Freiwilliges Engagement

Was sind 70 Jahre Altersunterschied?
 

Lauryn und Frau Schapitz treffen sich seit letztem Sommer regelmäßig. Die eine ist neun Jahre alt, die andere über 80, beide verstanden sich auf Anhieb. Die besondere Begegnung ermöglicht ein engagierter Lehrer, der das Projekt „Generationsbrücke“ an die Schule geholt hat sowie eine pensionierte Kollegin. Sie staunen immer wieder, was die Treffen mit Jung und Alt machen.
 

Foto: Symbolbild Foto: Generationsbrücke Deutschland

Volle Konzentration bei Lauryn. Die Viertklässlerin legt eine Hand auf ein Blatt Papier, platziert einen Stift zwischen Daumen und Zeigefinger von Frau Schapitz und unterstützt sie dabei, die Umrisse der Hand nachzuzeichnen. Die Seniorin beobachtet ganz genau, was Lauryn macht, lächelt zwischendurch, ist ganz bei der Sache. Nur noch ein paar zusätzliche Striche und es entsteht eine perfekte Tulpenblüte. Am Ende gibt es ein Lob von der selbstbewussten 9-Jährigen: „Gut gemacht, Frau Schapitz!“ Dass die beiden sich so nahe kommen, obwohl sie mehr als 70 Lebensjahre trennen, ist ein kleines Wunder und geht nicht ohne engagierte Brückenbauer.

So wie Holger Schmidtke. Er ist Religionslehrer an der deutsch-amerikanischen John-F.-Kennedy-Schule in Berlin und koordiniert das Projekt „Generationsbrücke“, an dem sich 100 Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen, sieben Kolleginnen und vier Altenpflege-Einrichtungen beteiligen. Er war gleich von der Idee überzeugt, dass Grundschüler und Senioren gleichermaßen von der regelmäßigen Begegnung profitieren: Die Schülerinnen und Schüler erleben Herzlichkeit und lernen eine Menge über das Altern. Die Bewohner der Altenpflegeeinrichtungen werden mit allen Sinnen gefordert und blühen auf. „Etwas mit anderen gemeinsam tun – das ist diakonisches Handeln par excellence!“, berichtet Holger Schmidtke. Er reiste nach Aachen, wo das Projekt entstand, und lernte das Konzept „Generationsbrücke“ genau kennen.

Lauryn ist eine von 16 Schülerinnen und Schülern, die an diesem Tag in die „Residenz Zehlendorf“ gekommen sind, einer Seniorenwohnanlage ganz in der Nähe der Schule. Was sie an der Begegnung von Jung und Alt besonders mag? „Mir macht es viel Spaß zu singen und zu basteln. Und ich finde es schön, auch mal etwas Ruhigeres zu machen.“ Ihre eigenen Großeltern wohnen teils in den USA, teils in Vietnam, im Alltag hat sie kaum Kontakt zu alten Menschen.

Das monatliche Treffen zwischen den Generationen dauert in der Regel eine Stunde und ist genau durchchoreografiert. Am Anfang singen alle gemeinsam. Die Motorik der Bewohner wird mit einfachen Spielen angesprochen. Dann wird beispielsweise etwas gebastelt, was alle fordert. Die Kinder haben einen festen Bewohner-Partner, den sie über die Zeit immer besser kennenlernen.

Holger Schmidtke bereitet die Besuche gründlich im Religionsunterricht vor. Dort wird über das Altern, Krankheit und Tod gesprochen. Das ist auch deshalb wichtig, weil einige der Bewohner während des einjährigen Durchlaufs versterben. Dies muss gut kommuniziert und aufgefangen werden. Holger Schmidtke: „Das Erstaunliche dabei ist, dass die Kinder den Bewohnern ganz unbefangen gegenüber treten. Da ist nichts komisch oder fremd.“ Genau mit dieser Haltung locken die Kinder die Bewohner aus der Reserve. „Wenn jemand mit Demenz während der Treffen voll dabei ist, sich konzentriert, dann ist das ein riesiger Fortschritt“, weiß Holger Schmidtke. Unterstützung bekommt er von Helga Albrecht-Thiele. Sie war 35 Jahre lang als Lehrerin an der Kennedy-Schule tätig und von Anfang an von der Generationsbrücke begeistert.

Am Ende der Stunde verabschiedet sich Lauryn mit den Worten „Hat Spaß gemacht!“ Und auch, wenn Frau Schapitz nicht direkt etwas erwidert, sieht man ihr ganz deutlich an, dass es ihr genauso geht.

 

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch nach seinen individuellen Möglichkeiten selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Dieses selbstverständliche Miteinander erreichen wir nur, wenn sich möglichst viele Menschen für eine inklusive Gesellschaft einsetzen und sie mitgestalten – zum Beispiel durch freiwilliges Engagement. Die Aktion Mensch bietet mit ihrer Freiwilligen-Datenbank einen Überblick über die zahlreichen Möglichkeiten: Menschen mit und ohne Behinderung können aus mehr als 16.000 Angeboten das passende Engagement auswählen.

Weitere Ideen für inklusives Engagement finden Sie in der Freiwilligen-Datenbank.

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