Freiwilliges Engagement

Von Sterntauchern und Psychiatrie-Paten

Oft werden Menschen mit psychischen Erkrankungen als diejenigen wahrgenommen, die von freiwillig Engagierten betreut und unterstützt werden. Doch längst hat ein Umdenken eingesetzt: Immer mehr Engagement-Möglichkeiten für psychisch erkrankte Menschen schießen aus dem Boden. Hier berichtet einer der neuen Freiwilligen.

„Ich muss mein Gleichgewicht finden. Seit der Diagnose Depression arbeite ich nicht mehr. Auch meine sozialen Kontakte sind dadurch kaum noch vorhanden. In meinem Engagement, das ich seit zwei Jahren ausübe, suche ich Beschäftigung und Kontakte. Den Anstoß habe ich in einer Gruppentherapie bekommen. Dabei ist im Seniorenheim der Vorteil, dass ich die Tätigkeit wechseln kann, wenn mir etwas zu viel wird. Auf Dauer bin ich nämlich kein Gesellschafter-Typ.

Lange Gespräche strengen mich doch sehr an. Mein Engagement ist auch so etwas wie Eigentherapie – ich brauche die Regelmäßigkeit und den Zwang dazu. Und es ist schön zu sehen, wie die Leute sich freuen, wenn ich komme. Da ich durch meine Erkrankung sehr verspannt bin, ziehe ich mich immer vormittags eine halbe Stunde zurück und mache progressive Muskelentspannung. Das hilft mir sehr und dadurch wird das Fenster meiner Aufmerksamkeit auch wieder größer.“

Patrice Rücker (42) arbeitet als freiwillig Engagierter im Seniorenheim Müggelschlößchenweg, pflegt den Garten, besucht Bewohner und unternimmt mit ihnen Spaziergänge.

Immer mehr Organisationen bieten Engagement-Möglichkeiten auch für Menschen mit psychischen Problemen an. Hier eine kleine Auswahl:

Psychiatrie-Paten
Ausgangspunkt für den Verein Psychiatrie-Patinnen und -Paten e.V. aus Aachen ist eine einfache Überlegung: Stabilere Betroffene können besonders gut andere Betroffene unterstützen, da sie mit den Erkrankungen aus eigener Erfahrung vertraut sind. 80 ehemalige Patienten und einige Nichtbetroffenen engagieren sich hier.
http://www.ppev.de/

Patientenclub
Auch im Patientenclub-Besucherdienst aus Bamberg stehen ehemalige Patienten einer Klinik für Psychiatrie bzw. Altersmedizin gerade erst entlassenen zur Seite und helfen bei der Rückkehr in das alte Leben. Studierende, Hausfrauen, Berufstätige und Rentner gehören ebenfalls zu den Engagierten.
http://www.foerderverein-patientenclub.de/

Sterntaucher
Bei der Vermittlung von Menschen mit einer psychischen Erkrankung in ein Ehrenamt ist die Freiwilligenagentur Magdeburg mit dem Projekt „Sterntaucher“ Vorreiter. Die Mitarbeiter beraten und motivieren nicht nur die Freiwilligen, sie organisieren in den Einrichtungen auch die Qualifizierung von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen, die die Freiwilligen während ihres Engagements begleiten.
http://sterntaucher.info

Der Text von Patrice Rücker, verfasst von Stefanie Beerbaum, wurde freundlicherweise vom Freiwilligenzentrum Treptow-Köpenick zur Verfügung gestellt.

Weitere Engagement-Möglichkeiten finden Sie in der Freiwilligendatenbank.

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