Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Vom Leser zum Autor

SelfPublishing für Menschen mit Behinderung

Ein Buch zu schreiben – das war vor einigen Jahren noch Spezialisten vorbehalten. Wer sich mit einer Buchidee befasste oder gar ein fertiges Manuskript in der Schublade hatte, stand vor der eigentlich größten Herausforderung: einen Verlag zu finden. Das SelfPublishing hat das entscheidend verändert. Ein angehender Autor kann innerhalb von Minuten sein Buch veröffentlichen und Millionen potentielle Leser erreichen.

Was ist SelfPublishing?

SelfPublishing heißt, dass der Autor zu seinem eigenen Verleger wird. Er schreibt den Text, gestaltet Cover und Layout des Buches, stellt es in die passenden Shops ein und betreibt kräftig Eigen-Marketing, um Leser zu gewinnen. In den letzten beiden Jahren haben auf diesem Wege immer mehr Menschen ihre Leidenschaft für das Publizieren entdeckt.

Zwei Entwicklungen haben diesen Trend entscheidend befördert: Zum einen hat das elektronische Lesen dank des Booms der mobilen Lesegeräte einen großen Aufschwung erlebt. Zum anderen gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Dienstleistern, die das Publizieren erleichtern. Sie bieten je nach Bedarf mehr oder weniger günstig Leistungen, die ansonsten von Verlagen übernommen werden. Das reicht vom Einstellen auf verschiedene Plattformen bis zur Erstellung des Covers, von der professionellen Aufbereitung des Manuskripts bis zum Lektorat.

Dabei muss sich der Autor auch nicht auf digitale Leser beschränken. Die Dienstleistung Book on Demand erlaubt es, Bücher erst zu drucken, wenn sie bestellt werden. Damit können auch die wesentlich zahlreicheren Leser bedient werden, die ein Buch auch physisch in der Hand halten möchten.

Warum ein Buch?

Viele Menschen mit Behinderung nutzen bereits das Web, um ihre Geschichte zu erzählen oder ihre eigene Sicht darzustellen. Viele schreiben zum Beispiel im Inklusionsblog der Aktion Mensch oder haben ihre eigene Website, auf der sie über ihre Behinderung oder alle möglichen anderen Themen berichten. Wer braucht da Bücher?

Das Problem ist, dass sie natürlich nur die Menschen erreichen, die im Web unterwegs sind und bereits auf diese Themen aufmerksam geworden sind. Die zahlreichen Menschen, die nicht im Internet unterwegs sind oder noch nicht wissen, dass sie sich für Behinderung interessieren könnten, werden aber kaum angesprochen.

Viele Menschen ziehen es auch vor, Informationen oder Geschichten kompakt aufbereitet zu bekommen. Es gibt einige Blogger wie zum Beispiel "Not quite like Beethoven", die ein Buch veröffentlichen wollen. Die blinde Psychotherapeutin Heike Herrmann gründete einfach ihren eigenen Verlag, um ihr Buch " Blinde Schönheit" herauszubringen.

Fast zwangsläufig stellt sich die Frage, ob man den rund 100.000 Büchern, die jährlich in Deutschland veröffentlicht werden, noch eines hinzufügen muss. Es gibt auch schon zahlreiche Bücher, in denen Menschen mit Behinderung über ihre Erfahrungen berichten, muss man dem noch einen weiteren Bericht hinzufügen?

Dafür kann es viele gute Gründe geben. Eventuell ist man mit den bisherigen Darstellungen noch nicht zufrieden, so etwa Terry Tracy, die selbst Epilepsie hat und mit den bisherigen Darstellungen dieser Erkrankung nicht zufrieden war. Oder man schreibt das Buch, dass man gerne gehabt hätte, gleich selbst. So machte es eine Gruppe engagierter Eltern. Sie schrieben das Buch "Thinking Person's Guide to Autism", einen Ratgeber für Eltern, die gerade erfahren haben, dass ihr Kind Autismus hat. Nicht zuletzt haben viele Menschen einfach den Wunsch, ihre eigene individuelle Geschichte zu erzählen.

Weder reich noch berühmt

Es ist ein offenes Geheimnis, dass selbst viele Bestseller-Autoren nicht vom Schreiben leben können. Die Goldgräberstimmung bei den SelfPublishern ist inzwischen verflogen, nur wenige schaffen es tatsächlich, ein hohes Einkommen daraus zu erzielen.

Die Motivation zum Schreiben sollte sich also aus einer anderen Quelle speisen. Jeder hat eine Geschichte zu erzählen, und es kommt darauf an, denjenigen zu finden, der diese Geschichte lesen möchte und der daraus einen Gewinn zieht. Vielleicht lernt er etwas über Behinderung, oder ihn reizt eine neue Perspektive, oder er fühlt sich einfach gut unterhalten. Wer Freude am Schreiben und eine Geschichte zu erzählen hat, wird sicher auch seine Leser finden.


Linktipps:
Vorbildlich oder schicksalhaft? Ein Blogbeitrag von Marie Gronwald über ihre Rolle als Autorin mit Behinderung
Mehr vom Leben. Ein Blogbeitrag von Ulrich Steilen über einen inklusiven Leseabend mit Texten von Menschen mit Behinderung
Welten entdecken – warum blinde Menschen gerne lesen. Ein Blogbeitrag von Domingos de Oliveira über Bücher für Blinde

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