Wieder aufrecht gehen

In Wolfenbüttel engagieren sich auch Menschen mit psychischer Erkrankung. Sie helfen sich gegenseitig und noch ganz vielen anderen. Die Teilnehmer am Projekt „Mein Werk“ erfinden ihre eigenen Ehrenamtsprojekte und gehen ihren eigenen Weg in ein stabiles Leben.

Foto: Freiwilligenagentur Jugend-Soziales-Sport e.V.

Herr Gerstmann und die 14 anderen Mitglieder des Projekts haben eines gemeinsam: Sie wollten nach einem durchgetakteten Klinikaufenthalt nicht allein Zuhause sitzen und nichts tun. Sie wollten aktiv werden, etwas auf die Beine stellen, ihrem Leben eine Struktur geben. Und genau das tun sie auch. Im Rahmen des Projekts „Mein Werk“ gibt es inzwischen mehr als ein halbes Dutzend selbst initiierter Gruppen: Man singt gemeinsam, tauscht sich bei einem Kaffee aus, trainiert Hunde, macht Sport, spricht über Gesundheitsthemen, spielt, strickt, man hilft sich bei Umzügen oder beim Renovieren der Wohnung. Alles kann, nichts muss. Alle Ideen kommen von den Teilnehmern, nichts ist von oben aufgesetzt. Den Rahmen und Unterstützung, wann immer sie gebraucht wird, gibt die Freiwilligenagentur Jugend-Soziales-Sport e.V., die das Projekt in Wolfenbüttel ins Leben gerufen hat.

Gemeinsam etwas starten

Herr Gerstmann hat vor seinem Klinikaufenthalt als IT-Kommunikationstechniker gearbeitet. Jetzt hat er eine Sportgruppe initiiert und eine Kochgruppe gegründet. Der Mittvierziger erklärt: „Wir helfen uns gegenseitig, wo wir können. Der eine kann beispielsweise mit dem Pinsel umgehen, der andere kann Teppiche verlegen.“ Er schätzt vor allem den freundschaftlichen Austausch mit den anderen Teilnehmern. Manchmal ist die gemeinsame Aktivität schlicht der Aufhänger für ein gutes Gespräch, das Mutmachen bei Durchhängern oder das Feiern von Fortschritten. Und dann sind da noch die Begegnungen mit denjenigen, die eine ganz andere Geschichte haben, aber trotzdem gerne zum Dartspielen oder Kochen dazukommen. Beim Handarbeitstreff etwa haben sich gleich mehrere ältere Damen eingeklinkt, die jeden Kniff kennen und mit denen man ganz unangestrengt plaudern kann.

Die mehrstufige Rakete

Michael Fehst von der Freiwilligenagentur sieht das Projekt nicht zuletzt als Sprungbrett: „Die Teilnehmer starten ihre eigenen Projekte, gleichzeitig vermitteln wir auch Engagements in andere Einrichtungen oder in der Nachbarschaft. Im Idealfall stehen am Ende eine neue Stabilität und ein Selbstvertrauen, sodass sich eine Ausbildung und die Rückkehr in den Beruf anschließen können.“ Die Freiwilligenagentur begleitet diesen Prozess, moderiert, wo nötig, sucht passende Engagement-Möglichkeiten und berät Einrichtungen. Michael Fehst ist Ansprechpartner und Vertrauensperson für die Teilnehmer.

Der vollständige Name des Projekts „Mein Werk“ lautet: Mein Werk – Ich bin psychisch krank und ehrenamtlich tätig“. Wenn das für den einen oder anderen ein wenig trotzig, vor allem aber stolz klingt, liegt er genau richtig. Für Herrn Gerstmann ist sein Engagement bei „Mein Werk“ seine beste Entscheidung überhaupt: „Ich gehe seitdem wieder aufrecht!“

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch nach seinen individuellen Möglichkeiten selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Dieses selbstverständliche Miteinander erreichen wir nur, wenn sich möglichst viele Menschen für eine inklusive Gesellschaft einsetzen und sie mitgestalten – zum Beispiel durch freiwilliges Engagement. Die Aktion Mensch bietet mit ihrer Freiwilligen-Datenbank einen Überblick über die zahlreichen Möglichkeiten: Menschen mit und ohne Behinderung können aus mehr als 13.000 Angeboten  das passende Engagement auswählen.

Weitere Ideen für inklusives Engagement finden Sie in der Freiwilligen-Datenbank.

 


Mit Aktion Mensch-Nutzerkonto

Melde dich an und diskutiere mit!

Als Gast

Gib deinen Namen oder ein Pseudonym sowie deine E-Mail-Adresse an und kommentiere als Gast:

Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.


Sortieren nach Datum:

avatar

Björn Boris

Mich erinnert, dieser Bericht auch an den Propeller in Oldenburg.
http://www.zentegra.de/pdf/Programm_Propeller.pdf

Filter

Schlagwort


Tags

In Vorfreude Gutes tun

Dein perfektes
Weihnachtsgeschenk

Ein Jahreslos der
Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen

Noch kein
Geschenk?