Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Wie in einer großen Familie

In Hamburg-Altona könnte europaweit das erste barrierefreie Stadtviertel entstehen. Das "Forum – Mitte für Alle" entwickelte mit Unterstützung von Q8 einen Planungskatalog zur inklusiven Stadtentwicklung. Im August 2012 stimmte die Altonaer Bezirksversammlung einstimmig dafür, dass die Behörde für Stadtentwicklung die dort genannten inklusiven Ziele berücksichtigen möge. Doch wie ist der aktuelle Stand der Dinge? Und was ist eigentlich Q8? Eine erste Bilanz.

Hamburg aus der Luft Foto: Architekturbüro André Poitiers und arbos Freiraumplaner

Unsere Gesellschaft befindet sich im Wandel: Einerseits werden die Menschen immer älter und haben einen steigenden Assistenzbedarf. Andererseits wächst das Interesse an Selbstbestimmung und Mitgestaltung. In Hamburg-Altona, dem westlichsten Bezirk der Hansestadt, stehen seit der Stilllegung des Güterbahnhofs im Zentrum dieses Stadtteils große zusammenhängende Flächen frei, die ein enormes Potenzial für nachhaltiges innerstädtisches Wachstum bieten. Hinzu kommt, dass gegenwärtig eine Verlagerung des Fernbahnhofs vom heutigen Kopfbahnhof Altona an den weiter nördlich gelegenen S-Bahnhof Diebsteich geprüft wird. Dadurch würde zusätzlicher Raum für eine städtebauliche Entwicklung zur Verfügung stehen. Dieses gesamte Gebiet soll genutzt werden, um hier ein Stadtviertel – die Mitte Altona – entstehen zu lassen, in dem inklusive Gesichtspunkte der Sozialraumentwicklung Berücksichtigung finden.

Schaffung inklusiver Sozialräume – was heißt das?

Bei der inklusiven Sozialraumentwicklung geht es darum, dass alle Menschen gleichberechtigt – ohne Diskriminierung und Ausgrenzung – miteinander leben und an der Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten mitwirken können. Um das zu erreichen, bedarf es Planungskonzepte, die das Gemeinwesen insgesamt in den Blick nehmen und die Zugänglichkeit von Lebensräumen für alle garantieren.

Doch wie könnte konkret ein solches Umfeld aussehen, das alle gemeinsam mitgestalten? In dem man in der eigenen Wohnung bleiben kann bis ins hohe Alter? Was ist nötig, damit man sich in diesem Viertel wohl fühlt? Gibt es Kulturorte wie Volkshochschule, Galerien oder Theater, die für alle zugänglich sind? Lernorte für alle? Wohnortnahe Lebensmittelgeschäfte, Handwerk und haushaltsnahe Dienstleistungen sowie barrierefreie Cafés und Gaststätten? Orte, an denen jeder seiner Religion nachgehen kann – Kirchen, Synagogen, Moscheen oder buddhistische Zentren? An denen man miteinander ins Gespräch kommt und gemeinsam handelt?

Welche Aufgabe hat dabei das Projekt Q8?

Das Projekt Q8 möchte die Entwicklung ausgewählter Quartiere in Hamburg und Schleswig-Holstein so unterstützen, dass die Menschen dort selbstbestimmt leben können. Bis ins hohe Alter. Mit oder ohne Behinderung. Doch dieses inklusive Zusammenleben – wie in einer großen Familie  – funktioniert erst dann, wenn sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger, Kaufleute, Politiker, Institutionen, Vereine und Initiativen an einen Tisch setzen und partnerschaftlich zusammenarbeiten. Die Q8-Projektleitungen arbeiten als Mittler, um die Entwicklungspotenziale des Quartiers sichtbar zu machen und neue Netzwerke aufzubauen. Dazu bringt Q8 Bewohnerinnen und Bewohner, Unternehmen und Institutionen zusammen und unterstützt sie bei der Vernetzung. Ziel ist ein neuer Mix aus Selbsthilfe, bürgerschaftlichem Engagement und Nachbarschaft, Technik und professioneller Unterstützung. In Altona ist auf diese Weise das Forum "Eine Mitte für Alle" entstanden, das Empfehlungen für einen inklusiven Masterplan für die Mitte Altona entwickelte. Das Forum wird von Q8 moderiert und unterstützt.

Wie ist der Stand der Dinge?

Im August 2012 befürwortete die Altonaer Bezirksversammlung einstimmig den fraktionsübergreifenden Antrag, die Forderungen des Forums "Eine Mitte für Alle" im weiteren Planungsprozess zu berücksichtigen. Im September verabschiedete die Hamburger Bürgerschaft den Masterplan zum Bau der Mitte Altona, allerdings ohne sich dem Votum der Altonaer Bezirksversammlung für die Umsetzung der Empfehlungen des Forums nach Inklusion und Barrierefreiheit anzuschließen. Die Parteien formulierten aber dennoch das Interesse an barrierefreier und inklusiver Stadtplanung.

Es bleibt also spannend, wie Hamburg die Chance einer inklusiven Stadtentwicklung für Mitte Altona nutzen wird. Baubeginn ist in diesem Jahr geplant. Wenn dann die genannten Gesichtspunkte der Sozialraumentwicklung tatsächlich Berücksichtigung finden, könnte Hamburg eine Vorreiterrolle übernehmen.


Mehr zum Thema:
Infos zum barrierefreien Bauen bei nullbarriere.de
Internetauftritt des Dachverbands für Integratives Planen und Bauen e.V. (DIPB)
Mehr Infos über barrierefreie Stadtplanung bei der Aktion Mensch
Mehr zum Thema barrierefreies Wohnen beim Familienratgeber
Aktion Mensch-Umfrage zu Barrierefreiheit: 1. Platz für München. Ein Blogbeitrag über die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage zum Thema "Wie barrierefrei ist meine Stadt?"

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