Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Was tun bei Mobbing?

Ein Forschungsprojekt hat Trainings-Materialien zum Umgang mit Mobbing an und durch Menschen mit Lernschwierigkeiten veröffentlicht.

Wie sollte man sich verhalten, wenn Beschäftigte mit Lernschwierigkeiten von Kollegen gemobbt werden? Oder wenn sie selbst zum Täter werden? Ein europäisches Forschungsprojekt unter dem Motto „Let me be ME!“ hat das erforscht und nun auch Trainings-Materialien zum Umgang mit Mobbing und zur Prävention veröffentlicht. Carolin Hass, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung (zepf) der Uni Koblenz-Landau, erläutert, um was es dabei geht.


Sind Menschen mit Lernschwierigkeiten besonders oft von Mobbing betroffen?
Carolin Hass: Nein, das kann man nicht sagen. Menschen mit einer geistigen Behinderung sind genauso oft mit Mobbing konfrontiert wie andere Menschen auch. Sie werden auch genauso oft zu Tätern. Allerdings gab es bisher für diese Zielgruppe keine speziellen Materialen oder Trainingsangebote zur Prävention oder zum Umgang mit Mobbing. Hier setzte das europäische Projekt „Let me be ME!“ an. Mit mehreren internationalen Partnern haben wir ein Trainingsprogramm entwickelt und erprobt, das Menschen mit geistiger Behinderung auf den Umgang mit Mobbing am Arbeitsplatz vorbereitet.

Worum geht es konkret? Was können Menschen mit Lernschwierigkeiten tun, die gemobbt werden?
Idealerweise setzt man einen Schritt vorher an: Mit der Stärkung des Selbstbewusstseins. Eine selbstbewusste Person läuft weniger Gefahr, ausgegrenzt zu werden. Dann geht es darum zu erkennen, was Mobbing überhaupt ist. Nicht jeder flapsige Spruch, nicht jede geäußerte Kritik zählt dazu. Mobbing ist ein negatives Verhalten, das darauf abzielt, dass sich eine andere Person schlecht fühlen soll. Das geschieht mit Absicht, wiederholt und mit unfairen Methoden. Die gemobbte Person selbst hat keine Schuld an der Situation. Wenn man erkannt hat: „Ja, ich werde gemobbt“, sollte man eine neutrale dritte Person hinzu ziehen und nach einer individuellen Lösung suchen. Die Betroffenen lernen, klar zu sagen „Lass das!“ oder „Stopp!“ und wegzugehen, statt zu resignieren oder sich auf falsche Weise zu wehren, etwa in eine Schlägerei zu geraten. Es ist besonders wichtig, sich dabei Unterstützung von einer Person zu suchen, der man vertraut. Etwa ein Mobbing-Beauftragter in einem Unternehmen oder einer Werkstatt oder ein Kollege.

Wie geht man mit Tätern mit Lernschwierigkeiten um?
Am besten sorgt man dafür, dass es gar nicht so weit kommt. Wer andere mobbt, hat selbst viel mit Wut und Aggression zu kämpfen und merkt oft gar nicht, was er oder sie da macht und wie es bei anderen ankommt. Oft haben diejenigen wenig Selbstwertgefühl. Indem man andere erniedrigt, fühlt man sich selbst vermeintlich besser. Aus diesem Grund ist es besser, bevor es zum Mobbing kommt, die Mitarbeiter in Bezug auf ihr Selbstwertgefühl zu stärken und im Umgang mit Wut zu schulen.

Ist Cybermobbing in diesem Zusammenhang eigentlich auch ein Thema?
Sicher nutzen nicht alle Menschen mit geistiger Behinderung neue Medien, aber es gibt durchaus auch Nutzer von sozialen Netzwerken wie Facebook oder WhatsApp, die geistig behindert sind. Deshalb können sie auch von Cybermobbing betroffen werden. Die Materialsammlung gibt auch dazu Infos und Vorschläge, was man in diesem Fall zu tun ist.

An wen richtet sich Ihr Material?
In erster Linie an Weiterbildungseinrichtungen, Werkstätten und Arbeitgeber im Allgemeinen. Es könnte aber auch interessant für Schulen zur Vorbereitung auf das Arbeitsleben sein. Leider gibt es das Material bisher nicht übersetzt in Leichte Sprache. Ich hoffe, das lässt sich künftig noch realisieren, damit Menschen mit geistiger Behinderung auch direkt damit arbeiten können. Das Material kann kostenfrei bestellt werden und ist auch online verfügbar.


Linktipps:
Das europäische Forschungsprojekt „Let me be ME!“ gegen Arbeitsplatz-Mobbing von Menschen mit Lernschwierigkeiten
Die Materialsammlung des Forschungsprojekts „Let me be ME!“ zum Umgang mit Mobbing
Das Handlungsfeld "Am Arbeitsplatz" der Aktion Mensch
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Der Fall – oder: Wenn man uns ließe! Ein Blogbeitrag von Anastasia Umrik über Hürden und Pauschalisierungen bei der Jobsuche

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