Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Wir wollen alle nur geliebt werden!

"Ich spiele die Rolle, die ich viel zu häufig im Leben gespielt habe, das kleine Mauerblümchen, das niemand wahrnimmt", sagt Leslie in Niko von Glasows Film "Alles wird gut", der am 4. Juli auf dem Münchener Filmfest Premiere hatte.

Leslie Ann Mader © 2012 Palladio Film/Werner Meyer

Im vergangenen Jahr hat Niko von Glasow das Theaterstück "Alles wird gut" auf die Bühne gebracht. Der daraus entstandene semi-dokumentarische Kinofilm hatte jetzt auf dem Münchner Filmfest Premiere. Eine der 14 Profis und Laien, die der Regisseur von "NoBody's Perfect" für sein Theaterstück gecastet hatte, ist die Darstellerin Leslie Ann Mader, Amerikanerin, blind. Sie hat eine wunderschöne Stimme, und ihr größter Wunsch ist es, damit die Massen zu begeistern. In ihrer Rolle in "Alles wird gut" spielt sie eine klassische Sängerin – ebenfalls blind – die Angst davor hat, in der Öffentlichkeit zu singen. Sie versucht, diese Angst zu überwinden, indem sie sich bei einer Talentshow bewirbt.

Nah an Leben, Ängsten und Sehnsüchten

Niko von Glasow, der einzige Regisseur Deutschlands, der selbst mit einer sichtbaren körperlichen Einschränkung lebt, hat sich bei der Erarbeitung des Stücks sehr nah an die Lebensläufe, Ängste und Sehnsüchte der Einzelnen gewagt. In diesem Theaterstück lernen wir eine Gruppe von ganz unterschiedlichen Menschen kennen, die alle nach der Chance ihres Lebens suchen: Menschen mit einer sichtbaren Behinderung, Menschen voller Angst, ein paar (scheinbar) Nichtbehinderte. Sie alle wollen sich trauen, bei einer Castingshow aufzutreten. Doch so unterschiedlich sie auch sind, eines verbindet sie alle: ihr Wunsch nach Anerkennung, nach Liebe.
Aus versicherungstechnischen Gründen werden sie in einen abseits gelegenen Raum abgeschoben, in dem man sich in den Stunden des Wartens beäugt, sich zerfleischt, sich unterstützt und sich verliebt. Dabei vermischt sich für den Zuschauer schnell, wer angeblich behindert ist und wer nicht. Und das ist auch gut so, weil er erkennt, dass diese Frage unwesentlich ist. Denn so, wie Niko von Glasow selbst behauptet, sind alle Menschen behindert.

Berührungsängste verlieren

Niko von Glasow ist es mit diesem Film auf sehr sensible Weise gelungen, ein Bild der Menschen zu zeichnen, das unter die Haut geht. Noch nie ist für mich zum Beispiel das schauspielerische Talent von Schauspielern mit Down-Syndrom so klar vermittelt worden, ihre Gabe, im Jetzt zu leben – ohne die Frage zu stellen: Was bringt die Zukunft? Dinge beim Namen zu nennen. Und eine verblüffende Fröhlichkeit unter die Menschen zu bringen. Als zum Beispiel der Darsteller Nico Randel im Stück von Nico von Glasow gefragt wird: "Was würdet Du machen, wenn du Regisseur wärst?" Und der junge Darsteller ihm antwortet: "Ich würde mich weniger einmischen." Wer diese Dialoge verfolgt, verliert Berührungsängste.

"Die Scheu nehmen"

Ich wünsche diesem Film, den die Journalisten auf dem Münchner Filmfest laut beklatschten, viele, viele Zuschauer, wenn er im Herbst 2012 in die Kinos kommt. Dass sie sich trauen, diesen Film anzusehen und sich auf die Geschichten der Einzelnen einzulassen. "Erst mal gibt es eine Scheu, sich einen solchen Film anzusehen", sagt Niko von Glasow, "aber diese Scheu werden wir im Laufe des Films nehmen." Und genauso ist es, je länger man dem Geschehen auf der Leinwand folgt. Weil man sich mit der einen oder anderen Figur identifizieren kann. Und weil man schließlich die Überzeugung des Regisseurs teilen kann: "Mit der Behinderung an sich können wir gut leben, aber nicht mit der Sichtweise auf Behinderung."


Linktipps:
"Alles wird gut" – die offizielle Film-Webseite
Video: Kino-Trailer von Nico von Glasows "Alles wird gut"
"Es ist kein Sozialprojekt": Interview mit Nico von Glasow beim Deutschlandradio
Theater: Blinde und Sehende auf der Bühne. Ein Blogbeitrag von Heiko Kunert
Filmreife Behinderung. Ein Blogbeitrag von Raúl Krauthausen

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