Inklusion, Aktion Mensch-Blog

"Vor Gott sind alle gleich"

Jannik freut sich auf die Kommunion. Foto: privat

Im weißen Kommuniongewand und in seinem elektrischen Rollstuhl wird Jannik Allgeier am 15. April in die Kirche von Biederbach im Schwarzwald kommen. Die 23 anderen Kinder, die mit ihm feiern werden, kannte Jannik flüchtig aus der Nachbarschaft. In den Vorbereitungstreffen zur Kommunion hat der 8-Jährige sie näher kennen gelernt – und diese den Jungen, der seine Hände nicht bewegen und nicht sprechen kann, aber einen ziemlich coolen Computer hat, den er mit den Augen steuert und der für ihn spricht. "Jannik hat es genossen, im Mittelpunkt zu stehen", erzählt seine Mutter, die gemeinsam mit anderen Müttern die Gruppenstunden leitet – bei sich zuhause, weil es da die wenigsten Barrieren gibt. Und auch der Pfarrer kommt vor dem großen Fest noch vorbei, um mit Jannik auszuprobieren, ob er ihm die Hostie auf die Zunge legen kann. Anfangs hat Janniks Mutter eine Unsicherheit beim Pfarrer gespürt – aber auch seine Offenheit und seine Überzeugung: "Vor Gott sind alle gleich."

Selbstverständlich ist das nicht. Immer wieder hört man Geschichten von Gemeinden, die Kinder mit körperlicher oder geistiger Behinderung nicht zur Kommunion zulassen wollen, weil diese nicht verstünden, um was es geht. Oder weil sie den feierlichen Ablauf stören könnten. Auch wenn es in der Katholischen Kirche längst Konsens sei, dass man Kinder mit Behinderung nicht ausschließen darf, wie Dieter Müller-Reimann, Behindertenseelsorger in der Erzdiözese Freiburg, betont. Aber es stellt sich oft die Frage: "Was tut meinem Kind gut? Wie bereiten wir es vor? Wie gestalten wir die Feier?"

Deshalb gibt die Erzdiözese gemeinsam mit dem Institut für Religionspädagogik in Freiburg die "Schatzkiste Erstkommunion" heraus: Diese Arbeitsmappe will Eltern und in der Katechese Verantwortliche zu inklusiver Vorbereitung und Feier der Kommunion ermutigen. Und "weil es beim Glauben und der Vermittlung des Glaubens nicht allein um Wissen geht", so Müller-Reimann, setzt die Schatzkiste auf ein Vorbereitung mit "Herz, Kopf und Hand". Das heißt: Die Mappe enthält neben Bibelstellen viele Lieder und Spiele und Vorschläge für kreatives Arbeiten. Außerdem wird die Idee der Schatzkiste lebendig: In einem Karton sammeln die Kinder von Stunde zu Stunde Erinnerungsstücke, die die Inhalte symbolisieren – zum Beispiel Federn ("Ich darf mich fallen lassen und geborgen fühlen"), Spiegel ("Ich bin einmalig") und Weizenkörner ("unser täglich Brot"). "Wenn wir über Symbole Themen elementarisieren, spricht das Kinder mit Behinderung und ohne Behinderung an", berichtet Müller-Reimann. Der praktische Teil der "Schatzkiste" ist um Erfahrungsberichte von Familien ergänzt – die sich übrigens nicht alle für den inklusiven Weg entschieden haben, den Jannik gewählt hat.


Linktipp:
Mehr Infos und die Schatzkiste zum Bestellen gibt es beim Institut für Religionspädagogik Freiburg.

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