Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Wahlprogramme in Leichter Sprache

Wahlprogramme sind in der Regel umständlich formuliert und viel zu lang. Nicht alle Menschen verstehen sie. Damit auch Menschen mit Lernschwierigkeiten erfahren, wofür die Parteien stehen und warum sie diese wählen sollen, gibt es Wahlprogramme auch in Leichter Sprache.

Reinhild Kassing

Diese Wahlprogramme zu lesen ist eine Wohltat – auch für Menschen, die sonst nicht auf Leichte Sprache angewiesen sind. Klipp und klar steht dort, wofür die Parteien stehen und was sie wollen: in kurzen Sätzen, ohne Nominalstil und aufgeblähte Formulierungen. „Für uns Menschen mit Behinderung sind diese Wahlprogramme wichtig, um uns zu informieren“, sagt Petra Groß. „In einfacher Schrift und mit Bildern.“

Engagement für Leichte Sprache
Petra Groß, 47, hat Lernschwierigkeiten und engagiert sich mit Hingabe für die Verbreitung von Leichter Sprache. Vom 19. bis zum 23. August 2013 tourte Sie als Wahllokal-Testerin mit der Aktion Mensch durch Deutschland und prüfte Wahllokale in fünf Städten auf Barrierefreiheit. Regelmäßig überprüft sie für verschiedene Institutionen übersetzte Texte auf ihre Verständlichkeit. Auch die Wahlprogramme hat sie sich zuschicken lassen und gelesen. Gut gemacht im Hinblick auf Leichte Sprache findet sie z.B. die Programme der SPD und von Bündnis 90/Die Grünen. „Da versteht man, was gemeint ist“, sagt sie. Denn: Die Programme sind mit zahlreichen Bildern ergänzt. So auch das Programm der Piratenpartei in Leichter Sprache.

Ohne Bilder schlecht verständlich
Bilder gibt es im Programm der CDU nicht und in dem der Linken nur wenige (Stand 10.09.2013). Ein großer Mangel für Petra Groß. „Ohne Bilder ist es schwierig sich vorzustellen, was die Parteien wollen“, sagt sie und vermutet, dass CDU und Die Linke ihr Wahlprogramm wohl nur schriftlich übersetzen lassen haben. Das ärgert sie. „Die Parteien müssen sich auch über die Bilder intensiv Gedanken machen“, sagt sie. „Ich kann mich zwar durch den Text kämpfen, aber manche Leute können nun mal nicht lesen und wollen über die Bilder wissen, wofür die Partei steht.“

Informationen in der Werkstatt
Nachdem Petra Groß die Programme gelesen hatte, gab sie sie in die Werkstatt weiter. Sie möchte, dass auch ihre Kollegen über die Wahl und die Parteien informiert sind. „Ich hatte in der Werkstatt mal gefragt, wer überhaupt wählen geht“, sagt Groß, die im Werkstattrat der Kasseler Werkstatt für Menschen mit Behinderung ist. „Ungefähr 30 Prozent gehen nicht wählen.“ Das fand sie erschreckend und möchte etwas dagegen tun. Als Anschauungsmaterial gibt es Internet-Seiten, die in Leichter Sprache erklären, was der Bundestag macht oder Broschüren in Leichter Sprache, wie zum Beispiel „Wählen ist einfach: Die Bundestagswahl“, herausgegeben von der SoVD-Jugend.

Wie es besser wäre
Allerdings findet Petra Groß, dass das eigentlich die Wohnheimleiter machen müssten: Wahlprogramme besorgen, an die Bewohner verteilen und sich dafür einsetzen, dass die Wohnheimbewohner wählen gehen. „Es ist schade, dass die Verantwortlichen von Werkstatt und Wohnheim sich nicht darum kümmern“, sagt Groß, die auch Mitglied im Behindertenbeirat ihrer Heimatstadt Kassel ist.
Wenn es nach ihr ginge, würden sich auch die lokalen Politiker in Wohnheimen und Werkstätten vorstellen. „So könnten sie viele Wähler aufwecken“, sagt sie. „Hier in Kassel gehen sie aber nicht in die Wohnheime.“ Ganz schlimm findet sie, wenn in den Wahlprogrammen nichts zu Menschen mit Behinderung steht. „Wenn die Politiker gewählt werden wollen, müssen sie mir doch erklären, was sie für uns machen wollen“, sagt sie.

Die Wahlprogramme in Leichter Sprache im Netz (PDF):

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