Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Wie erkläre ich es meinem Kind?

"Mama, was hat der Junge denn?" fragt Greta. Der Junge, den die 5-Jährige meint, sitzt im Rollstuhl und macht ungewohnte Bewegungen. Gretas Mama hält kurz inne. Sie erinnert sich, dass sie vor kurzem über das Gehirn geredet haben, wie es Sinneseindrücke aufnimmt und Muskeln steuert. Und dann sagt sie: "Bei dem Jungen funktioniert das Gehirn nicht so wie bei dir, es kann nicht richtig steuern."

War diese Antwort die richtige?

Auf alle Fälle besser als das Wegziehen, wie es mir noch aus meiner eigenen Kindheit in Erinnerung ist. Und dazu die leise Mahnung: "Nicht so laut!" oder "Schau nicht so neugierig, das macht man nicht!" Die eigene Befangenheit vermischt mit dem Bedenken, den Menschen im Rollstuhl mit Blicken zu verletzen oder mit Fragen zu bedrängen – nicht jeder ist schließlich an der Aufklärung Nicht-Behinderter interessiert, nur weil er oder sie selbst eine Behinderung hat.
Petra Jacobs schon. Sie ist froh, dass die Leute – insbesondere neugierige Kinder - nicht wegschauen, sondern fragen. Jacobs, die beim Frankfurter Verein CeBeeF (Club Behinderter und ihrer Freunde) in der Beratung arbeitet, erklärt den Kindern dann in einfachen Worten: "Ich habe einen Rollstuhl, weil ich nicht so gut laufen kann. Ich habe nicht so viel Kraft in den Beinen wie ihr. Ich habe die Räder, ihr habt die Beine zum Vorwärtsbewegen."

Was die Kinder nicht unbedingt wissen müssen, sind die medizinischen Details, findet sie. Bei dem Jungen mit der Spastik, der Greta aufgefallen ist, braucht man nach Petra Jacobs' Meinung also nicht unbedingt die Schädigungen im Nervensystem und die Lähmungen der Muskeln zu erläutern. Die Auskunft "Der Junge sitzt schief im Rollstuhl, weil sein Körper es nicht anders kann" reicht vollkommen aus – zumindest wenn das Kind noch klein ist und sich damit zufrieden gibt! Tatsächlich interessieren die Kinder alltagspraktische Sachen ohnehin meistens mehr: Wie wäscht der sich denn? Wie kommt der ins Bett? Geht der auch in die Schule? Das alles wollte Greta wissen, noch lange nach der Begegnung.
An anderer Stelle rät Petra Jacobs durchaus dazu, Klartext zu reden. "Die Eltern sollten den Begriff Behinderung durchaus verwenden, damit das Kind ihn kennen lernt." Eine Behinderung sollte also nicht als Krankheit bezeichnet oder tabuisiert werden. Vielmehr sollten Eltern in solchen Situationen klar machen: Behinderungen gehören zum Leben dazu, genauso wie Menschen mit Behinderung zu unserer Gesellschaft gehören. Und zwar ganz unterschiedlichen Art: sichtbare und unsichtbare, körperliche, geistige und Sinnesbehinderungen.

Mein Lesetipp: Benny Blu: Rolli & Co. Verschieden ist ganz normal. Hier gibt es eine Leseprobe.

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