhr ich, dass mein Partner für unser Briefträger-Tandem blind ist. Wie sollte das gehen? Das konnte ich mir nur schwer vorstellen.

Das gemeinsame Gehen klappte erstaunlich gut

Ich war sehr gespannt, als Michael für ein erstes Kennenlernen bei uns in der Verteilerzentrale Bonn-Beuel vorbeikam. Auf dem Flur hörte ich zuerst das regelmäßige Schleifen des Blindenstocks auf dem Boden. Seine Begleitung stellte uns einander vor, und wir gaben uns ohne viel suchen zu müssen die Hand. Später beim Rundgang durch die Filiale merkte ich, wie sicher Michael zu Fuß ist. Viele Dinge, die ich sah, fasste er mit den Händen an. Auch das gemeinsame Gehen klappte erstaunlich gut. Michael hielt sich einfach an meinem Oberarm fest. Die Glücksboten-Tour kann kommen, dachte ich.

Mit den Leuten an der Haustüre austauschen

Meinen Bezirk kenne ich in- und auswendig: Die Straßen, die Häuser und auch die Leute. Diesen wollen wir auf unserer Glücksboten-Tour am 2. November das alltägliche Leben von Menschen mit Behinderungen näher bringen. Wir wollen mit den Leuten ins Gespräch kommen, uns austauschen. Und dieses Mal wird auch Michael dabei sein, der sozusagen einen ganz anderen Blick auf die Welt hat.

Michael Wahl
Glücksbote und Tagespraktikant

Meine Finger gleiten durch einen metallischen Strebenwald. Hier liegt die Post einiger Bonner. „Jede Hausnummer hat ihr eigenes Fach, deshalb sind sie unterschiedlich breit“, erklärt Frank Geier. Tatsächlich, einige der Fächer sind breit – großes Mehrfamilienhaus, dann schmal – kleines Einfamilienhaus. Beim Spaziergang mit dem Zeigefinger bauen sich vor meinem inneren Auge Straßensilhouetten auf.

Unser Tandem wird sicherer

Frank und ich stehen im Verteilerzentrum der Deutschen Post in Bonn-Beuel. Alle Briefe und Pakete sind perfekt sortiert, damit sie das richtige Ziel erreichen. Einen Tag lang wird das unser gemeinsamer Job sein: Für Frank als Briefträger Alltag, für mich als blinder Tagespraktikant ganz neu. Doch auch Frank macht sich Gedanken. „Wenn du nichts siehst, wie bekomme ich dich dann aus dem Auto raus?“, fragt er mich grübelnd. „Kein Problem, ich bin gut zu Fuß“, beruhige ich ihn. Dann führt er mich weiter durch sein Reich der Pakete, und mit jedem Schritt wird unser Tandem sicherer.

Ein Job mit persönlichen Begegnungen

Bei unserem Rundgang überlege ich, wer da eigentlich unsere Post bringt. Der Briefträger kennt seinen Kiez und die Leute – ein Job mit vielen persönlichen Begegnungen. Genau um diese Begegnungen geht es uns: Zwei Postmänner, einer sehend, einer blind, die als Glücksboten im Auftrag der Aktion Mensch und der Deutschen Post ein bisschen inklusive Begegnung austragen und den Menschen mit einem Glücks-Los ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Den Weg zusammen gehen

Und schon das heutige Kennenlernen hat sich gelohnt. Diese erste Begegnung war sehr spannend. Frank hat sich genauso viel Gedanken um meine Behinderung gemacht, wie ich mir um die Post. So viele Briefe für ihn, so viele Barrieren für mich. Aber beides geht seinen Weg und diesen Weg werden wir nächste Woche ein Stück zusammen gehen.

 

Die Glücksboten-Tour der Aktion Mensch und der Deutschen Post am 2. November

Einen Tag lang liefern insgesamt zehn inklusive Paketboten-Tandems mit einem Zusteller mit Behinderung und einem Zusteller ohne Behinderung in fünf Zustellgebieten bundesweit die Post aus. Gemeinsam klingeln sie in Bayreuth, Bonn, Neunkirchen-Seelscheid, Wabern und Winsen an den Haustüren der Postkunden und bringen nicht nur die Pakete und Briefe, sondern auch eine „Glücksüberraschung“: ein Glücks-Los der Aktion Mensch.

 

Die Glücksboten-Tour auf unseren Social-Media-Kanälen mitverfolgen:

Hier twittern wir live von der Glücksboten-Tour

Auf Facebook bei der Glücksboten-Tour dabei sein

Alles über die Glücksboten-Tour bei Google+

Ein Video von der Glücksboten-Tour läuft ab dem 6. November auf YouTube


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Freya

Hallo
Das ist eine ganz großartige Aktion, sehr schade, dass es nur ein Tag und nur so wenige Städte waren. Was für eine gute Möglichkeit, zusammen zu kommen, auf den verschiedensten Ebenen. Solle unbedingt öfter und an anderen Orten wiederholt werden!

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René

Heut am Dienstag waren Glücksboten mit DHL in Cottbus unterwegs.

War gerade mit dem Hund spazieren, als ich sie gesehen habe. Da ich ein Paket erwartet habe, schnell wieder nach Hause um es persönlich in Empfang zu nehmen.
Der "Beifahrer", war freundlich und nett, eigendlich ein Typ wie jeder andere auch.
Nur leider hatte er kein Glückslos dabei.

Aber echt eine schöne Aktion. Weiter so.

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Aktion Mensch

Liebe Mona,

vielen Dank! Wir freuen uns auch sehr auf Montag.

Und zu Deinen anderen Fragen: Der Deutschen Post ist viel daran gelegen aktiv zum Thema Inklusion beizutragen. So beschäftigen sie zum Beispiel einen überdurchschnittlich hohen Anteil von Menschen mit Behinderung. Mit einer Quote von 9,1 Prozent liegt die Deutsche Post AG hier deutlich über der gesetzlich vorgeschriebenen Beschäftigungsquote von 5 Prozent in Deutschland.

Viele Grüße
Vanessa
Aktion Mensch

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Mona

Tolle Aktion!

Wie engagiert sich dieses große Unternehmen für Menschen mit Behinderung im Arbeitsalltag? Sprich: wieviele Menschen mit handicap sind z. Zt. bei der Post in einem festen Arbeitsverhältnis?

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