Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Werden alle Menschen mit Handicap geduzt?

Ein paar Gedanken zu Achtung, Akzeptenz und den richtigen Umgang miteinander

Mir ist aufgefallen, dass alte, demenzkranke und behinderte Menschen nicht nur in den Heimen, sondern auch im Alltag oft geduzt werden. Nun habe ich mir Gedanken gemacht, woran das liegt. Vergleicht man diese Menschen mit Kindern und möchte ihnen durch das vertraute "Du" Sicherheit geben, oder nimmt man sie nicht für voll? Hat es vielleicht etwas mit fehlender Achtung und Akzeptanz zu tun, weil man meint, die sind nicht mehr ganz klar im Kopf, die kann man ruhig duzen? Mir ist es egal, wie ich angesprochen werde, aber vielleicht sehen das nicht alle Menschen mit Handicap so.

Schon nach wenigen Sätzen geduzt

Zuerst dachte ich immer, dass ich geduzt werde, weil ich so jung aussehe. Aber dann habe ich festgestellt, dass ich auch bei Ämtern oder Ärzten, wo mein Geburtsdatum bekannt ist, zunächst mit "Sie" angesprochen und schon nach wenigen Sätzen geduzt werde. Ich habe nur ein einziges Mal erlebt, dass ein Oberarzt mich von Anfang bis Ende gesiezt hat. Er hat mir dadurch signalisiert, dass ich für ihn ein Patient wie jeder andere bin und ernst genommen werde.

Fremde zu siezen ist selbstverständlich

Nun habe ich mir überlegt, wie würden diese Leute wohl reagieren, wenn man sie auch immer "duzt"? Wären Sie gekränkt, oder würden Sie nachdenklich werden?
Für mich ist es selbstverständlich, fremde Menschen zu siezen, weil es eine Form der Höflichkeit ist. Da mache ich keine Ausnahme, egal, wie groß ihr Handicap ist.
Ich denke dabei nicht an bestimmte Gruppen oder Kreise, in denen es selbstverständlich ist, sich gegenseitig zu "duzen".

Mich würde sehr interessieren, wie Ihr darüber denkt! Ich freue mich auf Eure Kommentare.


Linktipps:
Berührungsängste abbauen. Ein Blogbeitrag von Carina Kühne über Probleme im Umgang mit Menschen mit Behinderung
Streicheleinheiten, Schokolade und schöne Sprüche. Ein Blogbeitrag von Marie Gronwald über Begegnungen in der Vorweihnachtszeit


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Manfred Fischer

Liebe Frau Kühne!
Auch mir als Mensch im Rollstuhl geht es immer wieder so, dass ich geduzt werde. Finde das schlimm.
Das Sie drückt Respekt gegenüber einem Menschen aus, den man nicht kennt. Sagt man gleich du, wie zu einem Kind, geht dieser Respekt verloren. Behinderte Menschen verdienen aber den gleichen Respekt, wie alle anderen Mitbürger auch - daher bin ich für das SIE.
Kennt man sich besser, ierd aus dem SIE ein DU.
LG Manfred Fischer

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Anton Gradl

Hallo Frau Kühne, ich bin 45 Jahre alt und seit Geburt Rollstuhlfahrer wegen Tetra-Spastik. Außer auf Ämtern gefällt es mir eigentlich nicht gesiezt zu werden. Ich sage insbesondere zu Leuten welche mir helfen dass es mir besser gefällt mit Vornamen angesprochen zu werden. Insbesondere bei persönlicher Hilfe finde ich das besser. Daher gibt es einige Leute welche mich einseitig duzen. Insbesondere Leute die ich von Namensschilder oder Türschildern nur die Nachnamen kenne. So kommt es schon mal vor das ich es solchen Leuten sage auch wenn sie jünger sind als ich das sie mich einseitig duzen sollen

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Jochen Desel

Alles bestens

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