Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Von Mut und Enttäuschung

von Carina Kühne

Positive Erfahrungsberichte von Menschen mit Behinderungen und ihren Familien können ganz sicher ermutigen. Doch manchmal werden sie auch zur Belastung und führen zu Enttäuschungen, wenn die eigene Situation anders verläuft als erhofft.

Carina Kühne zu Schulzeiten (Foto: privat)

Unmittelbar nach meiner Geburt machte meine Mutter sich auf die Suche nach Informationsmaterial zum Thema Down-Syndrom. Leider gab es damals noch nicht so viel. Sie erinnerte sich nur noch an die Fernseh-Serie "Unser Walter". Die hatte sie während ihrer Schulzeit gesehen. Wir hatten gerade erst unseren ersten Computer angeschafft, und Internet gab es auch noch nicht.

Als ich etwas größer wurde, besuchten wir viele Veranstaltungen und freuten uns immer, wenn wir sahen, wie fit manche Kinder sind. Erst als ich schon zur Schule ging, entdeckten wir die verschiedenen Zeitschriften und wurden Mitglied in einigen Selbsthilfegruppen. Dabei lernten wir auch verschiedene Eltern und Kinder mit Down-Syndrom kennen. Es war sehr interessant, und wir konnten uns austauschen.

Einmal verließen wir während einer Veranstaltung den Raum. Da trafen wir auf eine Mutter, die ziemlich ärgerlich, verzweifelt und auch deprimiert war. Sie meinte: "Ich kann das einfach nicht mehr ertragen! Immer wird nur von den Wunderkindern berichtet! Mein Kind ist nicht so fit und wird es auch nie sein!" Über diesen Ausbruch waren wir erst sehr verwundert. Aber dann haben wir uns Gedanken darüber gemacht und konnten diese Frau sehr gut verstehen.
Leider sind nicht alle Kinder gleich fit, aber es ist doch sehr beeindruckend, was einige Kinder trotz Trisomie 21 mit entsprechender Förderung erreichen können.
Meiner Mutter und mir hat das immer sehr viel Mut gemacht.
Meine Tante hat immer gesagt: "Wenn man Kinder mit Handicap fördert, können sie vielleicht einiges erreichen. Wenn man ihnen nichts anbietet, werden sie auch nichts lernen, egal, ob sie fit sind oder nicht." Unsere Devise war immer: "Wir versuchen es!" So konnte ich viel lernen und hatte auch Freude daran.

Mehr Rücksicht?

Leider haben wir einmal auch die Erfahrung gemacht, dass eine Freundschaft mit einem Mädchen mit Trisomie 21 auseinanderging, weil die Eltern meiner Freundin es nicht verkraftet haben, dass ich eine Regelschule besuchte. Dabei hatten sie für ihre Tochter die Sonderschule ausgesucht. Das war schon traurig, weil wir uns sehr gut verstanden haben. Dadurch sind wir sehr nachdenklich und sensibler geworden!
Provoziert man mit positiven Berichten eine Erwartungshaltung, die manche Kinder nicht erfüllen können? Manche Eltern haben das Gefühl, versagt zu haben, wenn ihre Kinder trotz Förderung nicht das erreichen, was sie sich wünschen. Müssen wir mehr Rücksicht auf die Gefühle dieser Eltern nehmen? Sollte man lieber nicht über positive Erfahrungen berichten, weil manche Eltern darunter leiden? Vielleicht tröstet es diese Eltern ja auch, wenn mehr über weniger positive Erfahrungen berichtet wird!

Wie ist eure Meinung?


Mehr zum Thema:
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