Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Wenn ich feiern gehe ...

von Luisa Eichler

Berührungsängste von jungen Leuten gegenüber Rollstuhlfahrern

Luisa Eichler

Wenn ich feiern gerne, lerne ich immer neue Menschen kennen. So ist das wohl mit 18 Jahren. Man geht raus, feiert, tanzt und hat Spaß. Wenn ich mit meinen Freunden unterwegs bin, ist meine Behinderung kein Thema. Man könnte sogar sagen, wir genießen all die positiven Seiten, die ein Rollstuhl mit sich bringt: Er wird kurzerhand zu einer Jacken- und Taschenablage umfunktioniert, während ich die Getränke halte. Welcher Rollstuhlfahrer kennt das nicht? Meine Freunde gehen manchmal dann noch etwas weiter. Da passiert es dann schon mal, dass eine meiner Freundinnen auf meinem Schoß tanzt und besonders gerne legen sie meinen Rollstuhl – mich eingeschlossen – um 90 Grad gedreht auf den Boden und schauen, was passiert. Für uns ist das alles Spaß, aber Außenstehende, besonders diejenigen, die noch nichts mit Rollstuhlfahrern zu tun hatten, wissen erst mal nicht, wie sie auf so ein Verhalten reagieren sollen.

Sorge, zu verletzen

So war es auch das letzte Mal, als ich feiern gegangen bin. Auf der Party war ein Freund der Gastgeberin, der uns eine Weile etwas perplex zuschaute, was wir alles mit dem Rollstuhl anstellten. Irgendwann fragte er meine Freundin, ob das normal sei. Sie antwortete ihm mit einem Lächeln, dass sie heute noch echt nett mit mir umgehen würden. Später am Abend saß ich ihm gegenüber und fing ein Gespräch mit ihm an. Nachdem ich ihm versichern konnte, dass es mir trotz der "Behandlung" meiner Freunde gut geht und das alles lieb und spaßig gemeint sei, wurde auch er allmählich entspannter gegenüber dem Rollstuhl und hatte nicht mehr das Gefühl, er könnte schnell etwas Falsches sagen, was mich verletzen könnte.

Witze zum Einstieg

Irgendwie finde ich es allgemein ganz amüsant, wie sich Leute regelmäßig wegen so etwas Gedanken machen. Also weihe ich ihn zunächst mal in die Grundlagen der Behindertenwitze ein, und beobachte, wie sich seine innere Einstellung von "Wenn du als Betroffene so etwas sagst, okay, aber wenn ich sowas bringe, geht das schon zu weit, oder?" zu "Mmh, eigentlich ist da echt nichts dabei, und lustig sind die Witze ja schon". Wenn es gut läuft, überspringen wir sogar den "Echt beeindruckend, wie du damit umgehst"-Teil und gehen direkt über zum Spaß haben, so ganz ohne Berührungsängste.

Bloß nichts falsch machen

Einige Wochen später traf ich ihn wieder und fragte, warum er anfangs so zurückhaltend war. Er meinte, dass besonders durch die Medien Menschen mit einer Behinderung als "anders" dargestellt werden, was dazu führt, dass man mit Unsicherheit und Distanz reagiert. Man weiß nicht, wie stark die Behinderung das Leben des anderen beeinflusst und wie er/sie damit umgeht. Um bei mir nichts falsch zu machen, wollte er mich deswegen erst etwas beobachten. Als er dann merkte, wie locker ich mit dem Thema umgehe, wurde es für ihn wesentlich einfacher, mit mir zu reden.

Generell sollte man es also nicht als negativ betrachten, wenn sich der Gegenüber etwas unsicher verhält: Er möchte sich vermutlich einfach nur möglichst richtig verhalten! Ein Lächeln entspannt grundsätzlich jede Situation und macht es für den anderen leichter. Und wenn nicht, gibt es ja immer noch das Rausgehen, Feiern und Tanzen.


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